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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-02-21 · 22 (21.2.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
22 (21.2.1947)
Date
1947-02-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Jerusalem. („Our Way”). Die hebräische Presse verurteilt stark den Londoner 'Rundfunksender „B.B.C.” für Uebermittlung nicht genauer Nachrichten aus Palästina. Die Zeitungen verlangen, daß das B.B.C.. einen ständigen Korrespondenten in Palästina einsetzt und daß seitens der britischen Regierung besser auf gepaßt wird, damit der Londoner Sender in der Zükunft Nachrichten über Palästina wahrheitsgemäß übergibt. (Ing.) Jerusalem. („United Press”). Von jüdischen Quellen wird mitgeteilt, daß die britische Regierung beabsichtigt, alle „Illegalen” aus Cypern nach Palästina zu überführen. Sie sollen in Palästina direkt interniert und teilweise aufgrund der Monatsquote befreit werden. Laut einer Mitteilung der „Jewish Agency”- befinden sich ‘ augenblicklich in Cypern 8300 „Illegale”, darunter 600. werdende Mütter. . (Ing.) ♦ •»* („Our Way”).- Die Pariser Ausgabe der „Hefald Tribüne bringt eine größere Abhandlung über die britische Politik in Palästina. Die, Zeitung schreibt, daß das „Weißbuch”'und die daraufhin folgenden Handlungen der britischen Man-"1 datormacht richtig als das* „München des Mittleren' Osten” bezeichnet wurden. England, das Palästina nur aufgrund der Mandatsbestimmungen verwaltet, hat mit der Nichtausfüh-. rung der diesbezüglichen Verpflichtungen verschiedene Verdachte gegen sich zutage gefördert. Palästina konnte während des Krieges viele tausend Juden retten und ist auch in der Lage, heutzutage viele Flüchtlinge aufzunehmen, die son§t in den Lagern verkommen würden. Als Ergebnis dieser Handlung entwickelte sich in Palästina Verbitterung, Unruhe und Terror. Es sei nur die Disziplin. und Selbstbeherrschung der jüdischen Massen zu bewundern, nachdem England nur diejenigen Bestimmringen des . Mandats ausführt, die ihm nützlich sind.”. (Ing.) « „Our Way”. Die „Jewish Review” bringt einen Bericht über die Lage der Juden in der Tschechoslowakei. Der Verfasser, Maurice Feldmann, glaubt, daß . die Rehabilitation der Juden in der Tschechoslowakei im Allgemeinen größere Fortschritte zu verzeichnen hat, als in den Nachbarstaaten. Aber nür in den tschechische^ Gebieten, also Böhmen und Mähren, herrscht eine gute Beziehung den Juden gegenüber. Ganz anders ist die Lage in der Provinz Slowakei, die qus Hitlers Gnaden „selbständig” war. In der Tschechoslowakei leben jetzt zirka 50 000 Juden — von den zirka 225 000, die : dort vor dem Kriege gelebt haben. '? . - In Böhmen und Mähren erweist die nichtjüdische Bevölkerung den Juden große Sympathie, in der Slowakei dagegen / hat die antijüdische Propaganda starke Wurzel geschlagen. (Ing.) Symbolische Reparationsforderungen New York. (DPD-Reuter). Die Juden werden symbolische Reparationsforderungen an Deutschland stellen, erklärte Dr. Perlzweig, der Führer der britischen Juden, auf einer Pressekonferenz in New York. Die Reparationsforderungen sollen dem Außenministerrat vorgelegt werden," wie Dr. Perlzweig hinzüfügte. Perlzweig ist Leiter der politischen Abteilung des Weltjudenkongresses. Bei der Regelung der deutschen Frage, so erklärte Dr. Perlzweig weiter,- daß der Friedensvertrag Deutschlands Schuld bei dem Versuch, die Juden in Europa zu vernichten, ausdrücklich festlegt. Zwar könnten symbolische Reparationszahlungen nicht als Ersatz für die Vernichtung jüdischen Lebens angesehen werden, aber sie seien ein wichtiger Akt der Gerechtigkeit, der vollzogen Werden müßte. Bei der Regelung der deutschen Frage*, so erklärte Dr. Perlzweig, könne man an dem Schicksal einer Viertelmillion verschleppter Juden nicht vorübergehen. „Deutschland ist immer noch ein antisemitisches Land, und es wäre eine der größten Torheiten, diese Tatsache zu übersehen”, sagte er. „Es muß eine Art rechtliche ‘ Verfügung entworfen werden', die den verschleppten Juden auch weiterhin : den Schutz der Vereinten Nationen sichert”, fügte der Führer der britischen Judenhinzu. Abschließend' brachte er zum Ausdruck, daß die Juden niemals zustimmen würden, die Verschleppten irgendeiner deutschen Polizeigewalt auszuliefem. New York. (ITA). Bernard Baruch wurde mit der „Hebräischen Medaille für das Jahr 1946” beehrt, als Zeichen der Anerkenpung für seine-Bemühungen für die jüdischen Flüchtlinge, für Verbesserung des Einvernehmens zwischen Juden und Christen und für allgemeine Leistungen auf dem politischen und ökonomischen Gebiete. Die „Hebräische Medaille für das Jahr 1945” erhielt bekanntlich General Eisenhower. (Ing.) New York. ITA. Zum ersten Male. in der Geschichte der amerikanischen Flotte ernannte das Kriegsministerium den Rabbiner Samuel Sobl, als ständigen Vertreter der jüdischen Religion bei den US-Seestreitkräften. (Ing.) Newyork. (ITA). Der Sonderdelegierte' der UNRRA, Mr. Hirschman, der soeben aus Europa zurückkehrte, verlangte auf einer Pressebesprechung die sofortige Erlaubnis zum Einwandern von 50 0ÖQ jüdischen Flüchtlingen nach den Vereinigten Staaten und — diesem Beispiel folgend — ähnliche Schritte anderer Länder. (Ing.) Straße. Er lief so schnell er konnte zum großen Bunker. Die Flak schoß wie wahnsinnig, und1 in 'der Feme vernahm er das Detonieren von einschlagenden Bomben. Brände zuckten in allen Richtungen von Berlin auf. Plötzlieh sah er Leuchtzeichen am Himmel, Christbäume, ganz in der Nähe! Signale zum Angriff! Trotz seines. Hastehs mußte er lachen.- „Die dort oben kamen, die Tod und Verderben brachten, sie waren die einzigen, die ihn wieder frei machen konnten,” Er haßte den Krieg, weil Frauen Und Kinder hineingezogen wurden. Er haßte jede Gewalt. Hitler warf die ersten Bomben auf Polen, jetzt fielen sie auf Deutschland, auf Berlin! Und er floh wie die" anderen Menschen in die Keller und Bunker. „Nur nicht sterben” hämmerte es in ihm,' „nur nicht sterben, nicht durch jene dort am Himmel, auf die ich warte! Und er rannte, rannte weiter, denn das Grauen kam über Berlin. Die Straße, durch die er laufen wollte, war durch herab*, fallende Trümmer versperrt. Menschen schrien, und er sah im flackernden Schein des Feuers Verletzte, die fortgetragen wurden. . Er lief zurück. In einen fremden Keller wagte er sich nicht. Die Angst vor der Gestapo war größer als die Angst vor den Bomben. $o kam er auf einen großen ^freien Bauplatz und warf sich' zwischen zwei Sandhaufen auf die Erde. Blendende Helligkeit war um ihn. Immer noch schoß die Flak, fauchten und detonierten die Bomben. Sein Herz -klopfte, und ihm schien, als ob die Erde, auf der er lag, das Klopfen auf nahm Und verstärkt wieder gab. Als der Angriff in der Feme verhallte, schritt er langsam zum Hause des Schneiders zurück. Er fühlte sich ausgepumpt und schwach, Es war Januar, zwar nicht sehr kalt, aber er war durch die Nacht-gelaufen, durchgeschwitzt von der Anstrengung, lange auf der nackten Erde, gelegen und jetzt ließ ein Kältegefühl ihn erschauern. Am nächsten Morgen erwachte er mit heftigen Kopfschmerzen. Seine Kehle war trocken, er fühlte sich fiebrig und' hustete leicht. In der folgenden Nacht kamen zwei weitere schwere Angriffe. Wieder jagte er auf Umwegen, Weil gesperrte Straßen ihn hinderten, zum Bunker und zurück. Am dritten Tage hatte er 40 Grad Temperatur. Seine Wirtsleute pflegten ihn. Sie kochten Tee, machten Umschläge, liefen nach Medikamenten, kühlten und halfen, wo sie nur könnten. Sie wollten einen Arzt zu Rate ziehen, aber M. lehnte mit Rücksicht auf sie, seine Freunde, ab. Er zwang sich krampfhaft gesund, zu erscheinen, doch als er einmal, versuchte aufzustehen, brach er vor dem" Bett zusammen. Sein Zustand verschlimmerte sich bedenklich und der ohnehin geschwächte Körper verfiel rasch. In den Fieberphantasien rief er mehrmals die Namen seiner Söhne, sprach von. seiner Frau, von Amerika, von Pässagen, der Gestapo, dem Ehepaar B., von Bomben, dem Bunker und - vom gelben Stern. Am achten Tage seiner Krankheit starb Leo M. In der folgenden Nacht wurde von dem Ehepaar K. ein schwerer Sack die Treppe heruntergetragen, auf der Straße auf einen Handwagen gelegt und fortgefahren. Am Morgen des nächsten Tages fanden Arbeiter auf einer Bank in den 'Parkanlagen die; ausgestreckte'Leiche eines älteren Mannes. Der Tote hatte keinerlei Papiere bei sich, die über seine Person Auskunft gaben. . Und wer wird Kaddisch sagen? — , /

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