Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-02-21 · 22 (21.2.1947) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
22 (21.2.1947)
Date
1947-02-21
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9498581-9366319-9386244--253-9366249
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

NEUES AUS ALLER WELT Drei Monate Gefängnis für Synagogen-Schänder Lichtenfels. (DENA). Wegen Beteiligung an der Zerstörung einer Synagoge verurteilte das hiesige Amtsgericht vier ehemalige SA-Führer zü je drei Monaten Gefängnis. Die Verurteilten wurden für schuldig befunden, an der Zerstörung der Burg-Kunstadter Synagoge in der Nacht vom 8. zum 9. November 1938 beteiligt gewesen zu sein. Bamberg. Einer Mitteilung der Stars and Stripes’’ zufolge, wurden in Bamberg Flugblätter verteilt, in denen u. a. behauptet wurde, der Nürnberger Prozeß sei von jüdischen Bankiers aus New* York finanziert worden . . .. (Ing.) , . . daß „Gerechtigkeit” blühe .... Heidelberg. („Our Way’’). Der frühere stellvertretende Bürgermeister in Waldorf, Friedrich Mayer, der unter der Anklage stand, im Jahre 1938 an der Spitze des Judenpogroms gestanden zu haben, wurde zu . . . . 16 Monaten Gefängnis verurteilt. .(Ing.) Paris. („United Press”). Ein aus dem Internierungslager Cypern geflüchteter Offizier der „Haganah” erklärte vor Pressevertretern, daß England den dort internierten „Illega-^. len” das Angebot unterbreitete,. sich frei in Australien oder in anderen Teilen 'des Empire niederzulassen; allerdings müßten sie sich verpflichten, nie wieder nach Palästina zu kommen. Kein einziger der Internierten hat den Vorschlag angenommen.. (Ing.) „Our Way”. Dank der tschechischen* Polizeiverwaltung konnte der Henker des Warschauer Ghettos K o n r a d festgenommen werden; er \yurde dem polnischen Gesandten in Prag überstellt. Konrad konnte vor kurzem zusammen mit noch 2 Nagiverbrechem von einem Transport, mit dem sie nach "Polen gebracht werden sollten, flüchten. (Ing.) Warschau. Der polnische Staatspräsident Bierut empfing Vertreter des „American Joint” und versicherte ihnen, daß die polnische Regierung die Juden unterstützen wird und ermöglichen wird, si«h Existenzen dort zu gründen. (Ing.) Warschau. Das Archiv des bekannten jüdischen Geschichtswissenschaftlers Dr. Ringelblum, welches vor kurzem unter den Trümmern des Warschauer Ghettos gefunden würde, wurde vom polnischen Tribunal übernommen. Es soll als Zeugenmaterial gegen den früheren Gouverneur Ludwig Fischer und seinen Komplicen dienen. (Ing.) Warschau.'(„Our Way”). Der Jüdische Gemeinderat übernahm von der polnischen Regierung 6 Kisten mit Lehrbüchern aus .dem Rabbinerseminar in Lublin sowie zirka 100 kg Silber-Requisiten, die die Nazis in vielen Synagogen in Polen raubten. . (Ing.) Stockholm. (DENÄ-Reuter). Mehrere hundert jüdische Flüchtlinge aus ehemaligen deutschen Konzentrationslagern, die sich in Schweden befanden, haben Trelleborg verlassen, um sich zur Ansiedlung nach Kuba zu begeben. In Le Havre haben sich. 200 weitere Flüchtlinge aus Frankreich dem Transport angeschlossen. Jüdisches Kulturzentrum in London London. (DPD.) -‘Spenden für ein großes jüdisches Kulturzentrum im Londoner East-End t werden gesammelt, um in der Nähe des gegenwärtigen jüdischen Theaters in der Adler-Street ein repräsentatives Gebäude zu errichten. Es wird eine dramatische-Akademie, Lesesäle, eine Bibliothek der Weltliteratur und andere kulturelle und soziale Einrichtungen enthalten. Das neue- Gebäude wird wahrscheinlich dem Andenken der Juden gewidmet sein, die durch das Hitlerregime den Tod fanden. ¥ ■ ' London. Im Zusammenhang mit den Verhandlungen der stellvertretenden Außenminister über den Friedensvertrag mit Deutschland, wurde Vom Rat der jüdischen Gemeinden in England ein Memorandum entworfen, das' bei den Verhandlungen vorgelegt wird. Der Vorsitzende des „Board of Deputies” Dr. Perlzweig erklärte, daß das jüdische Volk „symbolische” Reparationen von Deutschland .verlangen wird. Diese symbolische Zahlung soll keine Vergütung für die begangenen Schandtaten, sondern ein Ausdruck der . Gerechtigkeit sein. ' / Weiterhin erklärte Dr. Perlzweig, daß keinesfalls die unglückliche Lage der zirka 250 000 verschleppten Juden verschwiegen werden kann. Deutschland sei 'noch immer ein antisemitisches Land und es wäre der größte Fehler, dies nicht in Acht zu nehmen. Die Juden müßten auch weiter unter dem Schutz der Aliierten bleiben, da sie niemals einverstanden sein werden, der deutschen Polizei ausgeliefert zu sein. (Ing.) Jerusalem. („Our Way’’). Die Regierung von Irland schenkte eine Million Dosen . „koscheres” Fleisch, im Werte von 80 000 Pfund, für jüdische Flüchtlinge in Europa. Die Gabe übernahm der britische Oberrabbiner Dr. Herzog während seines letzten Besuches in Dublin. (Ing.) Kurt Zeunert: „Und wer wird Kaddisch sagen?" * (Fortsetzung und ^Schluß). Die ersten Tage seines Exils verliefen ruhig. Er schlief‘Und wohnte in einem winzigen Kämmerchen neben der Küche. Anfangs versuchte er seine jüdischen Bekannten durch Herrn K. Nachricht zukommen ' zu lassen. Viele waren indessen schon fort, einige, wie er, untergetaucht, andere wiederum warteten'■in ihren Wohnungen auf das Unabänderliche. < Im Laufe der Zeit fiel ihm die Untätigkeit schwer. Er half Frau K. bei der Küchenarbeit und dem Schneider beim Bügeln oder zeichnete in seinem Zimmer einzelne Typen von Menschen, die er, vorsichtig hinter seiner Gardine aus dem Fenster lugend, auf der Straße erblickte. Die Lebensmittelkarte von M. ging zu Ende und Herr K. besorgte gegen teures Geld auf dem schwarzen Markt Reisemarken für mehrere Wochen. Fast jede Nacht waren Fliegerangriffe, und auch am Tage kamen die Bomber immer häufiger. M. schlief nachts mit einem alten Kopfhörer auf dem Kissen, wahrend der Empfänger auf die Welle des Flaksenders eingestellt' war. So wie er das Ticken-des Senders vernahm, wartete er auf die erste Meldung, die fast .immer lautete: „Feindliche Flugzeuge im Raume Hannover—Braunschweig und im Anflug auf Nordwestdeütschland”! Dann stand er sofort auf, zog sich an und verließ leise das Haus, nicht ohne vorher seine Wirtsleute zu verständigen. Er lief durch die verdunkelten Straßen zum großen Bunker und saß dort zusammen mit alten Leuten, Frauen und Kindern, um das Ende des Angriffes abzuwarten. Diese nächtlichen Wfege waren auch sehr oft vergebens, denn nicht ünmer erreichten die Flugzeuge den Raum von Groß-Berlin. Aber immer mußte er rechtzeitig aus dem Hause sein, um nicht bei Ertönen des offiziellen Fliegeralarms mit den übrigen Hausbewohnern auf der Treppe zusammenzutreffen und somit , seine Anwesenheit preiszugeben. Oft dauerte die Luftgefahr länger als Stunden, ganz zu schweigen von den Tagesangriffen und der Häufigkeit der täglichen und nächtlichen Anflüge. M. lief zum und" im' Bunker immer; etwas gebückt an einem Krückstock, um Unter Vortäuschung eines Gebrechens zu verhindern, durch irgendeinen Luftschutzführer zu Aufräumungsarbeiten hera'ngezogen zu werden, dabei vielleicht seine Personalien angeben zu müssen und somit seine Identität zu verraten. So lebte er fast drei Monate. Durch den ständigen Aufenthalt in der Wohnung und im Bunker, durch schlechte Ernährung und das angespannte halbwache Warten auf das Einsetzen des Drahtfunkes während der Nacht, hatte sein Körper schwer gelitten Er befand sich in einem Zustand der Kraftlosigkeit und Uebermüdung. Eines Nachts wurde' er durch das Gebell der Flak aus dem Halbschlaf gerissen, während gleichzeitig die Sirenen ertönten. Er hatte die Rundfunkmeldung überhört. Schnell huschte er aus dem Bett, war blitzschnell angezogen und bevor die übrigen Hausbewohner in den Keller eilten, auf der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.