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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-02-05 · 21 (5.2.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
21 (5.2.1947)
Date
1947-02-05
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Auf illegalen Wegen nach Palästina In der Pariser Ausgabe der „New York Herald Tribüne” vom 12. i2. 1946, ist ein ganzseitiges Inserat veröffentlicht, das folgenden Wortlaut hat: „An das englische Volk! , . Das gegebene Wort eines Engländers ist heilig. Ihr zogt in den Krieg, um Eure Verpflichtungen gegenüber Polen zu erfüllen. Euer großer Churchill sagte: Wir werden unsere Insel verteidigen, was immer es auch kosten mag. Wir . werden an den Küsten kämpfen, wir werden auf den Feldern und in 'den Straßen kämpfen, wir werden auf den Hügeln kämpfen. Wir werden niemals zurückweichen. Und mit Blut, Schweiß und Tränen habt Ihr gekämpft — und gewonnen. Weil Ihr für Euer Heim kämpftet, - für Eure Heimat. Erwartet Ihr von uns, daß wir weniger für Palästina tun? Wir kämpfen auch für unser Heim, unsere Heimat. Ihr verspracht uns, und das. gegebene Wort eines Engländers ist heilig.” / Der Streit um Palästina geht seinem Höhepunkt entgegen. Das zitierte Inserat ist eine Mahnung an England und' bekräftigt den festen Willen des jüdischen Volkes, die nationale Heimat in-Palästina unter allen Umständen zu verwirklichen. Neben dem Kampf in der Oeff entlichkeit spielt sich ein zweiter iü der Illegalität ab. Viele tausend Juden, die seit Jahr und Tag in den Lagern für Displaeed Persons in Deutschland, Oesterreich und Italien schmachten, haben den Entschluß gefaßt, in kleineren und größeren Gruppen, das Ziel ihrer Wünsche, Palästina auch ohne Genehmigung zu erreichen. ~ Wie New York Herald Tribüne am 6. Dezember berichtete, ist Genua augenscheinlich das Zentrum der jüdischen; Kontrollorganisation für die illegale Auswanderung. Die ankommenden Juden werden in einem dreistöckigen Gebäude in der Via de Gaspari untergebracht. Die Zahl , der Personen, die von der ÜN-Hilfsorganisation unterhalten werden, schwankt zwischen 50 bis 60 Personen zur gleichen Zeit. Die’ in Genua ankommenden Juden erwarten ihre Abreise nach Palästina offiziell gemäß der Auswanderungsquote, aber, nach wenigen Tagen sind einige von ihnen verschwunden. Niemand in Genua weiß offizeil, was aus ihnen geworden ist, aber inoffiziell weiß selbst die italienische Polizei, daß. sie den Weg ins Heilige Land gefunden Haben. Eine offizielle Persönlichkeit def Genueser Polizei, befragt von einem Korrespondenten der United Press, hat ehrlich zugegeben, daß die italienische Polizei beide Augen zudrücke und nicht» einen Finger rühre, uni der heimlichen Einschiffung vorzubeugerj.. Die Gründe, die die Beamten für diese „Unachtsamkeit” angeben, sind folgende: Die alliierten Behörden teilen den Italienern keine Namen von ankommenden und abreisenden Juden mit und gestatten keine wirksame Kontrolle vön' Ausländern. Italien ist. augenblicklich überschwemmt von gestrandeten Fremden aller Nationen,, die den italienschen Behörden große Schwierigkeiten verursachen, und „jeder Jude, der Italien' verläßt, ist ein Fremder weniger.” . *■ - Die für den heimlichen Verkehr mit. Palästina gecharterten Schiffe sind zumeist italienische, aber ein Teil von fremden Fahrzeugen nimmt an dem lukrativen Geschäft teil.- Nach dem Verlassen der ligurischen Häfen mit einer unbedeutenden Ladung, für den mittleren Osten bestimmt, lenken die Schiffe ihren Weg meistens während der Nacht um und steuern gewisse Punkte an der Küste an, wo die Juden aufgenommen werden'? Diese Punkte sind gewöhnlich Albissola, Arenzano, Savöna, Bergeggi und Capo Noldi. Praktisch gesehen, haben alle Schiffe, die zur Geheimfahrt nach Palästina bestimmt sind, doppelte Böden, die eingerichtet sind zur Unterbringung von 40 bis 50 Juden. Den Passagieren ist verboten, an-Deck zu gehen, aber bei Nacht, wenn nichts zu sehen ist, 'ist ihnen erlaubt, in kleinen Gruppen für wenige Stunden an Deck frische Luft zu atmen. Sie leben während der ganzen Fahrt, die gewöhnlich sieben bis acht Tage dauert, von Biscuits und Wasser. Ueber die Fahrt eines Flüchtlingsschiffes berichtet am 9. Dezember „Time”: „ln tiefster. Dunkelheit keuchte das Flüchtlingsschiff „Lojita”, von seinen Passagieren „Jewish Assembly” genannt, Wir bitten zu beachten, daß von jetzt ab Veröffentlichungen von wichtigen Mitteilungen in der Frage der Wiedergutmachung unseren Ausgaben als Sonderbeilage beiliegen. Durch diese Mehrkosten sind wir gezwungen, im Einzelverkauf einen Aufschlag von 10 Pfg. pro. Exemplar in Anrechnung zu bringen. Unseren Abonnenten stellen wir anheim, uns den entsprechenden Gegenwert auf . unser Postscheckkonto: Essen 68080 mit dem Vermerk „Für Sonderbeilage” zu überweisen. durch die Wellenberge des Mittelmeers. Auf den stinkenden Zwischendecks, entlang der verrosteten'Planken, tief in den Maschinenräumen und selbst in den alten, verfaulten Rettungsbooten hoch in den Masten zitterten 3854 Flüchtlinge, davon 591 Kinder, um ihr Leben. Sie hatten sich mit einer kleinen Flotte von Barkassen, Fischerbooten und Ruderbooten aus ihren Schlupfwinkeln in Frankreich, Italien, Jugoslawien, Bulgarien und Griechenland hervprgewagt, um von dem Schiff aufgenommen zu werden. Drei Tage von Palästina entfernt, verließen der Kapitän und seine Mannschaft das Schiff auf einem kleinen Boot, weil sie befürchteten, von den britischen Hafenkontrollen gefangengenommen zu werden, whnn sie entdeckt würden. ( Eine Gruppe “ von Flüchtlingen setzte über. Spät in dieser Nacht, hinter einem zerfetzten Segel, wurde ein Kind geboren, das neunte der Reise. Der deutsche Arzt, einer der drei an Bord, flüsterte der Mutter zu: „Wir können nicht sterben.” *Zwei weitere Kinder sollten noch geboren werden, bevor das Schiff seinen Bestimmungsort erreichte. Die Aerzte waren im Zweifel, welche Nationalität die Neugeborenen beanspruchen können. . Der. Flüchtlings-Funker, der nicht englisch sprechen könnte, entzifferte mühsam die Nachrichten des Geheimsenders in Tel-Aviv. Es bestand der Plan, eine Flotte von kleinen Booten auslaufen zu lassen, um dem Schiff entgegenzufahren und dann Flüchtlinge in einer „Sturm-Landung” aufzunehmen. Untergrund-Terroristen, die ihre Angriffe in Palästina seit nahezu einer Woche unterlassen hatten, waren bereit, die Polizei wahrend der Landung abzuhalten. Aber der englische Nachrichtendienst erfuhr auch von dem Herannahen der „Assembly”, und drei englische Zerstörer machten den Plan zunichte. Sie beobachteten die „Jewish Assembly”, blinkten einen Befehl, Kiirs auf Cypern1 zu nehmen. Die „Assembly” antwortete: „Nein,-wir sfhd aus den-Konzentrationslagern Europas gekommen. Dieses ist kein Vergnügungsdampfer.” Der Kapitän des britischen Zerstörers for-, derte auf: „Ergebt Euch? Vermeidet- Blutvergießen!” „Niemals, Kapitän,, niemals!” war die Antwort. „Wie Euer eigener Führer sagte, so sagen wir: „Wir werden an den Küsten kämpfen, wir werden in den Straßen kämpfen für' unser Reqht, zu leben.” Das Flüchtlingsschiff wich aus und drehte bei, aber nach 4*5 Stunden gab es auf. Dann, von drei Zerstörern, zwei Polizeibooten und einem Schleppdampfer begleitet, lief die gefangene „Jewish Assembly”, die blau-weiße Zionistenflagge Großtank Franz Flafqrat Düsseldorf,Witzelstr.33-39 Fernruf 11895 AUTOHANDEL — REPARATUREN MERKUR-DROGERIE UND FARBENHAUS Th. Keulen - Düsseldorf ’ STAND ARD-GROSS-TANKSTLLLE 1 ' Düsseldorf, Gartenstr. 137, Ruf: 18471 Filiale: Unterrather Str. 11, Ruf: 24860

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