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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-02-05 · 21 (5.2.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
21 (5.2.1947)
Date
1947-02-05
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Das Haus der jüdischen Lagerleiiung des heutigen Lagers Belsen-Bergen um ihnen, dort die Stätten zu zeigen, in denen über eine Million Tote liegen, damit es dieser Jugend eine Mahnung sein soll für die Zukunft; die Mahnung: „Nie wieder Krieg!” Die Führung der deutschen .Jugendverbände nach dem ersten Weltkrieg ging auf diesen Vorschlag nicht ein, sie konnte ja auch nicht darauf eingehen, weil ihr ja daran lag, diese Menschen nicht zu friedliebenden, sondern kriegerischen Menschen zu erziehen. Und dasselbe denke ich heute. Man sollte keine Posten vor die Lager stellen, die nur bedingt den Menschen die Möglichkeiten geben, sich von der Tatsächlichkeit der Größe der Verbrechen zu überzeugen, sondern man . sollte an jedes dieser Massengräber Ehrenwachen stellen, die die Aufgabe haben, den Menschen, die den Mut besitzen, die wirkliche Wahrheit kennenzulernen, noch die Aufklärung zu geben, die notwendig ist. * Die Bewohner der Umgebung dieses verbrecherischen Konzentrationslagers „wußten von allem nichts”. Es ist verwunderlich, mitwelcher..Kaltschnäuzigkeit sie das behaupten. Es ist unglaublich, mit welchem- Emst sie sagten, daß sie es nie für möglich gehalten hätten, daß in diesem* * Lager solche Verbrechen begangen worden sind. Selbst’ der Briefträger, der beinahe täglich die Post zum Lagereingang brachte, schüttelte den Kopf und erklärte: „Das habe ich nie für möglich gehalten!” * 'Die Ueberlebenden des Konzentrationslagers Belsen und anderer Läger wurden, wie schon gesagt, in den ehemaligen SS-Kasernen untergebracht. Sie sind ernept im Lager. Dieses ganze Lager ist mit Stgcheldraht umgeben und die Eingänge sind bewacht. Die Lagerinsässen haben das Recht, den nächsten Ort aufzusuchen. Familien leben meistens in einem recht primitiv eingerichteten Zimmer,, Junggesellen i.i Schlafräumen, genau so wie in jedem anderen Lager. Von den 11 000 Insassen dieses Lagers sind etwa 800 Jugendliche. Es gab bisher zirka 1100 Eheschließungen und es sind zirka 1000 Geburten gemeldet. Die Menschen warten, sie warten auf ihre Befreiung, aüf ihre wirkliche Befreiung. Und, sie wollen endlich aufhören, Lagerinsassen oder Ghettobewohner zu sein. Sie wollen endlich aufhören, Almosenempfänger zu sein, sie haben zum größten Teil wieder ihre Energien gesammelt und wollen als freie Menschen in einem freien Land endlich wieder zu leben beginnen. Darauf Warten sie nun zwanzig Monate. Seit zwanzig Monaten werden sie täglich an die schrecklichste Zeit erinnert, die je Menschen erlebt haben, durch die Nähe'des Lagers, in denen ihre nächsten Angehörigen und Freunde gemartert und abgeschlachtet wurden. Seit zwanzig Monaten bitten sie darum, das Land zu verlassen, mit dem sie nichts gemeinsam haben, an das sie nur eine Erinnerung haben: Die Erinnerung des Schreckens! Seit zwanzig Monaten bitten sie darum, daß sie ihre Familien wieder selbst ernähren wollen, daß sie anfangen wollen, an ihre Zukunft zu denken, damit sie wenigstens in die Lage versetzt werden, die letzten Jahre ihres Lebens als Menschen zu verbringen. Und alle diese Bitten bleiben ungehört. Diese Menschen sind der Verzweiflung nahe: „Man soll uns in Gottes Namen neüe Krematorien hersteilen und uns verbrennen!” ' „Man soll Bomben auf das Lager herunterwerfen, damit die Toten dieses schrecklichen Landes üm 11 000 vermehrt werden!” „Man soll uns sagen, was man von -uns und mit uns will!” Diese , und ähnliche Verzweiflungsrufe drangen im ganzen Lager an meine Ohren. Und diese Menschen beweisen ihren Willen zur Arbeit, ihren Willen zum Aufbau auf allen Gebieten. Aus eigener Initiative haben diese Menschen, die sich von Skeletten wieder herauf gearbeitet haben, heute in diesem Lager Institutionen geschaffen, die mehr als bewundernswert sind: Das Lager hat Volksschul-en und Gymna- Oben: Soldaten der jüdischen Brigade an einem Massengrab von 2000. — Links: Aussuchen von Knochenresten am Ofen des Krematoriums. — Rechts: Am Gedenkstein. UM: i®l| HÜ mm "WO llif HÜ Enthüllungsfeier des Gedenksteins Die zahntedmische Schule Die Gewerbeschule

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