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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-02-05 · 21 (5.2.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
21 (5.2.1947)
Date
1947-02-05
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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New York. In einem Schreiben an das Institut für jüdische Angelegenheiten beim American Jewish Kongreß und dem jüdischen Weltkongreß^, erklärte Oberrichter Jackson (amerikanischer Ankläger in Nürnberg), daß dieses Institut und sein Leiter, Dr. Robinson in großem .Maße dazu beigetragen hat, daß der jüdische Teil der Anklage so klar und scharf begründet war. Mr. Jackson schreibt folgendermaßen: „Dank der planmäßigen Forschungsarbeit verfügte -das Institut bei Kriegsende über eine große Anzahl Dokumente über die Nazi Verfolgung der Juden, besonders aber über die antijüdischen Gesetze, sowie alle Angaben über die Anteilnahme sämtlicher Verurteilten an den Judenverfolgungen. Die Zusammenstellung dieses Beweismaterials verlangte große Arbeit und vorsichtige Untersuchung, und das Institut stellte dieses Material dem Internationalen Tribunal zur Verfügung. Die Judenverfolgungen waren eines der riauptmomente in der Anklage, und das Institut für jüdische Angelegenheiten hat im großen Ausmaß geholfen, diesen Teil der AnMage erfolgreich zu präsentieren. Ich begrüße auf das herzlichste das Institut und seinen Leiter für die Initiative, Tüchtigkeit und Hilfe, die sie dem Prozeß beisteuerten, um ein gerechtes Urteil über die Kriegsverbrecher zu fällen”. . (Ing.) New York. Bei einem Flugzeugunglück in Irland kamen \u. a. zwei wichtige jüdische Persönlichkeiten ums Leben, und zwar Pierre JDreifus, angesehener Mitarbeiter vom amerikanischen „ORT” und „OSE”, und Alexander Pekelis, zionistischer Arbeiterführer, der soeben: vom zionistischen Kongreß in Basel' zurückgekehrt ist. (Ing.) New York. In New York wurde ein neues Komitee, mit dem früheren amerikanischen Emigrationskommissar, EARL HARRISON an der Spitze,. gegründet, welches bei der Regierung vorstellig wird, um 400 000 Flüchtlinge aus Europa nach Amerika einwandern zu lassen. Bekanntlich ist Harrison der Vertreter Amerikas in der internationalen Flüchtlingsorganisation. # (Ing.) Haifa. (DANA-Reuter). Der Vorsteher eines, arabischen Stammes in Palästina, Emir Mohammed Cinety, wurdö von unbekannten Personen ermordet. Cinety soll Boden an Juden verkauft haben. < (Ing.) München. („Our Way”). Der Bayerische Minister für politische Säuberung Alfred Lorenz erörterte im Rundfunk sein Programm zur Entnazifizierung. Gemäß .dieses Programms sollen Deutsche, die in die Partei' nach der Machtergreifung Hitlers eingetreten sind, nicht als „Mitläufer”, sondern als „Gezwungene”, ja sogar als „Opfer : des Faschismus” betrachtet werden ... (Ing.) A. Remba (Tel Aviv) („Unsere Welt”) Der Kongreßmaler Gutmann Er war wie von einer anderen Welt. Intelligent, in schwarz gekleidet. Ein typischer Künstler. Auf den Kongressen sah man ihn mit Pinsel. und Palette in'der Hand., „Akademischer Maler” war sein Titel., Sein Name wurde in den zionistischen Kreisen und in der jüdischen Welt dadurch populär, daß er zu Fuß zu jedem zionistischen Kongreß zu'gehen pflegte. Ein halbes Jahr vor Beginn der Kongresse verließ er seine Vaterstadt Prag in der Tschechoslowakei mit der Berechnung, gerade zur Eröffnung der Sitzungen den Kongreß zu erreichen. In jeder Stadt, die er durchwanderte, bekam er vom Bürgermeister •die Unterschrift in sein Album. Die zionistischen Parteien in jedem Lande kannten ihn gut und fühlten sich mit viel Liebe zu diesem sonderbaren Menschen hingezogen. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man ihm vor dem Kriege in Wien. Sein erster Besuch in Wien galt dem Grabe Theodor Herzls, wo er immer einige Stunden verbrachte und das Grab mit viel Pietät pflegte. Die. Akademikerverbände in Wien nahmen sich dieses Mannes an, sorgten für seine Unterkunft und Verpflegung. UnterWegs lebte der Maler von seinen Bildern. Auch während der Kongresse malte er die bekanntesten Persönlich^ keiten und davon bestritt er seinen Unterhalt. Keinen Kon- .greß versäumte er. Prof. Weizmann pflegte zu sagen: „Wir können den Kongreß eröffnen, Gutmann ist schon angekommen ...” Im Laufe vieler Jahre sammelte er in seinem Album viele wichtige Unterschriften' von Städten und Ländern, die er durchwanderte, und auch von Persönlichkeiten der Kongresse. ‘ Vor vielen Jahren wollte ein amerikanischer Maler, ein reicher „Yankee”, seine Sammlung für viele tausend Dollars erwerben. Gutmann lehnte den Vorschlag ab. Wozu brauchte er Geld? Hat er sich denn jede zwei Jahre tausende von Kilometer seine Füße wund gelaufen,, um dann dafür bezahlt zu werden? Auf dem letzten Kongreß hat man derW Maler Gutmann nicht mehr gesehen. Unter den sechs Millionen Hingemordeten aus Europa befindet sich auch der „akademische Maler” Gütmann, der Pilgrin zu allen zionistischen Kongressen vor' dem Kriege. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch Hitler, wurde Gutmann verhaftet und fand seinen Tod in Bergen-Belsen, zusammen mit vielen ionglücklichen Brüdern seines Volkes. (Aus dem Jüdischen übersetzt von Ing.) sehen Wochen- und monatelang. An, einem Septemberabend kam M. nach Hause. Wie üblich wollte er die Wohnungstür mit dem Drücker öffnen. Aber diesmal ging es nicht. Abgeschlossen! Er fingierte nach dem Schlüssel zum Sicherheitsschloß, öffnete und trat «in.. Auf dem Korridor brannte Licht. Er war erstaunt und unruhig. Zögernd schritt er über die leicht knarrenden Dielen und blieb vor der Tür zum Wohnzimmer stehen, klinkte auf und tastete nach dem Lichtschalter. . . Schwaches Licht erhellte den sauber aufgeräumten Raum, der so aussah, als ob er Besuch erwarte. M. mußte plötzlich lächeln, denn auf dem Tisch in der Mitte des Zimmers lag jene dunkelrote plüschdecke, die Frau B. so liebte und die er so abscheulich fand, weil sie immer einen verstaubten Eindruck machte. Ein offenes, schwarzes Kästchen auf dem Tisch fiel ihm auf. Understaunt nähertretend erblickte er darin ein eisernes Kreuz, ein Verwundetenabzeichen und ein Erinnerungskreuz für Frontkämpfer aus dem - Kriege 14—18, und auf dem gelben Stern, der ihm ebenfalls aus dem Käst-' chen entgegengrellte, stand das Wort „Jude”. M. blickte unwillkürlich aüf den gelben Stern, den er selbst an" seinem Mantel trug und lächelte wieder. „Seltsam”, dachte eti »Juden ist doch das Tragen von Kriegsauszeichnungen verboten” und gleichzeitig entdeckte er unter dem Boden des Kästchens drei Bogen weißen Papiers, die er hervorzog. Auf den beiden ersten sah er die Namen seiner Mitbewohner und auf dem dritten, fand'er seinen Namen. Auf sämtlichen Papieren aber Ständern klarem Amtsdeutsch zu lesen, daß der oder die Obengenannte sich am Samstag, dem .... 194 mit nachstehend äufgeführtem Gepäck zur Abholung bereit zu. halten hätte. Gezeichnet: Unterschrift. — Ende. — Und M. .starrte vor sich hin, so, als ob er den wirklichen Sinn dieser. Zeilen garnicht verstanden hätte, obwohl er eigentlich täglich auf sie gewartet hatte. „Ausgerechnet am Schabbes!”, ..aber er dachte dabei nicht an sich, sondern an den alten Herrn B., welcher ihn jeden Samstag bedauerte, wenn , er seiner Arbeit nachgehen mußte, während jener, doctunur infolge seines hohen Alters, in der Lage war, den Sabbath zu halten. . Doch dann fiel ihm das Licht auf dem Korridor ein, die abgeschlossene Wohnungstür und hier das Kästchen mit den Kriegsauszeichnungen und dem Judenstern, und einer plötzlichen Regung folgend, legte er die Blätter wieder aus der Hand, trat an' die Tür, die zum Schlafzimmer seiner Obermieter führte. Er öffnete, spürte einen feinen, leichten Geruch von Bittermandel und sah das Ehepaar. B. mit verzerrten Gesichtem und im Tode weit geöffneten Augen auf seinen Betten liegend. M. stand fassungslos im TürrahmeA. Dann stürzte er zu den Betten und rüttelte an den Leichen. Einmal! Zweimal] Sinnloses Tun! Bie Menschen waren doch tot, steif. — Wirr jagten die Gedanken durch seinen Kopf! Sollte er Hilfe holen? Sollte er Angehörige benachrichtigen?-Wen? Wo? Und dann, wer würde Kaddisch sagen? Wer würde Kaddisch ..... . sagen? Wer .....,? .Erschöpft kehrte er in das Wohnzimmer zurück und erblickte erneut die drei weißen Blätter auf dem Tisch. „Sollte auch er? . . ., aber dann brach er den Gedanken

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