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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-02-05 · 21 (5.2.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
21 (5.2.1947)
Date
1947-02-05
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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NEUES AUS ALLER WELT Berlin. (DANA). Der alliierte Kontrollrat in Berlin machte bekannt, daß ab 15. Januar d. J. die Postverbindung in Deutschland und auch mit. dem gesamten Ausland in allen Sprächen erlaubt ist (einschließlich jüdisch und hebräisch). (Ing.) Jawor (NiederSchlesien). In Wolkowa fand man bei einer deutschen Frau versteckte Betschals (Talessim), mit Blutflecken. Das örtliche jüdische Komitee ' hat diese Talessim feierlich zur letzten Ruhe auf dem jüdischen Friedhof in Jawör gebettet. An der Beerdigung nahmen viele Juden aus. der Umgebung sowie Vorsteher vieler Institutionen teil. (Ing.) Paris. Als Ergebnis einer zweitägigen Besprechung im französischen Außenministerium wurde zwischen den Vertretern von Frankreich, England und Amerika eine Abmachung getroffen, die die Durchreise der jüdischen Flüchtlinge aus Mitteleuropa durch Frankreich regelt. (Ing.) Rom. Der American Joint übernahm in Meran eine Lungenheilanstalt mit 150 Betten. Dieses Krankenhaus ist vorgesehen nur für jüdische Kranke und auch Italiener, die. Juden während der Verfolgungszeit unterstützt haben. Leiter dieses Krankenhauses ist Dr. Gottlieb aus Johannesburg, dem 58 Aerzte und -Krankenschwestern unterstehen. (Ing.) Budapest. Der jüdische Wiederaufbau-Fond,1 der vom Parlament für die Juden bestimmt wurde, soll künftig unter der Leitung eines Curatoriums stehen. Dieser Verwaltungsrat besteht aus Vertretern, die 1. vom Ministerpräsidenten, 2. vom Zentralrat der ungarischen Juden und 3. vom Zentralbüro der orthodoxen Juden in Ungarn, ernannt werden, Die Gelder für den Fond werden vjm Verkauf der Vermögen, die die nicht mehr zurückgekehrten Juden hinterlassen haben, genommen. (Ing.) Sofia. Der bulgarische Finanzminister hat angeordnet, daß beschlagnahmtes Vermögen, welches dann an eine dritte Person übertragen wurde, mit sofortiger Wirkung dem gesetzlichen Inhab<# zurückzugeben ist, bei dem das Vermögen seitens der Regierung beschlagnahmt wi^rde. Die Verordnung sieht vor, daß diejenigen Personen, die das Eigentum während der Okkupationszeit erworben haben, seitens der Regierung entschädigt werden. Diese Verordnung ist im Einklang mit dem bereits fangenommenen Gesetz wegen Rückerstattung der jüdischen Vermögen, die*" beschlagnahmt oder unter Zwang des Naziregimes verkauft werden mußten. (Ing.) Saloniki. Der griechische Justizminister versprach einem Vertreter des amerikanisch-jüdischen Komitees, daß die-Regierung in Kürze ein Gesetz über die Rückerstattung der bei Juden seitens der Nazis beschlagnahmten Vermögen veröffentlichen wird (Ing.) Jerusalem. (Reuter). In Haifa erfolgten 2 gewaltige Attentate in den Gebäuden des Polizeipräsidiums und des Postamtes. Die Anzahl der Verletzten erreicht hundert. (Ing.) Jerusalem. (Reuter). Die Militärzensur verbot der Presse und Rundfunk jegliche Mitteilung über die Bewegungen des Oberkommandierenden, General Barker. Im Zusammenhang mit den Anschlägen in Haifa wurde eine allgemeine Ausgangssperre verhängt. (Ing.)' Jerusalem. Der'„Irgun‘Zwai Leumi” hat durch Plakatanschlag bekannt gemacht, daß für die Zeit der Londoner „Round-Table”-Besprechung jeglicher Kamnf in Palästina stillgelegt sei, bis ein klares Bild über die Zukunft Palästinas bekannt ist. (Ing.) . Jerusalem. (Reuter). Der Oberkommandierende der brititischen Truppen in Palästina, General Barker, änderte die Prügelstrafe gegen den Jugendlichen Aharon Cahan in Gefängnisstrafe. Bekanntlich wurde der siebzehnjährige Cahan für Vertrieb von Flugblättern des „Irgun” zu zwölf Stockhieben verurteilt. (Ing.) Jerusalem. (United Press). Der Panzerwagen, den der britische König während der deutschen Luftangriffe auf London benutzte, wurde nach Palästina versandt. Der Wagen ist bestimmtfür den High Commissioner General Cunningham. Er wiegt zirka 3500 kg. und ist mit speziellen Panzerstahlplatten und geschoßsicheren Fenstern versehen. (Ing.) M. W.. Berkelmän zum Vice-Chairman des „Joint” für Europa ernannt New York. Moses W. Berkelmän, ehemaliger Stellvertreter Sir Herbert Emersons, Direktor des „Regierungs-Unterausschusses für Flüchtlinge in Amerika”, wurde von der „Joint”-Leitung zum Deputy-Director für Europa und Vice- Chairman des europäischen Vollzugsrates des „Joint” ernannt. ,Mr. Berkelmän befindet sich zur Zeit im Europa-Hauptbüro des „Joint” fh Paris, wo er zusammen mit Dr- Joseph Schwarz (Europa-Director des „Joint”) das Programm der Aufbau- und Auswanderungsarbeiten des Joint für die in Europa lebenden Juden bearbeitet. Kurt Zeunert: „Und wer wird Kaddisch sagen?' Es war in jenen Tagen, als die schweren Angriffe der alliierten Luftwaffe auf Berlin begannen, als dort offiziell nur noch diejenigen Juden und Jüdinnen lebten, welche durch eine Ehe mit christlichen Ehepartnern vor einer Verschleppung nach dem Osten geschützt wurden. Ausgenommen hiervon waren jene jüdischen Menschen, welche der Gestapo entronnen, illegal bei hochherzigen deutschen Freunden Zuflucht fanden, verzweifelt, müde und abgehetzt und die, eben von jenen Freunden versteckt, gespeist und betreut wurden. Außer diesen gab es noch jene bedauernswerten Juden, die, um ihre Angehörigen und Freunde nicht einer Verfolgung durch die Gestapo auszusetzen, mit ihrem Barvermögen in der Brieftasche durch die Stadt wanderten und die für ein Nachtquartier bei nichtswürdigen Subjekten, welche wissend um die Nojt dieser Ruhelosen, Phantasiepreise für einige Stunden der Ruhe auf einem alten Bett oder Sofa bezahlen müßten, um dann doch eines Tages durch diese „Gastgeber” an die Gestapo verraten zu werden. Einer dieser illegal Lebenden ‘war Leo M., ein Mann, <Miffe der Fünfzig, von Beruf Graphiker. Seine beiden Söhne lebten seit 1937 in Amerika. Von ihnen erhielt er im Sommer 1939 das Affidavit. Er hatte alles zur Auswanderung vorbereitet, da brach der Krieg aus. Wohl gab es anfangs noch Möglichkeiten, über Italien auszuwandern, über inmitten der Zeit, die er bis zum Erhalt der neuen Passagen benötigte, erkrankte seine Frau schwer und war nicht mehr reisefähig. Er selbst wurde zusammen mit anderen Juden dienstverpflichtet, um für die deutsche Kriegsmaschine zu arbeiten. Im Sommer 1941 starb seine Frau. M. gab seine kleine Wohnung auf und zog zu einem ihm bekannten älteren jüdischen Ehepaar B. in der X-S'traße. Tag fijr Tag ging er in die Fabrik zur Arbeit. Er war pünktlich und fleißig. Auch konnte er von einem gewissen -Glück reden, denn der deutsche Vorarbeiter war anständig zu ihm und seinem Kameraden. Jener glaubte Freude zu bereiten, wenn er ihm als gelernten' Graphiker die Signierung der fertigen Werkstücke übertrug. Und M. war wirklich dankbar, so wie alle unter Hitler lebenden jüdischen Menschen dankbar zu werden begannen für einen auf munternden Blick, ein gutes Wort oder einen verstohlenen Händedruck. Und dann kam die Zeit, in der die Verschleppungen von Juden nach dem Osten* begannen. „Evakuierungen” nannte man es damals vornehm von amtlicher deutscher Seite. Transport auf Transport verließ Berlin und die anderen Städte Deutschlands. Jeden Morgen, wenn M. an seine Arbeitsstätte kam, fand er weniger Kameraden als am Vortage. Jeden Tag konnte die Gestapo auch an seine Tür klopfen. Die Zurückbleibenden wagten kaum davon zu reden, daß die Fortgehenden wahrscheinlich nicht wiederkommen würden, denn da auch sie jeden Tag den gleichen Weg antreten konnten, so wäre dieses offene Erkennen ein Eingeständnis der eigenen Hoffnungslosigkeit gewesen. Niemand sprach au», was jeder dachte, nämlich daß dort irgendwo im Osten der größte organisierte Mord aller Zeiten geschehe." In dieser Qual und Ungewißheit lebten die jüdischen Men-

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