Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 21 (5.2.1947)
- Date
- 1947-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DEM JÜDISCHEN LEBEN Freiburg Das erste Jahr des Wiedererstehens der Israelitischen Landesgemeinde Südbadens liegt hinter uns und vieles ist in dieser Zeit geleistet worden. Als ich im Juni 1945 äus dem KZ. Theresienstadt zurückkam, wo ich gelobt habe, wenn ich mit meiner Familie lebend aus dieser Holle herauskomme, mich wie vor meiner Deportation, trotz meines Alters von 72 Jahren, der jüdischen Sache zu'widmen. Als letzter Vertreter der Juden Südbadens vor meiner Deportation, meldete ich mich zunächst bei den zuständigen Behörden, ' wie Gouvernement Militaire, Landesregierung und Oberbürgermeister zurück 'mit der Erklärung," daß ich beabsichtige, meine Arbeiten für die jüdische Gemeinschaft wieder aufzunehmen. Ich wurde von dem damaligen Präsidenten des Oberrats der Israeliten' Badens zum Vertreter für die französisch besetzte Zone bestellt und von den Behörden anerkannt. Meine erste Arbeit begann mit dem Besuch sämtlicher jüdischer Friedhöfe in meinem Bezirk Und mit dem Vorstelligwerden bei' den zuständigen Bürgermeistern, wo ich energisch die Wiederherstellung der von den Hitlerverbrechern verwüsteten Friedhöfe verlangte. Ein Teil der Bürgermeister hatte hiermit bereits aus eigener Initiative begonnen; ein großer Teil aber mußte angehalten werden und wurde ich darin von der Militär-Regierung Weitgehendst unterstützt, so daß dieselben sich heute wieder in einem würdigen Zustande befinden.. Die nächste wichtige Arbeit war die Zusammenfassung aller in meinem Bezirk lebenden Juden zu einer Gemeinschaft. Leider ist nur ein kleines Häuflein zurückgekommen, in Freiburg gerade soviele, daß ein Minjan zusammenkam und entschloß ich mich, eine Gemeinde zu gründen. Ende Dezember 1945 Veranlaßte ich eine Zusammenkunft aller hier lebenden Juden, es waren 25; dieselben traten zur Wahl des Vorstandes und wurde ich einstimmig zum Präsidenten gewählt. * 1 2 Meine nächste Aufgabewar nun die Errichtung eines Betraumes und wurden mir von 'den zuständigen Behörden dazu geeignete Räume zur Verfügung gestellt, wo es mir möglich war, einen weihevollen Raum für den Gottesdienst ein-' zurichten. Sch’wuoth 1946 wurde der Betraum zum erstenmal durch einen feierlichen Gottesdienst in Benützung genommen. Der sich hier niedergelassene Kantor, Herr Rudolf Demant, leitete die feierlichen Handlungen. Es kann vorläufig nur an den Feiertagen Gottesdienst abgehälten werden, da dies mangels Minjan am Schabbath nicht möglich ist. * , Mein besonderes Augenmerk galt stets der Betreuung und Fürsorge der bedürftigen Hind alten Gemeindemitglieder, die zum großen Teil in Südbaden in kleinen Plätzen wohnen. Ich nahm, sobald es mir möglich war, die, Verbindung mit dem Joint auf und wurde durch denselben weitgehendst durch Spenden unterstützt. Aber ganz besonders bin ich dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund, Hilfe und Aufbau, zu Dank verpflichtet, der uns möglich machte, die größte Not zu lindern, besonders durch Lebensmittel, auch Kleider und Wäsche. Da ich in der Schweiz kein Unbekannter bin und auch wieder neue Freunde gewonnen nabe, wandte ich mich an dieselben und zwar mit Erfolg, indem sich gute Menschen zur Verfügung stellten, um mir durch Patenschaften für meine Gemeindemitglieder Pakete zu senden. Es gelang mir übrigens auch, unter größter Lebensgefahr, (Todesstrafe), in Theresienstadt ein Matrikel zu führen über sämtliche Juden, die aus Baden nach Theresienstadt deportiert wurden- und konnte ich auf diese Weise vielen Glaubensgenossen, auch in Uebersee, über das. Schicksal ihrer Angehörigen Auskunft geben. Die einstmals blühende Gemeinde Freiburg mit 1400 Seelen zählt heute leider nur noch 50 und in dem ganzen Bezirk Südbaden leben insgesamt nur noch 100 Glaubensgenossen, die alle heute noch unterstützungsbedürftig sind. * Nathan Rosenberger^ Koblenz. Am 16. Januar fanden im Zentral-Restaurant-die Gemeindewahlen statt. Nach einem ausführlichen Rechenschaftsbericht des bisherigen Vorsitzenden Addi Bernd, sowie einer ausführlichen Aussprache, an ..der sich alle rege beteiligten, schritt man zur Wahl. Als erster Vorsitzender wurde einstimmig Herr Addi Bernd, Koblenz, Waisenhausstraße 24 gewählt. Als Representanten wurde Herr Fred K o m b e r t, Koblenz, Johannes-Müllerstraße 9, Frau Emmi Z i m o c h, Koblenz, Josefstraße 20 und Herr. Arthur Kann, Emmelshausen gewählt. Außerdem wurde eine Frauen-Chewra gegründet, zu deren Vorsitzende Frau Berta Gutendorf, Koblenz, Schenkendorfstraße 6 gewählt wurde. Ab sofort wird man auch in der Gemeinde 'Koblenz mit dem Religionsunterricht für Kinder beginnen. Außerdem steht den Gemeindemitgliedem nun eine Leihbibliothek zur Verfügung. Man hofft-im kommenden Jahr <^je Synagoge sowie die Leichenhalle aufbauen zu können, ebenso den Friedhof fertigzustellen. > Stand der Jüdischen Gemeinde Wuppertal am 31. Dezember 1946 Personenzahl * 15 voll jüdische Ehen : 30 5 Ehen beide Partner Volljuden 10 Ehen Frauen übergetreten 60 Mischehen 60 37 Erwachsene, unverh., verwitwet, getrennt 37 19 Jugendliche unter 21 Jahren 19 13 männl. (4 aus vollj., 9 aus Mischehen) 6»weibl. (4 aus vollj., 2 aus Mischehen) zus. 146 72 männliche Mitglieder 74 weibliche Mitglieder 146 , Staatsangehörigkeit 109 Deutsche 20 Polen 16 Staatenlose 1 Litauerin 146 Mitgliederzahl in den verschiedenen Orten: # 109 Mitglieder in Wuppertal 23 Mitglieder in Solingen 3 Mitglieder in Mettmann 3 Mitglieder in Remscheid-Lennep 3 Mitglieder in Velbert 2 Mitglieder in Heiligenhaus T Mitglied in Radevormwald 1 Mitglied'"- in Gruiten 1 Mitglied . in Lüttringhausen 146 jvavvmaiin »•IIMJjri.lIlJHlJJSM.'l.'iraCT schuhhaus njirmsin juppen L?,Nf m£nzel l Da? Fachgeschäft für gute Schuhe Der Fachmann für Folo und Film DQsseldofT, Sdiadowsfraße 79-85 / Fernruf 22093 DÜSSELDORF Blumenatraße 9. Tel 11175