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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-01-19 · 20 (19.1.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
20 (19.1.1947)
Date
1947-01-19
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Kol Israel achim —, wir alle sind Brüder! Einladung zu einer Vorstandssitzung einer größeren Organisation.— , Bald sollte ich erfahren, warum man mich, den „Zuge-, reisten'’ daran teilnehmen läßt. Die Vertreter sämtlicher zur Zeit bestehenden Parteien sind um ihre Stellungnahme zur Judenfrage gebeten worden. Es referiert ein durchaus Sachkundiger über das Thema: „Der latente Antisemitismus”. Einige Herren haben bereits mit philosemitischen Worten ihre Stellungnahme klar gelegt. Nun meldet sich der Vertreter einer Partei, in deren Reihen recht viele Mitglieder organisiert sind, die aus christlichen und demokratischen Gründen den Antisemitismus ablehnen. Er findet kein Wort des Bedauerns, kein.Wort der Verurteilung des Antisemitismus. Seine einzige Stellungnahme ist die: „In Polen gibt es ja schließlich aüch Antisemiten”. Dazu erzählt er noch ein persönliches Erlebnis: „Am letzten Sönntag machte ich mit meiner Familie einen Ausflug nach Blankenese. Da benahmen sich am Bahnhof in B. zwei ostjüdische Burschen derart, daß 500 'anständige deutsche Juden so etw^g nicht wieder gutmachen können.” Soweit man solche Aeußerungen von Parteivertretern oder anderen Nicht juden hört, wird man nichts weiter tun können als belehrend und aufklärend entgegenzutreten. Was aber soll man sagen, wenn in den eigenen jüdischen Reihen unter der Parole „polnische Juden gehören nicht nach Deutschland”, eine Ueberheblichkeit zu Tage tritt, die auch aus den bitteren Erfahrungen der vergangenen Zeit nicht gelernt zu haben scheint? Warum zieht man Vergleiche zwischen polnischen Juden und Deutschen? Ist denn nicht jeder Mensch das Produkt seiner Erziehung und Umgebung? Warum vergleicht man nicht den polnsichexv Juden mit dem Polen? Beide sind unter denselben Lebensbedingungen aufgewachsen. Ein Plus zugunsten des polnischen Juden muß bei einem solchen Vergleich unbedingt entstehen. Polnische Juden haben durch den Hitlerismus in furchtbarster Art gelitten. Ueberlebende Weinen um ihre hingemordeten Angehörigen. Und trotzdem haben diese polnischen Juden .nach dem Einzug der Polen in Breslau den Deutschen Wohnungen und Möbel abgekauft, sehr anständig bezahlt und“ sich nicht ohne jede Entschädigung, wie ander* polnische Staatsbürger, in die Wohnungen hineingesetzt. Aber nicht nur die einwandfreie Haltung gegenüber den Deutschen, sondern insbesondere ihr anständiges Benehmen und ihre soziale Einstellung gegenüber den übriggebliebenen,, Breslauer Juden verdienen Erwähnung. ' - Unsere Breslauer Juden, durch die Hitlerzeit seelisch und wirtschaftlich ruiniert, der polnischen Sprache nicht mächtig, standen vor einem Nichts. Der Ostjude anberaumt nicht 3 Sitzungen, um bei der 4. Sitzung die Angelegenheit einer Kommission zur Untersuchung zu übergeben. , Er hilft schnell und großzügig. Selbstverständlich verlangt, der Ostjude — und das ist sein gutes Recht — das derjenige, der ihn zur Zdoko auf fordert,, auch projücligfch eingestellt ist. Denken wir in diesem Zusammenhang daran, wenn wir unsere Jointpakete verzehren — Denken wir daran, wenn die aus Buchenwald Zurückgekehrten' von ihrer guten Bewirtung in Leipzig erzählen: Den größten Teil solcher und ähnlicher Hilfeleistungen finanzieren die verachteten Ost juden, die auch außerhalb ihrer Heimat bewußt* Juden bleiben. Di^ Schajnröte steigt mir noch jetzt ins Gesicht, wenn Ich mich erinnere, daß deutsche Juden, die ich mir zu meinem persönlichen Schutz in antisemitische Versammlungen mitgenommen hatte, applaudierten, als Richard. Kunze („Knüppelkunze”) seine bekannten faulen Witze über die polnischen Juden machte. Der Ostjude ist nicht der Parasit als welcher er hingestellt wird. Um nur ein Beispiel herauszugreifen: Der weltberühmte Leipziger Pelzhandel, welchem die Stadt Leipzig ihre Blüte verdankte, wäre ohne Ost juden undenkbar gewesen. Denken wir zu jeder Zeit und zu jeder Stunde an die antisemitischen Phrasen: „Euch meinen wir ja garnicht; wir .wollen ja mir die Säuberung Deutschlands von Ostjüden. Wir wollen ja nur die Ausweisung der nach dem Jahre 1918 eingewanderten Juden.” Wir hörten diese Beteuerungen von den Deutsch-Sozialen, von den Deutsch-Völkischen und an- ' fangs auch von den NSDAP.-Rednern. Und was haben wir erlebt? — ‘ * l- Die Waffen, die wir dem Antisemitismus gegen die Ostjuden in die Hand geben, werden uns ebenso treffen wie diese, denn nicht die Staatszugehörigkeit des einzelnen Juden entscheidet, sondern die geistige Qualität des Gesamt-Judentums. ist der Stein des Anstoßes. . ■ * Darum nicht gegeneinander reden, sondern Zusammenhalten! Kol Jisroel achim! ' Erich Fränkel. Die alten Illusionen Eirifc Entgegnung In Nr. 16 des Gemeindeblattes stellt Rieh. May beachtenswerte Betrachtungen über den jüdischen Anteil an der deutschen Kultur an. Widerspruch aber fordert der letzte Absatz und besonders der letzte Satz heraus. Er lautet: „Gerade dem wieder aufblühenden Antisemitismus gegenüber muß diese Rechnung (nämlich die Aufzählung der Leistungen und des Anteils großer jüdischer Persönlichkeiten an der deutschen Kultur) mit aller Sachlichkeit, aber auch mit aller Entschiedenheit aufgemacht werden,” Glaubt der Verfasser wieder, wie anno vorgestern, den Antisemitismus bannen, der Umwelt Achtung vor uns abringen zu können, indem man „aufklärend” tätig ist, indem man. auf die großen Leistungen hinweist, die jüdische Menschen für die Kultur der Welt, hier .enger gefaßt für die Kultur Deutschlands beigetragen haben. Ich denke an die Flugschriften und Vorträge des einstmaligen „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus”, ich denke an -die Unzahl von Broschüren, die der „O. V.” in allen möglichen Schichten der Bevölkerung verbreitet hat, und ich denke daran, wie all diese „Aufklärung” gleich der Spreu im Winde verwehte, als der Nationalsozialismus anfing sein Gift staatlich gelenkt zu verspritzen. Nein, ög.kann und braucht nicht unsere Aufgabe zu sein, die UmXvelt. propagandistisch zu bearbeiten, um ihr beizubringen, was vom Judentum aus im Laufe von Jahrhunderten (oder sogar Jahrtausenden) für sie getan wurde. Denn dabei wird es sich fast immer und überwiegend um Leistungen* von Einzelpersonen handeln. Nie und nitnmer aber hat eine Gesamtheit als solche das Recht, Forderungen oder Ansprüche zu stellen, die sich auf solche Einzelleistungen stützen. Es ist aber unsere Aufgabe und unsere Pflicht, in unseren eigenen Reihen, in unserem jüdischen Volk und ganz besonders in unserer Jugend das Wissen um das Leben und die* Lehren, um das Denken und Wirken unserer Großen in so breitem - Umfang wie nur möglich zu vertiefen, um für uns selbst Nutzen daraus zu schöpfen. Nicht so, daß wir uns im Glanze dieser Gro'ßen selbstbewußt in die Brust werfen oder in ihrem Schatten Unwesen treten. Nein so, daß wir uns an diesen Großen aufrichten, daß sie uns Beispiel werden, daß wir für uns von. ihnen besitz ergreifen. - Nur die „Haltung” der Gesamtheit, bzw. der in der Gesamtheit zusammengefaßten Einzelnen, ist maßgebend, und nur WÄSCHE-S'ALON ELLY BERGER ■Glegante UDäsche-C^kt fertig äug Düffeldorf, Blumenftr.7 / Ruf 1©87© g— ■ m-p -WERKSTÄTTEN “E.Lä. Beck-Hirschhorn KÖLN Elegante Moden / Feinste Maßarbeit MOLTKESTR.87 Umarbsiten / Reparaturen / Anfertigung bei FERNRUF 5278^, gelieferten Fellen_t__:_

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