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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-01-19 · 20 (19.1.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
20 (19.1.1947)
Date
1947-01-19
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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bildlicher Weise alles arrangiert hatte, daß das- Fest in schönstem Rahmen verlief. Dank und Freude beherrschte die Stimmung, die nicht zuletzt in den fröhlich strählenden Kindergesichtern ihren Widerhall fand. Auch die Jugend kam bei Tanz, der den Abend beschloß, auf ihre Kosten. Für einige Stunden waren alle Anwesenden dem unaussprechlichen Leid der- Vergangenheit und der Not der Gegenwart enthoben. ' Neuwahlen in Köln v Am Sonntag, dem 29. 12. 1946 wurden innerhalb der Kölner Jüdischen Gemeinde Neuwahlen zur Repräsentanz durchge- ' führt. Gewählt wurden: Herr Siegmund Bachenheimer „ Jakob Birnbaum „ Leopold Faber „ Moritz Goldschmidt ' „ Julius Jakobs . , . - . „ Heinrich Kohn „ Moritz Mannasse „ Alfred^ Markus „ Leo Sachs - „ Arno Tobar ' Frau Erna Dünnwald. Bei der durch die ‘Repräsentanz am 31. 12. 46 vorgenommenen Vorstandswahl wurden sodann einstimmig Herr Moritz Goldschmidt zum 1. sowie Herr Jakob Birnbaüm zum 2. Vorsitzenden gewählt. Vorsitzender der Repräsentanz wurde . Herr Alfred Markus. Der'bisherige Vorsitzende, Dr. Herbert Lewin, hat seinen Austritt aus der Repräsentanz erklärt, um sich seinen ärztlichen Aufgaben und dem Wiederaufbau des Jüdischen Krankenhauses in Köln widmen zu können. Kleine Erfolge Es gibt Kleinigkeiten, än denen’ wir früher vorbeigegangen waren, die uns heute aber sehr freuen. Sie freuen uns heilte deshalb, weil wir an Freude kaum mehr gewöhnt sind. Und wenn eine junge Zeitung, wie die unserige, Erfolge hat, dann ist es eine ganz besondere Freude für uns und wir glauben, daß wir sie unseren Lesern nicht vorenthalten dürfen. ■ . In unserer Nr. 18, die am 19. Dezember 1946 erschienen ist, hatten wir einen Brief aus Schanghai veröffentlicht.. Unter dem 30. Dezember 19.46 ging ein Brief von dem Bayerischen Staatsministerium des Innern an uns ab, der wie folgt lautet: „Wir haben sofort namens der Bayerischen Staatsregierung die Bereitwilligkeit erklärt, gemäß der anliegenden Bedingungen der amerikanischen Militärregierung die Rückführung derjenigen jüdischen Mitbürger nach Bayern zu erwirken, die vorher in Bayern gelebt haben. Wir bitten Sie, hiervon Ihren Lesern entsprechend Kenntnis zu gebeh.” v* - . Unsere Glaubensbrüder und -Schwestern sehen durch diese Bereitwilligkeitserklärung einen ersten Lichtschimmer. Wir wissen, daß diese Initative des bayerischen Staatsministeriums des Inneren unserem Dr. Auerbach zu verdanken ist und wir können nur, hoffen, daß andere Landesregierungen diesem Beispiel folgen. , In unserer Nummer 18 veröffentlichten wir die Chanukah- Rundfunkansprache des Dr. Herbert Lewin, Köln. Auf diese Ansprache hin erhielt Dr. Lewin eine große Menge von Schreiben, aus der wir einige herausgneifen: D&r Kreisvorsitzende des Ausschusses für soziale Fürsorge, „Arbeiterwohlfahrt” in Ahrensberg schreibt: „Ich habe Ihren Vortrag über den Rundfunk mit großem -. Interesse .verfolgt und danke Ihnen. Es wäre zu wünschen, wenn Sie öfters derartige Vorträge halten würden, damit recht viele Verblendete Einblick in die jüdische Geisteswelt bekommen . . .” Der 53jährige Arbeiter Heinrich Mayer aus Hamburg-Harburg I, schreibt u.- a.: „Ihre gestrigen Ausführungen im Nordwestdeutschen Rundfunk haben mich tief beeindruckt ... Erfreulich ist, daß Sie nunmehr sich aufraffen zu der Erkenntnis, dem deutschen Volk die religiöse Kultur der Juden zu übermitteln. Wahrlich, es ist än der Zeit, des öfteren von der'jüdschen Kultur zu hören. Das es früher nicht geschah, war ein Fehler der Vergangenheit. Seien Sie versichert, der deutsche Arbeiterhört gern Ihre. Sendung! ' . Da ich keiner Religionsgemeinschaft angehöre, möchte ich Gott den Allmächtigen bitten, daß er dem jüdischen Volk nach allen ihren Folterungen und Drangsalen ein starker Helfer sein möge ...” Otto Grashaus, Gut' Grashaus, Homberg, schreibt: „Leider "habe ich Ihren Namen nicht behalten, als Sie in der vergangenen Woche Ihren Vortrag im Rundfunk gehalten haben. Ich war von Ihrem Vortrag tief beeindruckt und herzlich erfreut. Als bewußter evangelischer Christ/ der von sich glaubt, etwas in der Heiligen Schrift -unterrichtet zu sein, macht es mir Freude, von einem Juden über Israel zu hören ...” - Frau Marie Junker schreibt: ,yln Ihrer Rundfunkansprache am 18. d. M. lag ein Suchen nach Verstehen für Ihre Religion, deren Grundzüge doch jm Alten Testament unserer Bibel zu lesen sind . . .” Diese Auszüge aus einem kleinen Teil der Zuschriften sind Beweise für kleine Erfolge. Wir! müssen es zu unserer Aufgabe machen, zu der Oeffentlichkeit zu sprechen. Wir müssen die Aufklärung der breiten Massen in unsere Hand nehmen, nachdem sich besonders in Deutschland bisher keine Gruppen gefunden haben, die sich verpflichtet - gefühlt hätten, es zu tun. Es ist zu wünschen, daß wir bald in der Lage sind, durch Bücher, Zeitungen und Rundfunk zu der Oeffentlichkeit zu sprechen und die oben erlebten Erfolge gehen uns Anlaß, mit größeren Erfolgen rechnen zu können. . . .x. Iflax rWarburg: Aus New York erreicht uns die Botschaft, daß Dr. h. c. Max War bürg, der aus Hamburg stammende bekannte Bankier und Wirtschaftssachverständige, im-fast vollendeten 80. Lebensjahre gestorben ist. Abkömmling einer deutsch-jüdischen Familie, in der das Interesse äm jüdischen Leben in der Welt vielfach die gleiche Rolle spielte, wie das Inter-- esse an Dingen des künstlerischen, wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Lebens — man denke nur ah den Kunsthistoriker Aby Warburg oder den Botaniker Dr. Otto Warbürg (von 1911 bis 1920 Präsident der Zionistischen Organisation) oder an Felix Warburg, den Philantropen — nahm Max Warburg seit Jahrzehnten außerordentlich aktiven, wenn auch öffentlich nicht immer sichtbaren-Anteil an der Arbeit für die Gestaltung und Erhaltung jüdischen Lebens in Hamburg, in Deutschland und in der Welt, insbesondere in kritischer Zeit war er mit seinem abwägenden Rat und seiner steten Hilfsbereitschaft immer zur Stelle, und lange bevor er 1938 nach den Vereinigten Staaten aüswanderte, stand er mit an führender Stelle im „Hilfsverein der deutschen. Juden” und in der „Reichsvertretung der Juden in Deutschland.”, Aber auch in der Emigration blieb er trotz vorgeschrittenem Alter unermüdlich tätig. Er war die warmherzige, aufgeschlossene, großzügige und dabei kritische Persönlichkeit, geblieben. Viele Jahre stand er in der Leitung der „American- Federation of Jews from Central Europae, der Selbstvertretung der nach den Vereinigten Staaten ausgewanderten mitteleuropäischen Juden, denen das Schicksal der auf dem Kontinent zurückgebliebenen Juden ganz besonders am Herzen liegt. Es mag Max Warburg besondere innere Befriedigung gegeben haben, daß seine Besitzung in Blankenese bei Hamburg heute als Heim für jüdische Waisenkinder dient. Fachmann auf dem Gebiet internationaler Finanzierungen, hat Max Warburg das im Jahre 1789 gegründete und im Jahre 19$8 „arisierte” Bankhaus M.‘ M. Warburg & Co., Hamburg, zu voller Entfaltung gebracht. Er war Mitglied des Aufsichtsrates zahlreicher Industrie- und Bankunternehmungen, bis 1933 auch Mitglied des Generalrates Ser Reichsbank. Er nahm besonderes Interesse am Schiffbau und an der Schiffahrt und gehörte zu den Mitgründem und Förderern der Hamburger Universität. Mit ihm ist eine ungewöhnliche Persönlichkeit, ein aufrechter Jude und ein Vorkämpfer für internationale friedliche Zusammenarbeit dahingegangen. Juden in aller Welt werden seinen Heimgang tief beklagen. E. G. L.

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