Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 20 (19.1.1947)
- Date
- 1947-01-19
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9498581-9366319-9386216--212-9366211- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das jüdische Krankenhaus Köln heute Die „alten Herren“ des. Altersheims in ihren Aufenthalt-11. Schlafräumen Nach der Besichtigung des Altersheims kunft des Welt Judentums zu erörtern. Dieser Kongreß enthüllt tiefgehende und tragische Gegensätze bezüglich, der vom internationalen Zionismus einzuschlagenden Politik hin- ‘ sichtlich der Zukunft Palästinas.. Eine Mehrheit^ unter der Führung Dr. Silvers und seiner amerikanischen Zionistengruppe stimmte für etwas, was auf eine Nicht-Zusammenarbeit. mit der Britischen Regierung hinausläuft, und zw;ar trotz der Ermahnungen eines so weisen und verehrungswürdigen Mannes wie Geheimrat Dr. Weizmann. Es kann nicht bestritten werden, daß das Britische Volk nicht ohne ernste Besorgnis das Unheil sieht, das sich mit tödlicher Sicherheit in dem schönen Land Palästina zusammenballt, ein Unheil, das einen Teil der Juden in einen tödlichen Kampf mit ihren treuesten und zuverlässigsten , Freunden, den Völkern des Britischen Empires, verstrickt. Das ist eine Lage, die nicht anhalten darf .im Interesse der künftigen Wohlfahrt beider Völker und im besonderen der Juden. . * ' Die Britische Regierung erwägt in diesem Augenblick zweifellos, welche endgültigen Schritte zu unternehmen sind, «im den gegenwärtigen toten Punkt zu überwinden und wir wollen hoffen, daß ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden. Wir, die wj.r am Rande des Geschehens stehen und die dro-. hende Lage mit ernster Sorge betrachten, hahen eine höchste Pflicht. Diese Pflicht ist, die Tatsachen mit der größtmöglichen Objektivität zu-beurteilen und, wenn eine Entschei- . düng gefallen ist, diese Entscheidung zu unterstützen und zu verwirklichen mit einem Höchstmaß an Ehrlichkeit und gutem Willen, selbst wenn diese Entscheidung nicht die Wünsche aller Beteiligten erfüllen sollte. Ich schließe, indem-ich Ihnen, ’ den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Kölns, meine aufrichtigsten Wünsche für die Zukunft darbiete und Sie gleichzeitig meiner Mitarbeit versichere in den schwierigen Umständen, in* denen Sie sich befinden. ' * Diese in englisch gehaltene Rede des Stadtkommandanten wurde voh Dr. Löwenthal übersetzt und von* einem großen Applaus ^er Zuhörer begleitet. Nach dem Stadtkommandanten ergriff Oberbürgermeister Pünder das Wort. In seinen Ausführungen betonte er, daß er längst gekommen wäre, wenn ihn nicht die Sorgen und die Arbeit um das damiederliegende Köln so sehr beschäftigt hätten. Er bat die Anwesenden, ihm zu glauben, daß er mit seinen Gedanken stets bei den Menschen gewesen sei, die seine Leidensgenossen waren, denn auch er als guter Christ und demnach als Freund der Juden, hat die verschiedensten KZ. kennengelernt und -Bekanntschaft mit der Gestapo und der SS. gemacht. Oberbürgermeister Pünder, von dem wir an anderer Stelle in dieser Nummet noch einen Brief veröffentlichen, gab das Versprechen ab, daß vönseiten der Stadt alles getan werden wird was geschehen kann, um den Wiederaufbau. einer starken und gesunden jüdischen Gemeinde so schnell wie möglich durchzuführen. Als Beweis dafür, wie ernst er an diese Frage .herantritt, zeigte er auf seine Mitarbeiter aus allen in Frage kommenden Dezernaten,, die er mitgebracht hatte, damit sie selbst sich einen Einblick in die Situation der jüdischen. Gemeinde verschaffen können. Dann — als Letzter sprach Dr. Lewin. Er schloß sich den Worten Goldschmidts . an und dankte, als leitender Arzt und Verantwortlicher des jüdischen Krankenhauses den Erschienenen für das Interesse, das sie an den Tag legten. In; Erwiderung der Ansprache des Stadtkommandanten erklärte Dr. Lewin, daß er auch zu den Juden gehöre, die hinter Weizmann Das frühere -Altersheim des stehen, von dem man jüdischen Krankenhauses weiß, daß er der Mann sei, der die Klärung der jüdischen Frage in Palästina in legaler und demokratischer Art und Weise durchgeführt haben würde. Er gab seinem Vertrauen zu der englischen Regierung Ausdruck, daß es gelingen möge, Wege zu finden, um. endlich einen Ausgleich herbeizuführen. Dieser in Köln erlebte Nachmittag war ein Lichtschimmer in der Geschichte der Juden in Deutschland nach dem Zusammenbruch. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß es allen Gemeinden in Deutschland gelingen möge, den Kontakt herzustellen, den Köln hergestellt hat. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser ersten Etappe weitere folgen werden und daß die Versprechungen, die am heutigen Nachmittag gegeben wurden, auch eingehalten werden. Wir wären glücklich, wenn wir in jeder Ausgabe unserer Zeitung an dieser Stelle über positive Arbeit in anderen Städten und Gemeinden berichten könnten. . . .x. t&iiüiüii't MR üH mini * V* Der Oberbürgermeister Köln, 10. Januar 1947. Anläßlich meines gestrigen Besuches, den ich zusammen mit dem Stadtkommandanten von- Köln, Herrn Oberstleutnant White, der Jüdischen Gemeinde Kölns, ihrem wieder im Aufbau begriffenen Krankenhaus und ihrem Asyl machen konnte,, ist es mir ein Bedürfnis, wunschgemäß auch dem „Jüdischen Gemeindeblatt” für die britische Zone einen herzlichen. Gruß' aus Köln zu übermitteln. Obschon ich Christ bin, oder vielleicht besser gesagt, gerade weil ich Christ bin, habe ich mit unseren jüdischen Mitbürgern mein Lebtag enge Verbindung gehalten. Noch aus meiner Ausbildungszeit und meinen Studentenjahren habe ich viele liebe i'Verbindungen zu jüdischen Familien. ~ Während meiner langjährigen amtlichen Tätigkeit in Berlin als Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei habe ich dem Deutschen Vorstand des Pro-Pglästina-Kommittees ange- ' hört, und auch in enger Beziehung zu Herrn Weizmann gestanden. Alle diese Verbindungen habe ich auch noch nach 1933 unterhalten, also zu einer-Zeit, wo man sich in Deutschland mit solchen Dingen, gelinde gesagt, recht unpopulär machte. ' Sie sind mir denn auch nach meiner Verhaftung durch die Gestapo und bei meinem Verfahren vor dem Volksgerichtshof wegen Hochverrats reichlich vorgehalten worden. * Aber noch in einer anderen Beziehung fühle ich eine besondere Verbindung zum Judentum. Wenn ich auch kein rassisch Verfolgter bin, so doch ein politisch Verfolgter, und weiß daher aus eigenem Erleben in den Konzentrationslägern von Ravensbrück, Weimar-Buchen Wald und Dachau, was ein solcher schnell dahingesggter Hinweis alles umfaßt! Sleich den wenigen heute noch in Deutschland unter uns eilenden Juden bin auch ich nur wie durch ein Wunder am Leben geblieben^ und zwar beim Abschluß eines unsäglichen Leidensweges dureh die recht abenteuerliche Befreiung in den Dolomiten beim Zusammenbruch des Naziregimes im Frühjahr 1945. . ' . Wer in solcher Weise das Inferno des Gestapoterrors überlebt hat, fühlt eine starke Verpflichtung für seine ihm noch verbleibende Lebensarbeit. Konkret gesprochen bedeutet sie