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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-01-19 · 20 (19.1.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
20 (19.1.1947)
Date
1947-01-19
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Städten, recht viel geleistet. Dr. Lewin hat nach der vor kurzem stattgefundenen Wahl, in der ihm, durch’eine Stimmenmehrheit erneut das Vertrauen ausgesprochen ..worden ist, auf seine weitere Tätigkeit.' im Vorstand und der Repräsentanz verzichtet, weil er sich die Aufgabe gesetzt hat, das jüdische Krankenhaus fertigzustellen, dessen Leitung er ab 1. Januar 1947 übernommen hat. ' Am Donnerstag, dem 9. 1. 1947 fand eine Besichtigung der jüdischen Institutionen in Köln statt. Von der Militärregierung erschienen der Stadtkommandant Lt. Col. White mit Adjudant Oblt, P o 1 k o w s ky, sowie Maj. Law so n, der Vertreter des Stadtkommandanten, - der gleichzeitig Gesundheitsoffizier der Stadt Köln ist. Der Oberbürgermeister P ü n d e r erschien mit dem Stadtkämmerer S t o 11 e r, dem Wohlfahrtsdezernenten Dr. Busch, dem Leiter des. Gesundheitswesens Dr. Vonessen, sowie dem Leiter des Hochbauamtes der Stadt Köln. Schon allem die Tatsache, daß der Oberbürgermeister die maßgebendsten Beigeordner ten mitgebracht hatte, -bewies das ernste Interesse, das die Leitung der Stadt Köln daran hat, an dem Wiederaufbau, der jüdischen Institutionen tatkräftig mitzuwirken und ihn zu unterstützen. . In dem jüdischen Krankenhaus Erklärte der von der Jüdischen Gemeinde beauftragte Architekt in einem guten Englisch die dort aufgehängten Baupläne. Col White ließ sich das Bauvorhaben ausführlich erklären und zeigte sowohl hier, als auch bei dem sich daran anknüpfenden Rundgang durch das Krankenhaus ein großes Interesse, sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft des Krankenhauses. Er hörte nicht auf, Fragen zu stellen. Ein nicht minder großes Interesse zeigten' der Oberbürgermeister Pünder und seine Mitarbeiter. Den Teilnehmern des Rundganges, denen die Geschichte des jüdischen Krankenhauses und' des seinerzeit damit verbundenen Altersheimes nicht bekannt war, wurde die notwendige Aufklärung gegeben. Nach einem etwa einstündigen Rundgang fuhren die Teilnehmer der Inspektion zu dem Alters- und Flüchtlingsheim. Die englischen und ' deutschen Persönlichkeiten besuchten jeden einzelnen der Schlaf räume Und sowohl Col. White als auch die übrigen Herren begannen Unterhaltungen mit den bejahrten Insassen dieses Heimes, sie ließen sich aus den KZ’s. erzählen und sie hatten für jeden ein nettes, freundliches Wort. In einem Raum, in dem sieben alte Herren untergebracht sind, fragte*Col. White, wieviel Menschen wohl in einem ähnlichen großen Lager in einem KZ. hätten schlafen müssen, und er war tief gerührt, als er die Antwort hörte, daß es ähnliche Säle überhaupt nicht .gab, daß aber in einer Baracke, deren Größe diesem Saal ähnlich käme, bis zu 150 Menschen hätten schlafen müssen. Als einer der Insassen des Altersheimes .dem Col. White seinen linken tätowierten Arm zeigte und ihm erklärte, daß diese Tätowierung in' Auschwitz vorgenommen worden sei,' da flüsterte der Colo-' nel das Wort: „Horrible!” (schrecklich) vor sich hin. In einem Schlafsaal lag eine Kranke im Bett und der Stadtkommandant ließ es sich nicht nehmen, bei ihr Platz zu nehmen und sich mit ihr zu unterhalten. Dem Ehepaar U n g e r, das letzten Sonntag Goldene Hochzeit feierte, gratulierten der Kommandant und der Oberbürgermeister und der Stadtkämmerer ließ sich mit einem verschmitzten Lächeln den Namen des Ehepaares geben. Nach einem Rundgang durch das Alters- und Flüchtlingsheim versammelten sich die Gäste zusammen "mit den Insassen des Altersheimes in deni sauberen Speisesaal zu Kaffee und Kuchen. Moritz Goldschmidt begrüßte die Anwesenden! Sein'besonderer Gruß galt dem Oberstlt. White und seinem Stellvertreter, Oberbürgermeister Pünder und seinen Mitarbeitern, er begrüßte insbesondere den Vertreter von Public Relations, Mr. Metcalfe, den Vertreter der. Jewish Relief Unit, Dr. Löwenthal, sowie den Herausgeber unseres Blattes, Karl Marx. Er dankte für die Bereitwilligkeit der persönlichen Inaugenscheinnahme der jüdischen Institutionen und gab der Hoffnung. Ausdruck* daß die Herren den Eindruck mitnehmen, daß das, was aufgebaut werden soll, dringendst notwendig 'ist. Golds.chmidt wies darauf hin, daß bedauerlicherweise ,für die Menschen, die zwölf Jahre gelitten haben, wie nie Menschen zuvor, reichlich wenig getan worden ist, und es heute noch notwendig ist, daß diese Menschen ähnlich untergebracht sind, wie bisher in den Lagern. „Diese Unterkunft dient nicht dem Ansehen der Stadt und auch nicht , dem Ansehen der Jüdischen Gemeinde, wenn Besuche aus dem Ausland nach hier kommen und diese Zu- Nach der Besichtigung des Krankenhauses Von links nach redits: Wohlfahrtsdez. Dr. Busch. Moritz Cioldschmidt, Oberbürgermeister Dr. Pünder, Dr. Lewin, Lt. Col. White; hinter "M.-Goldschmidt Maj. Lawson, daneben Stadtkämmerer Stöller, halb verdeckt Dr. Vonessen stände sehen”, so sagte Goldschmidt. Er wies dann darauf hin., daß .Köln früher eine der reichsten jüdischen Gemein-: den Deutschlands war und . heute von Zuwendungen, von Almosen leben muß. Dann wies er auf v den . unhaltbaren Zustand hin, wonach die Vermögenswerte der Jüdischen Gemeinde heute noch unter Artikel. 52 stehen.. An den Oberbürgermeister gewendet sagte Goldschmidt, die Stadt Köln sollte nicht darauf warten, bis die Kontrollkommission Befehle zur Wiedergutmachung gibt, Köln müßte sein Ganzes darein setzen, von sich aus den Juden das zurückzugeben, was ihnen geraubt wurde. „Vor zwanzig Monaten sind wir mit dem festen Vorsatz .aus den Konzentrationslagern und unseren Verstecken zurückgekommen, getragen von der Sehnsucht nach unserer Vaterstadt Köln”, so sagte Goldschmidt und führte fort: „Viele, viele Enttäuschungen haben wir in diesen zwanzig Monaten erlebt, viele Versprechungen wurden gegeben und die wenigsten davon gehalten.” . , Dann wies er auf einen Aufruf des Oberbürgermeisters Kolb, Frankfurt, hin, in dem Kolb alle äusgewanderten jüdischen Mitbürger Frankfurts bittet, nach ihrer Heimatstadt zurückzukehren, um am Wiederaufbau mitzuwirken. In. diesem Aufruf habe Kolb darauf hingewiesen, daß gerade die Juden Frankfurts sehr viel zum Ansehen und zur Entwicklung der Stadt beigetragen haben! „Wir Kölner Juden”, so führte Goldschmidt weiter aüs, „dürfen für uns* dasselbe in Anspruch nehmen. Auch wir sind bereit, mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften an dem Aufbau der so darniederliegenden Stadt Köln mitzuwirken, dehn auch uns bricht das Herz, wenn wir die Ruinen, wenn wir die Not und das Elend der einstmals so prächtigen Stadt Köln sehen. Wenn wir auch die am meisten Betroffenen des Naziregimes sind, so sind wir doch bereit, uns wieder eihzureihen und mit den "übrigen Kölner Mitbürgern aufzubauen, vorausgesetzt, daß man uns die Grundlagen dazu gibt.” . * Zum Schluß-gab Goidschmidt der Hoffnung Ausdruck, daßdie heute durchgeführte Besichtigung den Effolg bringen wird, den die Jüdische Gemeinde von ihr erwartet. Nach Goidschmidt nahm Lt. Col. White das Wort und führte wörtlich aus: * , Herr Goldschmidt, Herr Lewin, Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Kölns! Ich freue mich, Gelegenheit zu haben, heute Ihr Hospital und Ihr Gemeindehaus besuchen zu können. Es stimmt in der Tat melancholisch, wenn man darüber nachdenkt, auf welch kleine Zahl Ihre einst so große Gemeinde durch die Nazi-Barbaren zusammengeschrumpft ist. Was Ihrer Gemeinde angetan worden ist, kann niemals mehr ungeschehen gemacht werden und, obwohl es schwierig für Sie sein m^g, bin ich überzeugt, daß Sie das Buch der Vergangenheit entschlossen Zuschlägen müssen und einen Neuaufbau des Lebens der Jüdischen Gemeinde auf neuer Grundlage anstreben müssen. Der Zionistische Weltkongreß ist vor kurzem in Basel zusammengetreten, um viele schwerwiegende Fragen der Zutf * *

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