Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 19 (6.1.1947)
- Date
- 1947-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9498581-9366319-9386213--200-9366200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briefwechsel Byrnes-Bevin über Palästina Newyork. (RPD-Reuter). Den Auftakt zu der für Januar vorgesehenen Londoner Palästina-Konferenz und einen Hinweis für den jetzt in Basel tagenden Weltzionisten-Kongreß gibt ein Briefwechsel zwischen Byrnes und Bevin. Der USA- Außenminister empfiehlt im Anschluß daran ih einer Erklärung den Juden und Arabern, die Londoner Palästina-Konferenz abzuwarten, und spricht die Bereitschaft der USA aus, einen Beobachter dorthin zu entsenden., wie in Newyork bekanntgegeben wurde. Byrnes schreibt in einem Brief vom 2. Dezember an Bevin: „Die jüdischen Führer, mit denen ich kürzlich konferierte, betrachten jetzt den Teilungsvorschlag 'als die für lange Zeit praktischste Lösung.'’ Er fügte hinzu, daß seiner Auffassung, nach die Juden, bevor sie eine Teilnahme an der Konferenz Zusagen, die besondere Zusicherung erhoffen, daß ein von ihnen begünstigter Teilungsvorschlag die volle Billigung der britischen Regierung findet. In seiner Antwort vom gleichen Tage versichert Bevin, daß „alle von arabischen, jüdischem und britischen Abordnungen auf die Palästina-Konferenz vorgebrachten Vorschläge die gleiche Beachtung auf der Tagesordnung finden werden.” In einem Geleitwort zu der Bekanntgabe des Wortlauts der Briefe führt Byrnes aus: „Im Hinblick auf Bevins Zusicherung denke ich, daß die Führer der Juden und Araber die Konferenz abwarten und das ganze Problem dort besprechen sollten.” * . - Der USA-Außenminister kündigt dann an, daß die USA bereit .sind, einen Beobachter zu entsenden, wenn Juden und Araber ihre Teilnahme Zusagen. Die Vereinigten Staaten hätten Ende September, als die Konferenz anberaumt wurde, keinen Weg gesehen, einen Beobachter zu entsenden. Bevin habe jedoch ausdrücklich die Einladung erneuert. Jüdische Konferenz in Atlantic-City eröffnet Atlantic-City („United Preß”). Mehrmals 1600 Vertreter von jüdischen Organisationen sowie führende jüdische Persönlichkeiten nahmen an der feierlichen Eröffnung der „Nationalen Konferenz” der Juden Amerikas teil. * , Zweck dieser Tagung ist die Lösung der Hilfsfragen der anderthalb Millionen jüdischer Nazi-Opfer in Europa. Die Juden Deutschlands sind auf der Konferenz durch drei Vorsteher des Centralkomitees für die US-Zone (Dr. Fliskin, A. Retter und Schlomowitsch) und Herrn Norbert Wollheim vom Centralkomitee für die britische Zone, vertreten. (Ing.) Der deutsche Palästinabesitz Jerusalem. (Reuter). Die Jüdische Agentur beansprucht das deutsche Eigentum in Palästina, das auf etwa fünfzig Millionen Pfund Sterling geschätzt wird, als Reparationen für die von den Juden in Deutschland erlittenen Verluste. Dieses Eigentum besteht aus sechs großen Apfelsinenplantagen von 7000 Hektar, die vdr dem Kriege als recht fruchtbar galten. Gegen die Forderung der Juden protestiert die arabische Tageszeitung „Asch Scharb” und fordert die arabischen Politiker auf, gegen diesen Plan einzuschreiten, weil ein solcher Besitzwechsel „die Beschleunigung „der jüdischen Landerwerbungen'«um 1 y2 Jahre bedeuten würde.” Palästinensische. Jud*n appellieren an Attlee Jerusalem. (DANA-Reuter). Der jüdische Rat in Palästina und verschiedene .andere jüdische Organisationen sandten Telegramme an den britischen Premierminister Attlee und den Kolonialminister Creech Jones, in denen sie um Landeerlaubnis für die jüdischen illegalen Einwanderer nach Palästina ersuchten. Die britischen Minister wurden gebeten, eine Deportation der Juden nach Cypern zu verhindern. „Thromboplastin” für Wundheilung Jerusalem. (DPD). An der Hebräischen Universität in Jerusalem hat der aus Deutschland emigrierte Gynäkologe Dr. Bernhard Zondek die Wundheilung auf biologischer Grundlage weiter entwickelt und das sogenannte „Thromboplastin” hergestellt, das ein wirksames Mittel gegen-lokale Blutungen ist. Thromboplastin fördert die Wundheilung nach großen Operationen, vermeidet entstellende Narben bei Gesichts¬ und Halsoperatiönen und leistet auch bei der Uebertragung von Hautgeweben gute Dienste. General Cunningham prüft Aufenthaltsmöglichkeit von illegalen jüdischen Einwanderern Jerusalem. (DÄNA-INS). General Sir Allan Cunningham, der britische Hohe Kommissar für Palästina, .gab bekannt, daß er die Möglichkeiten des Verbleibens von rund 6000 illegalen jüdischen Einwanderern in Lagern Palästinas prüfe. Jerusalem. „Reuter”. Die geheimen jüdischen Kampfgruppen haben durch Plakatanschlag und Geheimsender gemeldet, daß bis zur Beendigung des Erntetransportes keine Sabotage- und Terroraktionen gegen das Eisenbahnnetz Palästinas ausgeführt werden. ’ Die Interzonentagung in Tegernsee vom 7. bis 9. Dezember 4946 Diese Tagung, bei der Vertreter aus allen Zonen anwesend waren und der auch Delegierte der verschiedenen deutschen Regierungsstellen beiwohnten, war endlich einmal ein Anfang zur öffentlichen Aussprache über die Frage der rassisch und politisch Verfolgten. Der Staatskommissar für rassisch und politisch Verfolgte beim Bayerischen Innenministerium, in München, D r. Auerbach, hatte die Tagung grüridlichst vorbereitet und dafür gesorgt, daß ganze Arbeit geleistet wurde. Die Arbeitsausschüsse: Der Ausschuß für Arbeitseinsatz und Berufseingliederung faßte eine Resolution, bei der die notwendigen Forderungen bzgl. der Durchführung der Säuberungsgesetze verlangt wurden, und in der für die Verfolgten das Anrecht auf finanzielle Wiedergutmachung durch Schaffung von Gesetzen gefordert wurde. x Der Finanzausschuß kam zu einer Resolution, in der Steuererlaß bezw. Erleichterung für die Verfolgten ..gefordert wurde. Eine weitere Resolution, die die Wiedereingliederung in die Wirtschaft forderte, wurde gefaßt. U. a. verlangt diese Resolution, daß die Wiedergutmachuiigsämter dafür sorgen sollten, daß Treuhandstellen für die rassisch, religiös oder politisch Verfolgten nur von Menschen besetzt wird, die die beruflichen Qualifikationen besitzen, und daß dabei Verfolgte gegenüber Anderen den Vorzug haben. Ein weiterer Ausschuß^ verlangte in einer Resolution, daß die CARE-Pakete künftighin gerechter zu verteilen seien und schlug vor, daß ein Wohlfahrtsausschuß, der sich aus der Caritas, Innere Mission, der Jüdischen Wohlfahrt, der Arbeiterwohlfahrt und den Vertretern der Verfolgten zusammensetzt, 40 Prozent der gesamten ankommenden CARE- Pakete zugeteilt erhält, die gleichmäßig in 5 Teile zur freien. Verteilung der entsprechenden Verbände verteilt werden sollen. Dieser Ausschuß gab der Meinung Ausdruck, daß eine derartige Verteilung bestimmt im Sinne der Geber liegen würde. ' ‘ Es wurden außerdem noch Resolutionen bzgl. der Wohnungszuteilung für die Verfolgten, der Betreuungsstellen und der Kriegsgefangenen, die zu den Kreisen der Verfolgten gehören, abgefaßt. In einer Resolution des Ausschusses für die Versorgung der Verfolgten mit Artikeln des täglichen Lebens, sowie Lebensmitteln wurdß gefordert, daß bestimmte Teile der Kleidung, Wohnungseinrichtung etc. Produktion für die Verfolgten, sichergestellt werden und daß durch die amtlichen Betreuungsstellen dafür Sorge getragen wird, daß die Verfolgten mindestens 2500 Kalorien erhalten sollen. * Die Eröffnungssitzung wurde von dem Staatskömmissar, Dr. Auerbach, eingeleitet, der die Anwesenden auf das herzlichste begrüßte. Nach ihm sprach der Bayerische Ministerpräsident Dr. W i 1helm Högner, der u. a. ausführte: „Erschreckend kurz ist das Gedächtnis der Menschen. Erst eineinhalb Jahre sind seit dem furchtbaren Zusammenbruch des Hitler-Reiches vergangen und schon beginnt' sich graue