Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 17 (10.12.1946)
- Date
- 1946-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9498581-9366319-9386197--172-9366174- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rheydt 2× ep/1045545
OCR text
AUS DEM JÜDISCHEN LEBEN Köln. Am 15. 12. 1946, morgens um 10 Uhr findet in der Blankenheimer-straße 55 eine - öffentliche Wahlversammlung statt für die Wahl der Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde Köln, an der nur'die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, die das 21. . Lebensjahr erreicht haben,- teilnehmen dürfen. Die Wahl selbst findet am 29. 12. 1946 in den Räumen der Synagogengemeinde, Köln-Ehrenfeld, Ottostraße 85 statt. CHANUKA-FEIERN Am Sonntag, dem 22. Dezember 1946, nachmittags 2% Uhr veranstaltet der Jüdische Frauenverein Köln unter dem Protektorat der Synagogengemeinde Köln eine Chanukafeier verbunden mit Kinderbescherung -im Flüchtlingsheim, Köln- Sülz, Blankenheimerstr. 55. Kartenverkauf ab 12. Dezember 1946, Gemeinde Ottostraße. . . Es ladet ein: Der Vorstand. I.. A.: Erna Dünnwald. Düsseldorf. Die Synogogengemeinde Düsseldorf veranstaltet am Sonnabend, dem 21. Dezember 1946, nachmittags 5 Uhr eine Chanuka-Feier füt Erwachsene Teilnehmerkarten können bis zum 15. Dezember, abends 5 Uhr, im Büro der Synagogengemeinden in Empfang genommen. werden* Am Sonntag, dem 22. Dezember 1946, nachmittags 5 Uhr, iindet in der Düsseldorfer Synagoge ein Chanuka-Gottesdienst ‘mit anschließender Kinderbescherung statt. Rheydt. Aus der jüdischen Gemeinde Rheydt, die im Jahre 1932 etwa 350 Mitglieder zählte, wurden während des Hitlerregimes 189 Personen in die KZ.-Lager des Ostens verschickt. Der Rest wanderte, bis auf wenige, aus. Von den 189 Deportierten kehrten 3 nach hier zurück, während weitere 2 ins Ausland gerettet werden konnten. Nach der Neugründung, im Februar d. J., zählt die Gemeinde 30 Mitglieder, meistens Frauen. Ungefähr die Hälfte hiervon wohnt in den umliegenden Ortschaften auf dem Lande. Die zur Gemeinde gehörenden Friedhöfe Rheydt, Odenkirchen 'und Giesenkirchen, sind wieder in Ordnung gebracht. Die Grabsteine, soweit solche noch Vorhänden, sind wieder aufgestellt. Ein Teil der Grabsteine, die s. Zt. vom Friedhöf in Rheydt ab transportiert, wurden bei einem Steinmetzen in einem Nachbarort auf gefunden und sollen zurückgebracht werden. Vorsitzender der Gemeinde ist der letzte Vorsteher der früheren Filialgemeinde Odenkirchen, Herr Emil Heymann. . _ (DPD.) Hilfe für heimatlose Juden. In München trafen der Generaldirektor Isaak Asofsky und der Direktor für europäische Fragen der „Hebrew Shelter and Immigrant Aid Society” ein. Asofsky ist Berater der amerikanischen Einwanderungsbehörde und will bei seinem Besuche die Lage der jüd. Heimatlosen in Europa und die Auswanderungsmöglichkeiten studieren. Jubiläum einer Kinder-Krankenstube Berlin. In der Metzer Str. 14 im Bez. Prenzlauer Berg, besteht die Kinder-Krankenstube „Ruth Meyer”, die von dem der Hölle von Auschwitz entronnenen Mitglied des Hauptausschusses „Opfer des Faschismus” und Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde, Julius Meyer und seiner Freu, eingerichtet wurde und unterhalten wird. Die Krankenstube konnte in diesen Tagen auf ihr einjähriges Bestehen zurückblicken und beging diesen Tag im Rahmen einer kleinen Feier, bei der es als Ueberraschung für die kleinen Patienten Kaffee und Kuchen gab. Aus dem Nichts heraus ist hier, allein auf Privatinitiative beruhend, ein Werk geschaffen worden, das in Berlin seinesgleichen sucht. Ständig befinden sich 18 Kinder im Alter von 3 bis 12 Jahren in Pflege, vor allem Kinder, die unterernährt sind und für einige Wochen dringend der Pflege bedürfen. In zwei großen freundlichen Räumen sind die Kindes, meist Halbwaisen und Flüchtlingskinder, untergebracht, wo sie ständig von geschulten Schwestern auf das beste betreut werden. Zwei Aerzte des Bezirks, Dr. Schütz und Dr. Gancik, überwachen laufend 'den Gesundheitszustand der Kinder. Keines davon darf, auf Anweisung von „Onkel Jule”, aus der Pflege entlassen werden, bevor nicht eine merkliche Gewichtszunahme zu verzeichnen ist. Es wird versichert, daß die Gewichtszunahme bei den entlassenen Kindern zwischen 2% und 6 kg schwankt. Stadtrat Geschke, der ebenfalls an der kleinen Feier teilnahm, betonte, daß dies die erste Krankenstube in diesem Rahmen sei, in der'bis jetzt über 70 Kinder ohne Ansehen ihrer Herkunft Aufnahme fanden. Er sprach die Hoffnung äus, daß andere Bezirke dem guten Beispiel folgen werden. es sieht alles so anders aus, als ich es bisher kennengelernt hatte. 14. April 1939. Madame brachte mir heute drei Paar Socken, die ich stopfen sollte, nachdem ich den Abwasch erledigt hatte. Ich bin vorläufig absolut nicht überhäuft mit Arbeit und sehr froh, daß ich es leisten kann. Ich kann viele Briefe schreiben .und über mein Leben nachdenken. Von dem Glück des „Er\tkommenseins” abgesehen, ist es noch eine Verstärkung meines Wohlbefindens, daß ich die Geschwister telefonisch erreichen kann ... . Meine Gedanken suchen meine Berliner Freunde. , . 18. April 1939. Heute sind meine Sachen angekommen! Ich heulte beinahe vor Freude ..... 22. April 1939. War heute auf Rat von Maurice beim Bürgermeister, um nach meinem Paß zu fragen. Er selbst war nicht anwesend, ein Beamter befragte mich, ob ich schon in Deutschland Dienstbote war? Ich-antwortete, daß ich dort für Zeitungen geschrieben hätte „ und auch Bücher veröffentlicht hätte. Jetzt arbeite ich im. Haushalt, weil das ja die Bedingung für meine Einreise war ...... 26. April 1939. Ich komme mir wie eine Verbannte vor. Bei den Mahlzeiten richtet niemand ein Wort an mich . v. . . Als ich vom Kino nach Hause kam, fand ich die Küche verschlossen und in meiner Mansarde nicht die leiseste Andeutung eines Abendessens. Selbst gekaufte Cakes und etwas Obst trösteten mich (wie .schon oft!), wenn ich hungrig vom Tisch auf stand. Ich fand einen Zettel vor: ich soll morgen früh zum Bürgermeister kommen — also endlich wird die Paßsache erledigt! Berlin,-den 12. Mai 1939 ..... Es ist wie ein grausiger Traum, daß ich mm wieder in die Hölle zurüdfkehren mußte! Ich bin ausgewiesen worden ... Ich war völlig ahnungslos, daß sich dieser Schlag seit Tagen über meinem Haupte vorbereitete . . . . . Ich war am 27. April mit Monsieur zusammen.über die Dorfstraße zur Bürgermeisterei gegangen. Ich trug keinen Hut und hatte, nur rasch einen Tee getrunken. Madame hatte verschlafen, und so konnte ich nicht frühstücken, da es mir nicht gestattet war, allein die Küche zu betreten ..... Monsieur Le Maire empfing mich allein mit ernstem Gesicht. Unser Gespräch verlief folgendermaßen (auf Französisch): „Sie wollen Ihren Paß holen?” „Ja, ich bitte darum.” ‘ „Ich bedaüre, Ihnen eine sehr peinliche Eröffnung machen zu müssen.” „Ich verstehe nicht t—?” „Soll ich lieber deutsch sprechen?” „Nein, — aber ich begreife diese Andeutung nicht?” Er stand. Er hatte mir einen Stuhl angeboten. Ich spürte plötzlich eine unabwendbare 'Gefahr auf mich Zuströmen. Ich starrte ihn an: Was lag denn um Gotteswillen vor? -