Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 17 (10.12.1946)
- Date
- 1946-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Schweres Attentat in Jerusalem Jerusalem. Durch eine schwere Explosion wurde vor einigen Tagen das Hauptgebäude der Steuerbehörde in Jerusalem zerstört. Die Anzahl der Opfer ist bisher noch nicht bekannt. Die Beamten waren vorher durch einen anonymen Telefonanruf aufgefordert worden, das Gebäude zu verlassen. London. (DANA/INS.) Die britische, Armee „hat, wie „London Evening News” berichtet, die Kontrolle über das gesamte Eisenbahnnetz in Palästina' übernommen. An allen Hauptstrecken wurden Wachen aufgestellt, und jedem Zug Wird künftig ein Panzerfahrzeug vorausfahren. Unmittelbar nach Bekanntgabe dieser Sicherheitsmaßnahmen drohte die „Irgun Zvai Leumi”, durch elektrische Minen jeden Eisenbahnverkehr .lahmzulegen. Tel Aviv. (Dana-Reuter). Der Chef der politischen Abteilung der Jewish Agency hat „alle anständigen Juden” aufgefordert, Maßnahmen zur Bekämpfung der Terroristen zu ergreifen. Basel. („Reuter”). Der 22. Zionistenkongreß beginnt in Basel am 9. Dezember 1946. Am Kongreß beteiligen sich 300 Delegierte, welche 62 Länder repräsentieren. („Accociated Press”). Die Londoner Zeitungen brächten die Nachricht, daß die jüdische Untergrundbewegung in Palästina unter Zuhilfenahme von jüdischen Fönds in Amerika 100 Schiffe kaufte,, die für eine großangelegte Einwanderung von heimatlosen Juden aus Europa nach Palästina vorbereitet sind. Laut einer Meldung vom Britischen Kolonialministerium, erhielt dasselbe auch ähnliche Mitteilungen. („Associated Press”). Der Britische Kolonialminister Sir Johns machte offiziell bekannt, daß die 8 führenden Juden aus Palästina, die in Latrun Interniert waren, auf freien Fuß gesetzt wurden. Gleichzeitig werden auch 120 Juden vom Lager Rifiä befreit. Außerdem sollen auch 20 Araber befreit werden (die für Kriegsverbrechen gegen die Alliierten inhaftiert waren. . .. . H. I. Aufruf des Oberrabinates von Palästina. Jerusalem. Das Oberrabinat von Palästina veröffentlichte einen Aufruf, in dem es terroristische Aktionen verdammt. In'der Erklärung wird u. a. gesagt: „Mord und der daraus folgende geistige Selbstmord, stehen im Gegensatz zur Torah des Moses und reißen die Fundamente unserer Existenz ab.” Die Erklärung erwähnt auch die bittere*” Enttäuschung der verbliebenen, Reste des europäischen Judentums an der Politik der Mandatormacht. - (Ing.) Streik der Eisenbahner in Palästina Jerusalem. („Reuter”). Alle arabischen und jüdischen Eisenbahner und Lokführer haben ihre Arbeit niedergelegt, als Protest gegen '“die Minierung der Eisenbahnlinien und Anschläge auf die Züge. ' ■ - In der gemeinsamen Erklärung der .Streikenden wird gesagt, daß sie weiter nicht gewillt sind, „Selbstmord”-Reisen über «linierte Strecken zu machen. Von Juni d. J. ab wurden mehr als 50 Sabotageaktionen auf das palästinensische Eisenbahnnetz durchgeführt. (Ing.) Verhafteter. Untergrundkommandant geflüchtet. Jerusalem. („Associated Press”). In Jerusalem wird verlautet (und von der Regierung picht verneint), daß der stellvertretende Kommandant der Stemisten, Izchak Yesternitzky, der vor kurzem in Eritrea interniert wurde, von dort geflüchtet und auf dem Wege nach Palästina ist. Vor einigen Wochen wurde Yesternitzky von 2 britischen Sergeanten erkannt und nach Eritrea (Ostafrika) verschickt. Bekanntlich wurden die beiden Sergeanten einige Tage daraufhin in Haifa ermordet. ' - ’ (Ing.) London. („Scotland Yard”), meldete, daß 800 polnische Juden die mit den Abteilungen der Anders-Armee von Italien in Glasgow ankamen,. vorläufig in Haft genommen wurden. Es wird untersucht,' ob sich unter ihnen keine Mitglieder der Palästina-Untergrundbewegung befinden. Washington. („Reuter”). Der -Leader der republikanischen Parlamentgruppe, Senator Pepper, erklärte auf einer Pressebesprechung, daß das Palästinaproblem nunmehr vollständig reif zur Lösung geworden ist und eö ist schon die höchste Zeit, Palästina dem unglücklichen jüdischen Volk zu übergeben. . Endgültige Wahlergebnisse in Palästina Jerusalem. („United Preß”). Zum ersten Mal nach 7 Jahren gingen 200 000 Juden zur Wahl-Urne. Die'Wahlen sind , im allgemeinen ruhig verlaufen. Die geheimen jüdischen Organisationen stellten für “diesen Tag ihre Tätigkeit ein und die militärische Aktivität im Lande wurde auf ein Minimum beschränkt. Die endgültigen Wahlergebnisse sind folgende: Arbeiterpartei Zionisten-Revisionisten „Hapoel Hamisrachi” (religiöse Arbeiterpart.) Poale j Zion „Alijsh chadascha” (Vereinig, d. deutschen Juden) Mirsrachi (relig. Part.) Allgemeine Zionisten 76 000 Stimmen 28 Sitze 28 000 „ 12 „ 24 000 „ 10 „ 23 000 „ 9 „ 12 000 „ 6 „' 5 000 3 „ 5 000 „ 2 „ Alice Stein-Lande-s.ma n n: Aus meinem Tagebuch AUS SCHWERSTER ZEIT Anmerkung der Redaktion: Alice Stein-Landesmann gehörte zu den Jüdinnen, die von 1933 an alles versucht haben, um auswandern zu können. Der 9. November, 1938 zeigte ihren schon im Ausland befindlichen Angehörigen, daß nunalles' darangesetzt werden muß, um die Auswanderung zu,ermöglichen. 'Eg ist uns leider nicht möglich, das,Tagebuch von Alice Stein-Landesmann, dessen Manuskript uns vorliegt, vollständig zu veröffentlichen. Wir greifen einige Stellen heraus, die die Geschichte dieser Jüdin -— alle Juden haben ihre Geschichte deutlich vor Augen führt: 26. Februar 1939. Heute Brief von Grete! Es wird mit Familie Gh. verhandelt. Also eine Hoffnung! Es tut schon Not — ich bin entsetzlich zerquält! Nur noch eine Weile Geduld! Es sind noch eine Unmenge Vorschriften hier und dort zü erfüllen! 18. März 1939. Noch immer fehlen Beglaubigungen .... 2. .April'1939. Gestern mußte ich — laut ganz neuer Verordnung — meinen ganzen Besitz an Schmuck, Gold und Silber abliefern! . . . Ich bin nicht, fähig, dieser neuen Raubgier einen Gedanken zu schenken — ich will nichts anderes mehr denken, als daß ich am 7. April endlich in die Freiheit fliehen darf! 8. April 1939. Also morgen! Die Prüfer-waren da — es wurde mir alles bewilligt. Es ist ja bescheiden genug, — Der eine Packer sagte heimlich zu mir: „Wenn Sie noch ’ne joldene Uhr haben — immer her mit! Die laß ick eenfach janz dusernang in die Wäsche' rutschen —:—”. Ich mußte ihm gestehen, daß ich mir eine einfache gute Stahluhr gekauft hatte, da ich meine „goldene” abliefem mußte! . V. . . 9. April 1939 abends: Nun bin ich wirklich hier gelandet! Ich schreibe mit klammen Fingern, denn mein- Zimmerchen ist eisig. Es stand lange unbewohnt, und Madame hat nicht geheizt . . . Vorgestern verließ ich Berlin! . \ . . Als die Grenze hinter mir lag, als der fremde Schaffner eintrat und freundlich grüßte, kamen mir freilich die Tränen! Aber ich konnte mich schnell zur Ordnung rufen.Dann habe ich zum Fenster hinausgesehen .und der Rädermusik zugehört: „Ich bin frei! Ich bin frei!” ..... Hier angekommen, fuhr ich mit meinem' Schwager nach M. hinaus, wo wir sofort meinen Paß auf der kleinen dörflichen Bürgermeisterei ablieferten. 13. April 1939. Ich esse mit der Familie zusammen, bei der ich arbeite, und