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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-11-27 · 16 (27.11.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
16 (27.11.1946)
Date
1946-11-27
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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AUS EM JÜDISCHEN. LEBEN Wir bitten unsere Leser, uns von allen 'wesentlichen Vorkommnissen in ihrer Gemeinde Kenntnis zu geben, insbesondere über die jüdische Aufbauarbeit zu berichten, damit wir sie als Anregung in unserer Zeitung bringen können. Der Verlag. Ehrenfriedhof für die Opfer des Nationalsozialismus Das Düsseldorfer . Gartenbauamt; hat einen-Plan ausgearbeiT tet, nach dem im Zusammenhang mit dem Nordfriedhof, und zwar am ehemaligen Schlageterkreuz, ein Ehrenfriedhof für die Opfer des Nationalsozialismus geschaffen werden soll. Mit den Arbeiten soll schon in kurzer Zeit begonnen werden. Hundert Thora-Rollen werden abgegeben - H Der Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in der amerikanischen Zone hat in einem Schreiben an die Jüdische Gemeinde die Bitte ausgesprochen, von den geretteten Thora-Rollen einen TeiLfür die übrigen Gemeinden in Deutschland zur Verfügung* zu-stellen. Der Vorstand und die Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde zu Berlin haben diesem Wunsche entsprochen und beschlossen,. iOO Thora-Rollen zur Verfügung zu stellen. “Eine berechtigte Eingabe: Der Hauptäusschuß „Opfer des Faschismus”, Abteilung Nürnberger Gesetzgebung Berlin, hat an das Koordinierungskömitee des Alliierten Kontrollrates eine Eingabe gerichtet, die den Wohnraum für „Opfer des Faschismus” und Juden betrifft, da das Wohnungsproblem immer noch nicht .im Sinne dieses Personenkreises gelöst ist. Die einzelnen .Punkte dieses Schreibens lauten: ' . " - 1. Juden und anerkannten „Opfern des Faschismus” kann nicht zugemutet werden, mit ehemaligen Pg’s in einer Wohnung zusammenzuleben. 2. Die Mietsverträge" der ehemaligen Pg’s sollen auf den jetzigen Inhaber der Wohnung, sofern es sich um Juden oder anerkannte „Opfer des Faschismus” handelt, übertragen werden. ■ ' 3. Es soll Juden und, anerkannten „Opfern des Faschismus” die Möglichkeit gegeben werden, ein eigenes Heim zu besitzen. Die Zuweisung der betreffenden Wohnräume soll sich jeweils^ nach der Kopfzahl' richten. Für ein Ehepaar sollen mindestens zwei Zimmer Vorgesehen sein. Herr Norbert Wollheim, Präsident des britischen Zonenrates, jüdischer Gemeinden, sprach am 20. Oktober in Düsseldorf. Seine Ausführungen, in denen Herr Wollheim - alles sagte, was gesagt werden mußte, hinterließen einen starken Eindruck. Synagogen-Ein weihung in Oldenburg Am Donnerstag, dem 31. Oktober 1946 wurde ein Betsaal im Hause der Oldenburger. Jüdischen Gemeinde, Cecälienstraße, feierlichst eingeweiht. Vertreter der Militärbehörde sowie des Staates und der'Stadt waren bei der Feierlichkeit vertreten. Herr Carl Katz war als Vertreter der Nachbargemeinde Bremen erschienen, begleitet von Chaplain S. Stern und Lt. Meisler vom HIAS. Nachdem die Torahrolle von den Vorstehern in - Prozession in die heilige Lade getragen worden" war, eröffnete Rev. A. Carlebach, von der JEWISH RELIEF UNIT, den Gottesdienst durch Vortragung des Ma Towu. Sodann begrüßte Rechtsanwalt Dr. Löwenstein die Gemeindenmitglieder und Gäste Im Namen des Vorstandes. Er beschrieb die traurigen Vorgänge der Vergangenheit, die die einst blühende Judensehaft des Landes Oldenburg zu einem kleinen Häuflein reduziert hatte. Der Lebenswillen der Jüdischen Gemeinde war aber nicht gebrochen, als dessen Symbol die heute eingeweihte Synagoge dienen sollte. Im Namen der Militärregierung sprach Dr. van Damm, im Namen der Oldenburgischen Regierung der Kultusminister, sowie der amerikanische Chaplain S. Stern. . Nachdem. Mr. Meisler den 30. Bsalm vorgetragen hatte, ergriff Rev. A. Carlebach das Wort zur Weihepredigt. Er wies auf die Bedeutung der Synagoge hin, die neben der Idee des einzigen Gottes und des göttlichen Gesetzes eine der Gaben des Judentums an die Menschheit .war. Die Synagoge Ist kein Tempel, sondern ein Hausder Erziehung, des Lehrens und des Lernens. Es war kein ZüfaR, daß der Nationalsozialismus eine solche Institution, zu zerstören suchte. Wie auch immer sich die Zukunft der Jüdischen Gemeinden in Deutschland gestalten würde, die Synagoge müßte für das deutsche Volk eine Stätte der Wallfahrt und der Selbsterziehung werden: - Rev. A. Carlebach trug dann das Gebet für die Seelen der in der Verbannung ermordeten und gestorbenen Oldenburger Juden vor, womit die Feier ihren Abschluß fand. Bei der darauf folgenden Bewirtung der Gäste übergab Frau König dem Synagogenvorstand eine silberne Zdoko- Büchse, die ihr Mann ata 9. November 1938 in Aurich auf der Straße gefunden hatte. . , ■, ' München. Die Jüdische Gemeinde zählt jetzt etwa 1600 Mitglieder. Die Synagoge in der Reichenbachstraße wird wieder auf gebaut und in Kürze eingeweiht werden. Leipzig. Regelmäßige Gottesdienste wurden in der Synagoge in der Keilstraße während des vergangenen Jahres, abgehalten. Der Friedhof in der Delitzstraße, der von. den Nazis geschändet wurde, ist wieder völlig hergestellt. Ein Denkmal für die Opfer des Faschismus wird errichtet. Stuttgart. Eine Vereinigung von „ befreiten Personen aus Theresienstadt, kürzlich in Stuttgart inä Leben gerufen, setzt es sich zum Ziel, die Juden,, die aus Theresienstadt zurüekgekehrt sind, .in allen vier Zonen Deutschlands zu vertreten. ' ' Zionistische Kundgebung in Köln Die Zionistische Vereinigung hatte für Sonntag, den .13* 10. 1946 zu einer Kundgebung im Alters- und Flüchtlingsheim, Köln-Sülz, Blankenheimerstraße 55 eingeladen, die recht zahlreich besucht war. Als Redner war der frühere Mitarbeiter des Palästina-Amtes in Berlin und heutiges Vorstandsmitglied der Jewish Agence, Kurt Gold mann, gewonnen worden. In Vertretung des ersten Vorsitzenden, Herrn Moritz Golüschmidt, hieß der 2. Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung Köln, Herr Leo Sachs, die Erschienenen herzlichst willkommen,’ und’ begrüßte insbesondere den Referenten Goldm.ann. In seiner Ansprache gab Herr Sachs einen Rückblich der. Entwicklung^ des Zionismus in den letzten 40 Jahren und erwähnte,'" daß immer dann, wo es jüdischen Menschen schlecht ergeht, Palästina als- Heimstätte in den Vordergrund trat.' Er beklagte sich bitter, wie wenig für die zurückgekehrten Juden' seitens der deutschen Behörden und seitens der Militärregierung getan wird und daß die 6 Millionen, die wir bereits dem Naziterror geopfert haben, der Welt scheinbar noch nicht “'genügen. Nicht mit der Waffe in der Hand, sondern, mit Hacke und Schippe wollen die Juden Palästina für sich gewinnen, ihre Existenzen sichern und die Grundlage für die Einwanderung weiterer jüdischen Menschen schaffen. Er appellierte an den Gerechtigkeitssinn der Engländer und gab Chawer Goldmann das Wort-zu seinem Referat. Chawer Goldmann wies auf die, heutige Situation und den schweren Kampf hin, welchen wirin Palästina zu bestehen haben. Er ist überzeugt, daß wir diesen Kampf siegreich, bestehen werden. Nach 1 Jahren der Befreiung befinden sich tausende jüdische Menschen noch immer auf Wanderung von dem Osten nach dem Westejj. Es bedrückt uns Juden, daß wir noch kein eigenes kulturelles Leben führen können. Die Hauptschwierigkeit sieht Goldmann darin, daß die einzelnen Völker noch zu keiner Verständigung gekommen sind. Auf der Friedenskonferenz; in Paris sind wir Juden nicht vertreten, ebenso wie wir in der Uno und deren Ausschüssen keinen Sitz haben. Allen übrigen Völkern, und wenn sienoch so klein sind,- ist das Recht, Vertreter zu*entsenden, .eingeräumt worden, Wir müssen uns damit begnügen, daß wir in den Vorzimmern der Konferenzsäle Gelegenheit bekommen, «inen der Delegierten zu sprechen und unsere Wünsche vorzutragen. Die Jewish Agence weist immer wieder; darauf hin, daß die Mehrheit der Juden nach Palästina will. Man ernannte Commissionen und nach langen Verhandlungen, faßte man ins Auge, im Jahre 1946 100 000 Juden nach Palästina zu bringen. Wir sind aber noch weit von der Verwirklichung dieses Planes . entfernt, denn nach diesen Commissionen kamen neue Commissionen. Damit ist uns nicht gedient. Wir wollen Tatsachen sehen. Die Geschichte Palästinas zeigt, daß das, was wir auf gebaut haben, wir allem verteidigen müssen, wollen"wir es erhalten. Die Juden in Palästina haben nach besten Kräften dazu beigetragen, das Hitlersystem zu Fall zu bringen. Heute will die Welt das nicht mehr anerkennen. — Der

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