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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-11-27 · 16 (27.11.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
16 (27.11.1946)
Date
1946-11-27
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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„Auswandern oder Hierbleiben?“ Audiatur et altera pars! Auch die andere Ansicht «oll gehört - v werden! In einem Aufsatz unter der Ueberschrift; „Auswandern oder Hierbleiben?” in der Nummer 15 dieser Zeitschrift versucht der Verfasser dieses Problem zu lösen, indem'er seine „bisher absichtlich verschwiegene Ansicht” auseinanderlegt und zur folgenden Schlußfolgerung kommt: 1. Palästina kann nicht alle Juden fassen; Im besten Falle könnten 100 000 bis höchstens 300 000 Juden dort einwandern, welche Einwanderer sich aus den D. P.-Lagern und aus den Juden in Frankreich, Holland, Belgien und Dänemark rekrutieren würden. Es müßten aber Jahre vergehen, bis diese kleine Anzahl der Einwanderer eingeordnet sein würde. 2. Die Arbeit in Palästina ist sehr , hart und „unsere zerbrochenen Juden” sind zu solch harter Arbeit nicht geeignet. Auch der Ausgang der Kämpfe in Palästina ist ungewiß. Es ist’daher die Pflicht der deutschen Juden in Deutschland, auszuhafren und sich hier neu einzuordnen. . Ich will versuchen, mit dem winzigen, mir zur Verfügung stehenden Material, dem Verfasser entgegenzutreten und seine Argumente zu widerlegen. Keinem, auch nicht dem enthusiastischen Zionisten ist es je eingefallen, in Palästina die früher 17 und jetzt .11 Millionen Juden ansiedeln zu wollen. Es ist auch niemals davon die- Rede gewesen und es ist niemandem eingefallen zu glauben, daß ein selbständiger jüdischer Staat alle Juden der Welt als seine Bürger betrachten würde. "Genau wie die Deutschen, Italiener und Polen, die in Amerika leben, amerikanische Bürger sind und nötigenfalls — wie es im jüngsten Kriege mit den Deutschen und Italienern des Fall war — gegen'ihr Ursprungsland kämpfen müssen, würde ein jüdischer Staat nur die in Palästina lebenden Bürger schützen. Es würde aber den Juden in der übrigen WelC wenn sie sich unterdrückt fühlen sollten, die Möglichkeit ge-“ boten, nach Palästina zu tömmen. und dort Bürger des jüdischen Staates'zu-werden. Nun die. Frage, ob und wieviele neue Einwanderer Palästina aufnehmen kann? Kein kleinerer Fachmann auf dem Gebiete der Bodenkultur und Bewässerung, als der arische Wissenschaftler der Universität‘Arizona (USA) und Oxford (Engl.) Dr. Walter Clay Lowdermilk, der seit 1915 in den Vereinigten Staaten, in China usw. Forschungsexpeditionen leitete und unmittelbar vor dem Kriege auch Palästina durchforöthte, behauptet kategorisch, daß bei intensiver Bewässerung und Nutzbarmachung des Südteiles (Negew) mehrere Millionen Menschen in Palästina neu angesiedelt •werden können. — Das Mandat gebiet umfaßt 26 313 000 Dunam Boden. Von diesen könnten laut Behauptungen von solchen nicht jüdischen Forschern wie Dr. Strahom und Julius Foß, sowie des. erwähnten' Dr. Lowdermilk-, 8 700 000 Dunam, bewässert und nutzbar gemacht werden. Jüdische Forscher sind optimistischer und woll^fl eine Ziffer von 14 bis 16 Millionen Dunam erreichen. Wenn man bedenkt, daß bis jetzt in Palästina nur etwa 6 Prozent oder 480.000 Dunam bewässert und nutzbar gemacht wurden und auf diesem Boden 1700 000 Seelen (650 000 Juden und 1 050 000 Araber) wohnen, kann man sich leicht vorstellen wieviele. Menschen Palästina — bei intensiver Bewässerung — aufnehmen könnte.— Daß diese Bewässerung keine leere Phrase ist, beweist ein im vorigen Jahre yon hervorragenden amerikanischen Spezialisten, wie Dr. Robert Nathan, ehern. Direktor des Bewässerungsamtes des Kriegsministeriums der USA. Dr. Walter Clay Lowdermilk, Vicechef der Bodenkultur-Abteilung der USA. und'Dr. Wolman, ehern. Präsident des nationalen Wasserforschungs-Institutsder USA. ausgearbeitet und von maßgebenden amerikanischen und englischen Stellen gutgeheißener Plan-, laüt welchem im Laufe der nächsten 10 Jahre 1 125 000 Juden nach Palästina einwandem und dort sich gut einördnen könnten, wenn eine entsprechende Amellioration durchgeführt würde. Zur Realisierung dieses Planes wird ein Kapital von 475 000 bis 675 030 beansprucht. Daß diese Kapitalfrage kein Hindernis bei der Realisierung des Planes werden kann, möge die Tatsache dienen, daß mit Ende des Jahres 1944 Palästina allein einen Kapitalüberschuß von 120 000 aufwies. Wenn man berücksichtigt, daß die industrielle Entwicklung Palästinas in den letzten Vorkriegsjahren und während des Krieges fast revolutionäre Formen angenommen hatte. Wenn man in Acht nimmt, daß Industrie und Landwirtschaft auch Transport, Schiffahrt, Handel und Freie Berufe bedingen, kann man die positive Antwort auf die Frage der Aufnahmemöglichkeit leicht finden. Die Arbeit in Palästina ist gewiß nicht leicht. Es sind aber unter den DP. und d§n Juden in Frankreich, Holland, Belgien und Dänemark gewiß auch „zerbrochene Juden” vorhanden, die aber in Palästina auch entsprechend leichtere Beschäftigung — Büro, Schule, Theater und Kunst, Handel und freie Berufe — finden werden. Jeder ordnungsliebende Mensch, muß individuellen Terror ’ als Verbrechen betrachten. Dies wurde auch seitens der maßgebenden jüdischen Instanzen (Jewish Agency, Engeres Aktionskomitee, Waad Haleumi, Hagäna) öffentlich erklärt. Wenn man aber ehrlich denken will, muß man sagen, daß die Kämpfe in Palästina das Gewissen der Welt — vor allem Amerikas — aufgerüttelt, die Gegner eines jüdischen Staates zur gewissen Nachgiebigkeit gezwungen und?,die Behandlung der Frage eines jüdischen Palästinas mit Immigrationsrecht, auf internationalen Forum verursacht hatten. Wer die Lage in Deutschland mit offenen Augen als Jude und nicht als Deutscher oder „Jude evangelischer Konfession” betrachtet, muß . einsehen, daß der Antisemitismus während der Naziherrschaft so tiefe Wurzel im deutschen Volke gefaßt hatte, daß er. auch jetzt, während der Okkupa.- tionszeit weiterexistiert. ’ .Die Zahl der Juden spielen dabei keine Rolle. Auch* die wenigsten überlebenden Juden sind den Deutschen zuviel. Wer Palästina mit den Augen eines Vorkriegsassimilanten betrachtet und die Juden als ,,Schmarotzer”, die von; den Säften der anderen Menschen leben sollten, sehen möchte, der übersieht' absichtlich die kollosalen wirtschaftlichen und^ politischen Errüngenschaften und Möglichkeiten in Palästina** und unterschätztebenso absichtlich die Fähigkeit der Juden im eigentlichsten Sinne des Wortes produktiv zu werden. Wer mit eigenen Augen gesehen und auf eigenem1- Körper gespürt hatte, wie das Volk der Dichter und Denker, wie die Nachkommen von Lessing und Schiller sich in wilde Kannibalen verwandelt hatten, wer die Nacktheit der Ungerechtigkeit und der Barbarei beim deutschen Menschen von nächster Nähe, als Opfer wahrgenommen hatte, der muß mit -dem römischen Dichter Vergilius ausrufen: . - ' „Fuge crudelis terris, Fuge litus (avarus” „Fliehe die grausamen Landen, fliehe das Ufer voll Habsucht.” 1 Dr. S. SChapira. * Braunschweig. Großer Chanukaball Am 21. Dezember 1946 (Chanükasamstag) veranstaltet der »S. C. Maccabi« unter dem Protektorat der Synauooengemeihde Köln seinen ersten Charukabail im neuen ~ Festsaal der Svnagogengemeinde m Jtitln-Elirenleid , Otto Strasse 85 — I. Etage Der ^estsaal wird zu die-em Zwecke in Stand gesetzt. t Großes Orchester/Tombola/Restaurant Auftreten erster Kräfte In Anbetracht der wenigen zur Ver ü»ung stehenden Ptä ze werden die Gemeindemitglieder gebeten, sich, rechtzei-ig eine Einlaßkarte zu besorgen. Vorverkauf: Büro der Synagogengemrinde .Köln und bei den Mitei edern des S. G. Maccabi , Der Vorstand: Karl Lichtenstein GESUCHT: SIEGFRIED AUKSTUKALSKI Am 1. September J942 von Königsberg Pr. nach Riga mit Berliner Transport der O.sT'. Von seiner Mutter Selma Perl, verw. Aukstukaiski Camp Dege,endort/Bay.

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