Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- Sondernummer (15.11.1946)
- Date
- 1946-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Die Predigt des Rabbiners Dr. Carlebaeh derjüd. Gemeinde London- Goldersgreen Und es wird sprechen ein spätes Geschlecht, Eure Kinder, die nach Euch erstehen werden und der Fremde, der da kommt aus einem fernen Land, und sie werden sehen die Schläge dieses Landes und seine Leiden, mit denen Gott es geschlagen hat; Schwefel und Salz, verbrennt das ganze Land, wie die Umkehrung von Sodom und Gon\ora, die Gott umkehrte in seinem Zorn und seinem Aerger. Sie werden sagen? Warum hat Gott so getan diesem Lande, was ist das Brennen dieses großen Zornes? Und man wird sagen: Weil Sie verließen den Bund Gottes ...” theismus, den Glauben an den einen, einzigen Schöpfer, Gott, gegeben haben. Auch haben wir der Welt das offenbarste Sittengesetz, das am Sinai gesprochene Wort Gottes, das, Du sollst und Du sollst nicht gegeben. Und wir haben der Welt die Idee und Institution der Synagoge geschenkt. Die Synagoge ist kein Tempel, Tempel hatten auch andere Völker. Die Synagoge ist ein Haus der Erziehung und des Geistes, desLehrens und des Lernens, ein Haus, in dem das Volk lebt und auch betet. Was anderen Völkern das Wirtshaus ist, ist uns Juden die Synagoge. Sie entstand, als wir zum ersten Male -in die Verbannung zogen, als wir uns beim Lehrer und Propheten zur Lehre und Mahnung, wie auch zum Gebet versammelten. Seitdem haben wir die Synagoge mit uns fgetragen. Von Verbannung zur Verbannung; von Jahrtausend zu Jahrtausend, von Jahrhundert-zu Jahrhundert, von Land, zu Land, von Volk zu Volk. Wo immer zehn Juden Zusammenkommen zur Lehre und zum .Gebet, dort ist Gott; dort ist die Synagoge, die ecclesia, das Haus der Versammlung. Sie ist unzerstörbar, sie kann man nicht zerstören und verbrennen, sie ist ewig wie unser Volk^ Dieser Stein ist ein Stein der Erinnerung und der Mahnung. Nicht für uns Juden. Wir werden auch so nicht vergessen. Wir sind das Volk mit dem besten historischen Gedächtnis der Welt. Der Erinnerung und Mahnung bedürfen die arideren^ das deutsche Volk, die große Welt. Ihnen muß er sagen, zu welcher tierischen Stufe der Mensch sinken kann, wen» dies nicht eine Beleidigung für die gotterschaffene Tierwelt darstellt. Und sie. muß ermahnen, daß es ein Volk gibt, das eine Synagoge geschaffen hat, ein Haus, in idem der Mensch hinauf gezogen und — erzogen wird zu der Höhe des Gottes Wortes, Seiner Lehre und Seiner Wege. Meine Freunde, diese Worte sind nicht meine eigenen, g# dacht und gesprochen für diesen Tag, sondern es sind die Worte der Heiligen Schrift, im Buche Deuteronomium, Kapitel 29, geschrieben vor Tausenden von Jahren, als, wie für diesen Tag. ' In den Ruinen dieses neuen Sodoms weihen wir heute den Gedenkstein für eine zerstörte Synagoge ein. Was ist eine Synagoge? Man sagt, daß wir Juden der Welt den Monö- Wir Juden haben heute unseren Sabbath. An ihm trauern wir nicht und bannen alle Gedanken an Leid und Not. An ihm blicken wir in die Zukunft und beten: Der Allbarmherzige,. möge er uns zuteil werden lassen den Tag, der da ist ganz Ruhe und Rast des Lebens der Welten. Der große Weltensabbath, an dem Leid und Not entschwunden sind und Völker und Menschen untereinander leben in Liebe, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit. Amen. Recte, gehalten von Mordechai M. Breuer, .Jewish Agency Palestine Foto; (2) Berben „Die jüdische Religion ist eine Ethik der Pflichterfüllung.” Commandant, Mr. Chairman, Ladies and Gentlemen, my dear brothers and sisters. Äs a Jew who Was born and brought up in a German-Jewish confmunity and who has taken part in the upbuilding of the Jewish National Home lor. the last eleven years, I have the honour to> speak to you at this solemn hour. I bring you the greetings of the Jewish Agency for Palestine. Dieser leere Platz und diese Tafel sind uns Zeugen und Mahner zugleich. Zeugen sind sie uns'des Hasses und der Vernichtung, Zeugen der größten Katastrophe, dife über unser leidengeprüftes Volk gekommen ist. Zeugen aber auch für den Lebenswillen unseres Volkes und für die Köritinuität unserer Tradition; denn Sie, eine kleine Schar, treu dem Abrahamsbund, stehen und wachen an diesem historischen Ort. * Und Mahner sind uns Platz und Tafel. Sie mahnen uns zur Einkehr. Sie mahnen uns daran, daß die jüdische Geschichte eine Geschichte des Leidens aber auch der Pflichterfüllung und des Bauens ist. Wo immer Israel wandert, baut es Synagogen und Schulen. Wer immer sich zum Judentum bekennt, baut mit und hilft neue Glieder fügen an die dreitausend-jährige Kette; und jeder Jude und jede jüdische. Gemeinde muß mittragen ah dem Wohl und Wehe der jüdischen* Gesamtheit, Die jüdische Religion ist eine Ethik der Pflichterfüllung, und nur der kann Anspruch erheben, Jude zu sein, der an Gott, an den Menschen, und an seinem jüdischen Volk seine Pflichten erfüllt. Heute verstehen wir, warum der erste große Schlag des Vernichters ^gerade unsere Synagogen traf. Im Nazismus und im Judentum standen sich zwei unversöhnliche Ideen gegenüber; die der gesetzlosen Tyrännie von Mens'ch über Mensch, und die der Unterordnung dis Menschen unter Gottes Königtum und sein geoffehbartes Gesetz. * » Seien wir Juden grade in dieser Zeit, da das Recht um sein Recht kämpfjt in der Welt, und weisen wir der Menschheit den dornenvollen aber sicheren Weg der Rechtlichkeit und der Gesetzestreue. Wir stehen vor einem Ort der Andacht. Wo immer in der Welt ein Jude zu seinem Schöpfer sich andächtig wendet, kehrt er sein Gesicht gen Osten, nach Jerusalem, nach dem Heiligen Lande von Israels großer Vergangenheit, blühender Gegenwart und ersehnter Zukunft. Dort steht der Berg Mopiah, auf dem einst ein Vater sein Teuerstes Gott opfern wollte. So lesen wir heute an unserem jüdiochen Sabbathtage in der Lehre: „Vayelchu shneyhem yachdaw”, „Und sie gingen beide zusammen”. Und. ihr Gang, der Gang Abrahams und Isaaes, wurde symbolisch für Israels Weg durch die Geschichte. Israel» geht für sich, aber geeint und verbunden. Und Generation geht mit Generation, Vater mit Sohn, und Sohn mit Enkel, und alle gehen sie einen Weg, für den es immer nur ein Ziel gegeben hat, für dessen Er- §g$g|§$