Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-11-15 · Sondernummer (15.11.1946) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
Sondernummer (15.11.1946)
Date
1946-11-15
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9498581-9366319-9386188--137-9366142
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

reich ung wir dreimal täglich zu Gott beten: „Vetechesena eyneynu beshuvcha lezion berachamin”. — „Und so mögen schauen unsere Augen wie Du in Erbarmen nach Zion zurückkehrst”. . Wir Juden haben uns immer für die Einigkeit der Menschen eingesetzt, und wir habe« die Hoffnung heilig gehalten, daß uns die Ehre zuteil werden würde, der einigende Faktor in der Herstellung der Brüderlichkeit der Menschen zu sein. Als wir in Jerusalem an jenem Schreckenstage die Kunde von der Verbrennung der Synagogen in Deutschland vernahmen, da gingen wir hin zur uralten WestmaUer, zur Klagemauer,, und klagten und flehten 'ui)d beteten. Und eins wissen wir heute:“ Synagogen in der Diaspora stehen und fallen, aber die Mauer in Jerusalem, der. Wall der jüdischen Hoffnung, wird nicht untergehen, und waS dort gebautwird, wenn es in jüdischer Pflichterfüllung gebaut wird, -r— der Segen Gottes-ruht auf ihm. So erziehet auch Ihr Eure Kinder und Eure Jugend, daß sie lebendige Glieder des jüdischen Volkes werden, und daß ihre Herzen mit. Euren und unseren Herzen, mit denen aller jüdischen Menschen einer schönen, großen Zukunft auf Heiligem Böden entgegenhoffen. Diese Hoffnung lebt immer noch in uns und wir beten täglich, daß der Allmächtige uns ewigen Frieden und Brüderlichkeit geben möge. Möge dieses unser Gebet noch zu unseren Lebzeiten erhört werden. . Ein Brief: \ ' Hans Fla düng, ein Düsseldorfer, der vor einigen Tagen aus der Emigration, aus London zurückgekehrt ist, schreibt uns: An die . Synagogen-Gemeinde Düsseldorf Foto: Berben « Ansprache von Capt. Hooker Feldrabbiner der bfit. Armee Nehmen Sie meine Versicherung an, /daß ich Ihre Einladung zu der Enthüllung der Gedenktafel für die Opfer Ihrer Gemeinde zu schätzen weiß und Ihre Großmütigkeit, die damit zum Ausdruck gebracht würde, muß man anerkennen, j Ins JSxil getrieben, fern von meiner Heimat, hat mich nichts I mehr erschüttert, als die Nachrichten über das' Schicksal 'ihrer Glaubensbrüder. Möge die Gedenktafel* für meine Landsleute eine edle ernste Mahnung sein, ihr Gewissen zu prüfen, damit sie herausfinden an der Geisteshaltung, 0ie die Teilnahme des ' grausamen Geschehens der Art, Lehrjahre oder deren Duldung möglich - machte. Der* Rest meines Lebens •wird dieser^Aufgabe gewidmet sein. Verzeihen Sie,. daß ich* die mir freundlichst überreichte Karte zurücksende,'da ich nicht sicher bin, ob ich am Samstag von einer Reise zurück sein kann. Es grüßt Sie Hochachtungsvoll . Ihr Hans Fladung. Morgen wird in vielen Teilen der Wejt noch ein anderer Tag des Gedenkens, gefeiert, der Tag des Waffenstillstandes nach dem ersten Weltkrieg. Es erscheint mir daher mehr als ein Zufall zu sein, daß wir heute auch einen Tag des Gedenkens feiern, das ist daher .bedeutsam. . . Nach dem ersten Weltkrieg wurden viele, vidlfe Gedenksteine, Denkmäler zur Erinnerung an die Gefallenen und um als Erinnerung für die Völker zu gelten, errichtet Sie sollten warnen vor den Schrecknissen der Kriege. Leider war das alles vergebens. Die Steine und Denkmäler waren nur das Material, aus dem sie gemacht war, wert Wir, die wir hier anwesend sind,' müssen sehr vorsichtig sein, damit wir nicht wieder denselben Fehler machen. Diese Gedenktafel hat an sich gar keinen Wert. Diese Gedenktafel kann die vielen Millionen jüdischer Toter nie wieder zum Leben zurückbringen. Diese Gedenktafel kann keine Heilung und keinen Trost den Ueberresten des Judentums bringen. Der Wert dieser Tafel lieg# in dem Geist; in dem sie gestiftet wurde und in der praktischen Auswertung und Bezeugung der Cooperation, der Hilfe und Wiedergutmachung, -die folgen muß. Die Art, in der ein Land seine Juden behandelt, irt ausschlaggebend für das moralische Gewissen dieses Landes. Mit Recht hat Einstein die Juden als'das Barometer der Welt-Moral beschrieben. Als Nazi-Deutschland mit seiner Juden-Verfolgung begann, . war dies eine Mahnung für die übrige Welt, was für Hin furchtbares Gift in ihrer- Mitte war. Daher überrascht es kaum, wenn man feststellt, daß beim'Ausbruch des letzten Krieges, dieselben jungen jüdischen. Männer und Frauen, die inS Exil zu gehen gezwungen waren, ihre Dienste freud?g/den Alliierten zur Verfügung stellten, tun so mitzuhelfen, dieses fürchterliche Regime zu stürzen. So kam es zü der Bildung einer rein jüdischen Brigade, von Freiwilligen, die tapfer und heroisch in vielen Teilen der Welt gekämpft haben. Diese Männer kämpften, und sehr viele sind gefallen, genau so wie viele der Mitglieder dieser jüdischen Gemeinde, deren wir heute gedenken, als Opfer des Rassenwahns und widerlichster Vorurteile starben. Wir danken Herrn Fladung für diese Worte, wir nehmen aber auch die Gelegenheit wahr, ihm zu danken für sein Wirken in London. Als Vorsitzender des freien deutschen Kulturbundes in London widmete er seine besondere Aufmerksamkeit der Förderung , jüdischer Kultur. —, Durch Ausstellungen machte br Leistungen emigrierter Juden der Oeffentlichkeit zugänglich, in Büchern ließ er unsere Schriftsteller zu Wort kommen — und auf der; „Kleinen Bühne” des Kulturbundes traten fast nur jüdische Künstler auf. — Herr Fladung gehört zu den -Menschen, die alle Grausam-f keiten der Nazis erlebt haben. . x. ( Foto: Stadielscheid Die Armee-Rabbiner mit ihren j üdischen Soldaten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.