Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- Sondernummer (15.11.1946)
- Date
- 1946-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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PHP' TSg'-.- ' l ji Hill Foto: Stachelsdieid Minister Renner der Landesregierung Nordrhein- * Westfalen , „Was jedoch, die Regierung Nordrhein-Westfalen von sich aus unternehmen kann, um die verfolgten jüdischen Mitbürger ihre Notzeit vergessen zu lassen, das wird und muß geschehen!” , ' Namens der Regierung Nordrhein-Westfalen und im Aufträge des Herrn Ministerpräsidenten Dr. Amelunxen, der es lebhaft bedauert, daß er aus dienstlichen Gründen an dieser... Gedenkstunde nicht teilnehmen kann, begrüße ich die*An- . wesenden, vor allem die Mitglieder und Vertreter der jüdi-; sehen Gemeinden des Landes Nordrhein-Westfalen, insbesondere der Stadt Düsseldorf. j 9. November 1938! Nacht des Schreckens für das deutsche Judentum. Der durch : auszumerzen, die zum Faschismus geführt haben: Wahre Menschlichkeit, wahre Toleranz, Achtung vor der Würde des Mitmenschen, Achtung vor allem, was Menschenantlitz trägt, vorbehaltlose Anerkennung der Gleichberechtigung nationaler und rassischer Minderheiten müssen geistiges Gemeingut des deutschen Volkes werden. So nur rotten wir die Wurzel des Antisemitismus im deutschen Volke aus. Die heute hier enthüllte Gedenktafel soll uns Ueberlebende nicht nur'an das namenlose Leid erinnern, das der Nationalsozialismus über Deutschland und die Welt gebracht hat, sie soll darüber hinaus allen Deutschen Mahnmal sein, daß ein Staatsgefüge nur dann Bestand hat, wenn es auf den Grundpfeilern wahren Menschentums, wahrer Toleranz beruht! , Mr. Osborne überbringt Grüße * der Jewish' Relief Unit den Nationalsozialismus unter Ausnutzung der niedrigsten Instinkte unseres Volkes bewußt und systematisch hochgezogene Rassenhaß bricht in fürchterlichster Form durch. Vertierte, unter Alkohol gesetzte SS- und SA-Banditen, in Düsseldorf, auch die Sonderformation der Justiz, darunter Richter und Staatsanwälte, fallen über ihre jüdischen Mitbürger her, über arme und begüterte Juden, Männer, Frauen und Kinder. Die Wohnungseinrichtungen werden zerstört und auf die Straße gestürzt. Wertvolle Kunst- und Schmuckgegenstände werden vor den Augen der Besitzer gestohlen. Die Geschäfte und Warenlager werden ausgeplündert, Altehrwürdige Synagogen- und Bethäüser gehen in Flammen auf. Das war auch das Schicksal des jüdischen Gotteshauses, das einst sich an dieser Stelle erhob, und das zu den schönsten und künstlerisch wertvollsten Synagogen in Deutschland gehörte. Von diesem Tage an wurde Deutschland zu einer Hölle für seine jüdischen Staatsbürger. Diesem 9. November der Schande für unser ganzes Volk folgte dann die planmäßige Ausrottung der Juden, die ihren schauerlichen Höhepunkt in den Gaskammern und Vernichtungslagern von Auschwitz und Maidanek gefunden hat. ..In tiefer ehrfurchtsvoller Trauer neigen wir uns heute Im Andenken an die vielen Millionen jüdischer Menschen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind. Die Wenigen, die wie durch ein Wunder der Hölle der Konzentrationslager entronnen sihd, haben ein 'Recht darauf, daß das gesamte deutsche Volk heute an ihnen wieder gutmacht, was der verbrecherische Nationalsozialismus ihnen angetan hat. Ich spreche es offen au?, daß das, was ihnen bisher an materieller Wiedergutmachung gewährt, wurde, vollkommen ungenügend ist. Was. jedoch die Regierung des Lanaes Nordrhein-Westfalen von sich au3 unternehmen kann, um die verfolgten jüdischen Mitbürger ihre Notzeit vergessen zu lassen, und ihnen den Glauben an eine lebenswerte Zukunft wiederzugeben, das wir d und m u ß geschehen. Ich bin mir bewußt, daß das, was sie an s*eelischem Leid erlebt haben, niemals wieder gutzumachen ist. Aber eins muß aus dem Meer von Blut und Tränen, die der Nationalsozialismus über ganz Europa gebracht nat, erwachsen: Eine Lehre muß das gesamte deutsche Volk aus den ungeheueren Verbrechen des Nazi-Regimes ziehen: Wir müssen Schluß machen mit allen Resten des Nationalsozialismus, mit der nationalsozialistischen Ideologie und Mentalität. Es gilt die Ursachen , Foto: Berben Unsere erweiterten Aufgaben und Ziele Diese Sonderausgabe des „Jüdischen Gemeindeblattes” erscheint zum erstenmal mit dem Untertitel „Für die britische Zone Deutschlands”. Damit hat sieh unser Aufgabengebiet vergrößert und damit wird unser Verantwortungsbewußtsein, unseren Brüdern und Schwestern der britischen Zone eine wirklich jüdische Zeitung zu geben, besonders wach-, gerufen. Wir sind überzeugt davon, daß alle Gemeinden der britischen Zone sich über diese Bewilligung der Militärregierung mit. uns freuen. v Wir haben es zu unserer Aufgabe gemacht, unserer Zeitung den Charakter einer wirklich jüdischen Zeitung zu geben. Und wir brauchen Mitarbeiter, Mitarbeiter aus. allen Städten und Gemeinden, jüdische Menschen, die Juden sind, Menschen, die als bewußte Juden aus den? Kampf der verflossenen Jahre hervorgegangen sind und die sich bereit erklären, an einer Stärkung des Judentums mitzüarbeiten. Wir wollen jüdisch sein, wir wollen alle Juden zu Worte kommen lassen, 'ganz gleich welcher jüdisch politischen Richtung sie angehören. — Wir wollen der Orthodoxie genau so die Möglichkeit geben, zu sagen was zu sagen ist, '. wie wir auch den liberalen Juden zur Verfügung stehen wollen. Besondere Aufmerksamkeit wollen wir den kulturellen Dingen widmen, der Literatur, der jüdischen Literatur und der 1933 Verbrannten. Wir brauchen dazu die Hilfe aller - unserer Leser. Wir brauchen Bücher, denen \yir Abdrucke entnehmen können, und wir bitten, soweit eine gänzliche Ueberlassung nicht möglich ist, um leihweise Ueberlassung. Bücher, die unserer Zeitung gestiftet werden, werden "von unserer Redaktion zur Einrichtung einer Bücherei verwendet, die, wenn sie groß genug ist, den Gemeinden der britischen Zone zur-Verfügung gestellt werden soll. Wir haben eine schwere Arbeit vor uns, und wir wollen — soweit das einer Zeitung möglich ist, allen Lesern gereent werden. — Wir werden damit beginnen, Fragen zu beantworten, und wir werden bemüht sein, diese Fragen fachkundig beantworten zu lassen. Wir wollen zum Diener unserer Leser werden, und wir wollen alle unsere Leser als Mitarbeiter betrachten. An unserem guten Willen soll es nicht fehlen, und wir hoffen, daß auch unsere Leser uns diesen guten Willen entgegenbringen. ‘ / . ... , x.