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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-11-15 · Sondernummer (15.11.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
Sondernummer (15.11.1946)
Date
1946-11-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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4 Ansprache des Herrn Julius Dreifuß 1. Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde Düsseldorf „Wir wollen nicht von Haß reden, man kann aber auch nicht erwarten, daß wir vergessen Meine Damen und Herren, wir haben uns zu einer Gedenkstunde, zu einer Stunde der Trauer, zu einer Stunde der Erinnerung» und zu einer Stunde der Mahnung versammelt. Stunde der Trauer und Erinnerung: . An dieser Stelle stand unser herrliches Gotteshaus, ein Wahrzeichen geistigen und'religiösen jüdischen Lebens. Der Gedanke, daß es Menschen gegeben hat, die sich zu solch einer frevelhaften Tat, ein Gotteshaus zu vernichten, hinreißen ließen, erweckt in der Welt Zweifel, ob es je wieder möglich sein wird, die Schande, die mit dieser Tat über das deutsche Volk gebracht wurde, auszulöschen. Von einer stolzen Gemeinde von 3500 Mitgliedern kehrten nur 55 Ueberlebende aus den Konzentrationslagern zurück, lieber 3000 Menschen wurden Opfer einer zu verachtenden Brutalität und eines nicht zu beschreibenden Sadismus und /Egoismus. Wir gedenken in Trauer der Toten, und wir begrüßen die hier anwesenden TJeberlebehden, denen es gelungen ist, den Klauen der Gestapo Und SS zu entkommen, Ueberlebende, die schon dem Tod geweiht waren, als die alliierten Armeen zum letzten Schlage gegen den Nationalsozialismus ausholten. Die Stadt Düsseldorf hat die Inschrift der Mahnung abgeschlossen mit den Worten: Meine Damen und Herren! Als Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde Düsseldorf habe ich die ehrenvolle'Aufgabe, Ihnen, Herr Oberbürgermeister Arnold, und mit Ihnen der Stadtgemeinde Düsseldorf für die Stiftung der Gedenktafel herzlichst zu danken. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, wie sehr wir, die , überlebenden Düsseldorfer Juden, die Geste anerkennen, die mit dieser Stiftung verbunden ist. ' „Den Toten zum ehrenden Gedenken — den Lebenden zur Mahnung.” Diese Tafel soll Ewigkeitswert haben. Diese Tafel soll, solange es Menschen gibt, sie daran erinnern, daß große Teile des deutschen Volkes sich am 9. November 1938 an einer Tat beteiligt haben, die eine Kulturschande und durch nichts wieder gutzumachen ist. Die Bürger Düsseldorfs Es ist mir eine besondere Freude, die zahlreichen Ehrengäste, die dieser Feierstunde beiwohnen, aufs herzlichste zu begrüßen. Zunächst *gilt~mein Gruß den Vertretern der englischen Militärregierung. „ Ich begrüße mit Ihnen alle Verbindungsoffiziere der alliierten Armeen und bitte Sie, heute nochmals den Dank dafür entgegenzunehmen, daß es diesen Armeen gelungen ist, ufts von einem Schreckensregiment, dem unsere Brüder und Schwestern zu Millionen zum Opfer gefallen sind, zu befreien und dessen ideologische Phraseologie der Schrecken der ganzen Welt geworden war. Ich bitte Sie, mir zu glauben, meine Herren Vertreter der großen Demokratien, deren Grundsätze in unseren jüdischen Gesetzen >seit Jahrhunderten und Jahrtausenden fest verankert sind, und die ein Vorbild'* sein sollen für den Wiederaufbau und* die Gestaltung künftigen deutschen Lebens,, daß uns Ihre Teilnahme an dieser Gedenkstunde ganz besonders, ehrt. ' Ich begrüße die Herren Minister der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, „Mit Bedauern haben wir davon Kenntnis genommen, daß es dem Herrn Ministerpräsidenten Dr. Amelunxen nicht möglich war, unserer Einladung-Folge zu leisten. Wir bedauern dieses besonders deshalb, weil wir in ihm einen Menschen kennen gelernt haben, dem das Banner der Demokratie heilig ist und der in seiner charakterlichen Festigkeit dem Nationalsozialismus Während der ganzen Dauer seines Bestandes Widerstand* geleistet hat.. - Ich begrüße die Herren der Stadtverwaltung, und mein Gruß gilt den Vertretern der katholischen und protestantischen Kirche, den Repräsentanten der politischen Parteien, den ^Gewerkschaften, dem Chef der Polizei, sowie den Vertretern der. Organisationen de» politisch und rassisch Verfolgten.- Mit 'diesem Grüß verbinde ich den Wunsch, , daß die Arbeit dieser neugeschaffenen Institutionen, welche die Grundpfeiler einer wahren, echten und freiheitlichen Demokratie bilden, von Erfolg gekrönt sein möge. Ich grüße unsere amerikanischen und englischen Freunde vom American Joint Distribution Committee und der Jewish Relief Unit und erkenne dankb.ar die Hilfe an, die uns diese Organisationen gegeben haben. Ich begrüße die Vertreter des Rates der jüdischen Gemeinden in der britischen Zone und; des Central-Commijttees., Ich grüße die englischen Fel'drabbiner mit ihren jüdischen Soldaten. Ich entbiete meinen Gruß den Vertretern der übrigen Landesverbände und unserer Nachbargemeinderi. Und ich grüße last not least meine lieben Freunde ■ und Mitglieder der Synagogen-Gemeinde Düsseldorf aufs herzlichste.; Foto: (2) Stachel scheid Frau Dreifuß ' j bei der Niederlegung» der ersten Blümen und alle Menschen überhaupt, die je an dieser Tafel vorübergehen, sollen daran erihneilf werden, daß es eines Volkes unwürdig ist, Menschen zu versklaven oder gar zu töten . nur deshalb, weil sie eine andere Weltanschauung oder eine andere Religion haben wie sie selbst. Die Mahnung soll Rauten: Menschen beginnt endlich zwischen gut und bös zu unterscheiden, fördert das Gute und meidet das Böse. Das ist ein Gottesgebot, und so will es ' auch der gesunde Menschenverstand. Wir wollen nicht von Haß reden, man kann aber auch nicht erwarten, daßwir vergessen und an Vergebüng für die- Schuldigen denken: Wir wollen allen denen die Hand reichen, denen nachgewieseh ist, daß sie den 9- November 1938 verabscheut und von diesem Tage an aus der Erkenntnis die Konsequenzen gezogen haben, die von diesem Tage an ein Regime abgelehnt haben, daß die primitivsten Menschen- * rechte verachtet Und . gegen sie in der grausamsten und unwürdigsten Weise verstoßen hat. ~ . Ich gebe der Hoffnupg Ausdruck, daß der Geist der Demokratie, den Geist der Wiedergutmachung und das Ethos des Ewig-Menschlichen alle Bürger Düsseldorfs und alle Menschen überhaupt beseelen möge,, 'dann und nur dann wird unser Leben in unserer Vaterstadt und in der ganzen Welt wieder lobenswert sein.

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