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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-10-25 · 14 (25.10.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
14 (25.10.1946)
Date
1946-10-25
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Fast alle deutschen und österreichischen Künstler, die sich in den letzten zehn Jahren nicht einwandfrei benommen haben, beweisen einen geradezu erschreckenden Mangel an Haltung. Die meisten, die begriffen haben, daß sie aus ihren Stellungen müssen, daß ihre Gagen nicht weitergehen, benehmen sich, als ob es niemals Krieg, niemals Konzentrationslager, niemals Vergasungen von Millionen gegeben hätte. Nichts Schlimmes ist in all diesen Jahren geschehen, nur jetzt geschieht etwas Schlimmes, und zwar ihnen. Manche deutschen Künstler versuchten sogar, auf ihre Weise den Kampf gegen Hitler zu führen. Sie schrieben, spielten, musizierten oder inszenierten nicht gerade soK wie Goebbels es wünschte. Freilich war ein so geführter Protest niemals offen, konnte es nicht sein, denn einen offenen Protest hätten die Nazis im Keime erstickt. Nicht einmal einem so intelligenten Menschen wie Furtwängler ist dieser entscheidende Unterschied zwischen dem Sinn eines offenen Protestes, von dem Millionen erfahren und dem geheimen Protest, der nur wenigen bekannt wird, ganz klarzumachen. Viele Künstler leiten ihr Recht, darzustellen und zu wirken von der Behauptung ab, daß sie besser wären als die> Nazis, die im Falle ihrer Absetzung ihre Stellungen eingenommen hätten. Sie haben, um mich eines ihrer ständig wiederkehrenden Worte zu bedienen, - „die letzten Positionen der deutschen Kunst verteidigt”. Dies ist ein Argument, das zum Beispiel für den antifaschistischen Verleger Peter Suhrkamp geltend gemacht werden kann, der übrigens schließlich doch noch ins Konzentrationslager geschickt wurde. Hier erhebt sich jedoch die Frage: Cui bono? War es vom Standpunkt der Antifaschisten richtig, in Deutschland einen' guten Verlag zu machen oder eine gute Theatervorstellung'! Hat man dadurch wirklich die Positionen der Kultur verteidigt und nicht vielmehr die der Antikultur gestärkt? Wäre es nicht1 vielleicht besser gewesen, das Feld den unfähigen Nazis zu räumen, die dann langweilige Theatei und schlechte Verlage gemacht hätten, um die ungeheure Kulturleere des Nazismus dem deutschen Volk und dei Welt vor Augen zu führen? Nur in den seltensten Fällen kann die Verteidigung der Kulturpositiönen einen Sinn gehabt haben, nämlich den, eine kleine Gruppe von Antifaschisten zu ermutigen oder eine winzige Auslese der‘Jugend im kulturellen Sinne zu retten. In den meisten Fällen, so' scheint es, handelte es sich nieht um Verteidigung von Kulturpositionen, sondern um Verteidigung der eigenen Stellung und Bezüge* Und wenn man sich die Reihe derer ansieht, die abseits standen, so muß inan feststellen, daß es die meisten nicht aus freier Wahl taten. Gerhart Hauptmann? Die Nazis mochten' ihn nicht. Richard Strauß tat alles Erdenkliche, um mit den Nazis auf gutem Fuß zu stehen: sie konnten ihn nicht leiden. Das gleiche gilt für viele andere, die, um, ein problematisches Wort des noch problematischeren Frank Thieß zu gebrauchen*. „in die innere Emigration gingen” und von denen jetzt viele nicht verstehen,' warum die wenigen, die in die wirkliche Emigration gingen, heute keine Lust verspüren, nach Deutschland zurückzukehren. Warum eigentlich der Eifer, mit dem ^man Thomas Mann und, die anderen Ausgewanderten jetzt zurückruft und sie beschimpft, wenn sie nicht schnell genug reagieren? Kommt es vielleicht daher, daß die Vertreter des geistigen Deutschlands yfühlen oder wissen, daß sie 'Selbst nicht ausreichen, um ein neues geistiges Deutschland aufzubauen? Eshat sich ja gezeigt, wohin die deutsche Kunst gekommen ist mit den Künstlern, die keinen Charakter hatten. Ist es ein Zufall, daß die deutschen Schriftsteller, die den Charakter bewiesen, sich zu distanzieren und die Härte der Emigration auf sich zu nehmen, die einzigen sind, die heute so etwas wie deutsche Kultur repräsentieren? Jewish Relief Unit sucht perfekte(n) jüdische(n) Stenopyst(in) für deutsche Korrespondenz. Kenntnis der englischen Sprache erwünscht, aber nicht Bedingung. Dienstort: Eilshausen bei Herford. Angebote an 81 HQ., Jewish Relief Unit Eilshausen bei Herford. Jüdisches Ehepaar im Alter von 40 Jahren,, in guten finanziellen Verhältnissen, in Buffalo (USA.) wohnhaft, wünscht ein jüdisches Kind (Junge oder Mädchen) im Alter von etwa 10 Jahren zu adoptieren. Nachricht erbeten an das Gemeindeblatt. Stefan Zweig-Gedenkfeier Zu einer Gedenkfeierstunde für den aus Salzburg vertriebenen, 1942 in Brasilien freiwillig in den Tod gegangenen Stefan Zweig, hatte die Gemeinschaft Freigläubiger Juden geladen. Hugo Hertz, der die einleitenden Worte sprach, gab der Verpflichtung Ausdruck, dem Dichter ein Denkmal im Geiste zu setzen und treuer Hüter seines Erbes zu sein. Aus dem Gedichtband „Die frühen Kränze” las Curt Erich anschließend einige der sprachlich und empfindungsmäßig bis ins letzte durchgefeilten Gedichte Zweigs, sowie aus dem biologischen Roman „Romain Rolland — Der Mann und das Werk”, der uns neben dem verinnerlichten Lyriker Stefan Zweig den weitsichtigen Vertreter deseuropäischen Einheitsgedankens zeigte. Die jüdische Gemeinde Köln Fortsetzung des Artikels in Nr. 11, Seite 71- Um die Neugründung und den Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde hat sich nach der Befreiung durch die Amerikaner ln erster Linie Herr Hermaiin B r a m s o n, der derzeitige Geschäftsführer der Jüdischen Gemeindeverwaltung, eingesetzt. Er war es,. der sich für die Einberufung einer Versammlung der Hand voll Juden, die sich in Köln uno Umgebung versteckt gehalten hatten, bemühte, das ehemalige Jüdische Krankenhaus für die jüdische Gemeinschaft sicherstellte und die Wahl eines ordnungsmäßigen Vorstandes veranlaßte. Herr Bramson war es auch, der die dem Naziterror in Theresienstadt entgangenen Kölner Juden unter den unsagbarsten Schwierigkeiten nach Köln zurückholte und für deren Unterkunft in unserem Heim Köln-Sülz, Blankenheimerstraße 55 sowie in städtischen Krankenhäusern Sorge getragen hat. Das jüdisch#' Leben in Köln pulsiert wieder nach jeder Richtung. Unter der Leitung des Kultus-Dezernenten, Herrn Siegmund Bachenheimer, hat sich die Chewra-Ahawas Raim wieder gebildet, und auch die jüdischen Frauen haben sicn unter Leitung der Damen Dünnwald, Rein und Drucker zusammengefunden, um in caritativen Fällen mit eingreifen zu können, Es wird eifrig daran gearbeitet, den jüdischen Friedhof in Köln-Ehrenfeld wieder instandzüsetzen. Die von den Nazis zerstörten Grabdenkmäler wurden zum größten Teil wieder in Ordnung gebracht. Auch der Platz um das" vom RJF errichtete Ehrenmal für die jüdischen Gefallenen des Weltkrieges 1914—1918 wird wieder in einen würdigen Zustand Versetzt. — Leider können tägliche Gottesdienst» in dem sehr wirkungsvoll hergerichteten Betsaal in der Ottostraße noch nicht durchgeführt werdejn, weil morgens und abends keifi Minjam zusammengebracht werden kann. Zu berücksichtigen ist, daß der Betsaal außerhalb der Stadt liegt und dorthin nur wenige Straßenbahnen verkehren. Es ist aber von Seiten der Gemeinde in Aussicht genommen, ein ständiges Minj an durch bezahlte Herren einzurichten, um jedem jüdischen Menschen Gelegenheit zu geben, seine Jahrzeit, Kaddischgebete etc. täglich in der Synagoge verrichten zu können. An den Freitag-Abenden und am Sabbat-Morgen ist die Teilnahme an den Gottesdiensten sehr rege. Am ersten Sabbat eines jeden Monats findet ein Gottesdienst in unserem Alters- und Flüchtlingsheim, Köln- Sülz, Blankenheimerstraße 55 statt, um auch diesen Menschen, die den weiten Weg nach Ehrenfeld nicht zurücklegen können, wenigstens einmal im Monat Gelegenheit zur Teilnahme an einen/ Gottesdienst zu verschaffen. Wöchentlich zweimal ^finden für die jüdischen Kinder und diejenigen, die zum Judentum übertreten wollen, hebräische Unterrichtsstunden statt, deten Durchführung Herr Leopold Faber übernommen hat. Auch die jüdische Jugend Kölns hat sich in traditioneller Weise in Form eines Sport- und Jugendbundes zusammen-, geschlossen. Der Bund trägt, an seinen großen Vorgänger erinnernd, den Namen „Maccabi”. Bei der geringen Anzahl junger jüdischer Menschen, die übrig geblieben sind, . ist es zu verstehen, daß nicht sämtliche Sportarten betrieben werden können. Aber, auf dem Gebiete des Fußballes hatte dei Maccabi in letzter Zeit sehr beachtenswerte Erfolge geg^i einige gute Mannschaften zu erzielen und zeigt damit, daß er auf dem Wege ist, seinem großen Vorgänger alle Ehre zu machen. Der alte Kölner Maccabi war ja , weit über Deutschland bekannt durch seine Boxstaffel. Leider fehlt es an Menschenmaterial, um eine solche Boxstaffel wieder ins Leben zu rufen. Jedenfalls gibt sich der derzeitig« Leiter Siegbert B e.h r e n d alle Mühe, eine' guten Erfolg vei-

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