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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-10-25 · 14 (25.10.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
14 (25.10.1946)
Date
1946-10-25
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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sprechende Entwicklung des Maccabi in die Wege zu leiten und sicherzustellen. Die „Schutzherren” des Maccabi, * die Herren Leo Sachs und Moritz Goldschmidt sind' mit allen Kräften bemüht, den Maccabi nach jeder Richtung hin in das zionistische Fahrwasser zu leiten. War auch anfänglich das Interesse der Jugend für * die zionistischen Belange nicht sehr' groß, so zeigen sich aber heute bereits gute Ansätze und die Bestrebungen des Zionismus finden immer mehr Anklang. Man wird demnächst auch einen Maccabi- Hazahir ins Leben rufen und dann versuchen, durch laufende Vorträge leitender zionistischer Persönlichkeiten das Interesse für den Zionismus in der ganzen Kölner Jüdischen Gemeinde etwas mehr zu heben. Die letzten Versammlungen waren sehr gut besucht; besonders der Lichtbildervortrag des Herrn Professor Weingreen war ein großer Erfolg auf diesem Gebiet. Solche Vorträge müßten naturgemäß des öfteren stattfinden. Sie sind geeignet, die notwendige Aufklärung und das erforderliche Verständnis für die Aufbauarbeiten in Erez Israel zu vermitteln. Chawer Rozyna aus Düsseldorf führt wöchentlich einen Iwrit-Unterricht für die daran Interessierten durch. In seiner Abwesenheit gibt diese Stunden Frau Paula Drucker, welche neben den Damen Friedei Rein und Grete W i 1 z i g im Vorstand des ZV Köln den Herren. Moritz Goldschmidt und Leo Sachs zur Seite steht.vEs sind wirkliche Idealisten, die sich hier mit allen Kräften pro zionistisch einsetzen. Der Erfolg dieser Arbeit macht sich schon sehr bemerkbar. Auf der Auswanderungsliste nach Erez sind bis heute ca. 45 Menschen vermerkt. Diese Zahl besagt aber nichts, weil eben sehr wenige das Vertrauen haben, in absehbarer Zeit nach Erez auf legalem Wege zu kommen. In dem Augenblick, wo sich die Tore Palästinas für die Auswanderung öffnen, würde das Bild ein ganz anderes werden. Zur Auswanderungsfrage sei noch bemerkt, daß selbstverständlich wie überall ein großer Teil der Kölner Juden nicht in Deutschland verbleiben will und jeder bemüht ist, durch seine Beziehungen zu Verwandten uha Freunden ein Affidavit nach USA und Südamerika zu erhalten. Gerade die Aufbaumöglichkeit von Existenzen ist in Köln mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Besonders bei den dafür in Frage kommenden deutschest Stellen vermißt man das notwendige Verständnis, daß wir ein Anrecht darauf haben, bevorzugt behandelt und berücksichtigt zu werden. Wer noch im arbeitsfähigen Alter steht und genügend Initiative aufbringen kann, versucht durch Selbsthilfe festen Fuß zu fassen. Aber die ganze Zukunft in dieser Hinsicht hängt von der endgültigen Regelung unserer Wiedergutmachungsansprüche ab, die wohl hoffentlich bald eine Klärung zu unseren Gunsten bringt. Mit Rücksicht darauf, daß der Vorstand den Wiederaufbau des jüdischen Krankenhauses in Angriff genommen hat, umnicht viele noch vorhandene Werte dem Verfall preiszugeben, sowie dadurch, daß sich unter den Kölner Juden eine große Anzahl Wohlfahrtsempfänger befindet, ist die finanzelle Lage der Gemeinde sehr angespannt. Auch die einschneidendsten Sparmaßnahmen können in dieser Hinsicht keine Besserung bringen, weil man nunmehr bestrebt sein muß, die einmal angelegten Summen produktiv zu verwerten. Man will daher jetzt beschleunigt außer dem vorgesehenen Krankenhaus auch noch Verwaltungs-, Versammlungs- und Wohnräume schaffen. Alles Dinge, deren die Gemeinde dringend bedarf. * Unter der Leitung des Herrn Leo S a e h s arbeitet die Betreuungsstelle zur vollsten Zufriedenheit aller. Lager, Kartei und sonstige Einrichtungen sind mustergültig angelegt, so daß, ohne daß es. zu Störungen kommt, schon an einem Tage 600 Menschen abgefertigt werden konnten. Als der Flüchtlingsström aus dem Osten einsetzte, war die Betreuungsstelle sofort einsatzbereit und alle Delegierten der einzelnen Läger waren des Lobes voll über die Art und Weise», wie schnell und wirkungsvoll die Kölner Gemeinde sich dei Flüchtlinge angenommen hatte und Hilfe und' Betreuung durchführte. Große Aufgaben stehen der jüdischen Gemeinde Köln noch bevor, will sie allen, die noch der Hilfe bedürfen, ihr Los erleichtern und den vielen, die Anspruch darauf haben, zu ihrem Recht verhelfen. Wenn auch die augenblickliche Lage nicht sehr verheißungsvoll ist, liegt jedoch kein Grund zum Verzweifeln vor. Der Vorstand der Gemeinde Köln ist in* jeder Hinsicht, bemüht, die Interessen der Gemeinde gegenüber Behörden, Militärregierung und sonstigen Institutionen voll und ganz zu vertreten. Köln. Ein hochherziger Spender. Der bekannte Boxkampfveranstalter, unser Gemeindemitglied Herr Louis Gold Schmidt, veranstaltete am Sonntag, dem 29. .9. 1946 in Köln einen Boxkampftag, dessen Reinergebnis er in Höhe von RM. 2800.— der Synagogengemeinde Köln zugunsten der aus dem Osten geflüchteten Glaubensgenossen überwiesen hat. Anläßlich einer vorangegangenen Veranstaltung hatte Herr Goldschmidt bereits RM. 3000.— und zwar je zur Hälfte für politische Opfer und Wohlfahrtszwecke an die Jüdische Gemeinde abgeführt. Dem hochherzigen Spender den allerherzlichsten Dank. . Die jüdischen Sportfreunde wird es interessieren, daß zum Vorsitzenden des Verbandes deutscher Faustkämpfer für die Nordrheinprovinz unser Gemeindemitglied und Repräsentant, Herr Alfred Markus, ernannt wurde, den man 1933 nach der Machtübernahme in dieser Eigenschaft abgesetzt hatte. Berlin. Erster jüdischer Kindergottesdienst. 350 bis 400 Kinder der jüdischen Gemeinde Berlin werden an dem ersten jüdischen Kindergottesdienst seit Beendigung des Krieges am 17. Oktober teilnehmen. Anschließend werden Hilfsorganisationen der vier Besatzungsmäehte den Kindern Geschenke überreichen. Essen. Durch das Entgegenkommen der evangelischen Gemeinde konnten wir' die Gottesdienste an den vergangenen Feiertagen in einem uns zur Verfügung gestellten Notkirchsaal abhalten. Leider sind wir heute, nach 1 Jahren Befreiung noch nicht in der Lage, unseren eigenen Beetsaal gebrauchen zu können. Der jüdischen Gemeinde Essen wurde jedoch vom Stadtrat Essen ein Darlehen in Höhe von RM. 90 000 zur Einrichtung eines Betsaales gewährt, wofür die Gemeinde der Stadt ihren herzlichsten Dank ausspricht. ' Baden-Baden. Die kleine jüdische* Gemeinde Baden-Baden konnte in diesem Jahre die Rausch ha schana- und Jom Kippur-Feiertage wieder festlich begehen. Der Vorsteher der Gemeinde, Herr Ferdinand Odenheimer, setzte sich vor den Feiertagen mit dem französischen Aumonier Rabbi Zerbib, der die französischen Juden der französischen Besatzungsbehörden betreut; in Verbindung und erreichte, daß ein Gemeinschaftsgottesdienst der deutschen ünd französischen Glaubensgenossen stattfinden konnte. Rausch ha schana fand im Hause des Rabbi der überaus feierliche Gottesdienst statt. Nach vielen Jahren schwerster Verfolgungen kennten unsere Brüder und Schwestern wieder in würdiger Andacht beten und der Tora Vorlesung beiwohnen. Am Nachmittag des ersten Rausch ha schana-Tages versammelte Herr Odenheimer alle Gemeindemitglieder zu einem geselligen Beisammensein im Haus Rubens, dem ehemaligen jüdischen Frauen-Erholungsheim Badens, zu dem auch Herr Rabbi Zerbib und seine Angehörigen geladen waren. Der Jom Kippur-Gottesdienst fand im Kongreßsaal des Kurhauses statt und vereinigte zu einem erhebenden Gottesdienst etwa 60 französische und deutsche Juden. Anläßlich der Totenfeier hielt Herr Odenheimer, der zuerst die Namen der verstorbenen Badener und anderer Juden auf rief und dann der 6 Millionen jüdischer Naziopfer gedachte, eine sehr zu Herzen gehende Rede, die alle Teilnehmer tief bewegte. Herr Stargardter aus Hagen-Westf., z. Zt. Gast im K.-Z.- Erholungsheim Haus Rubens, Bacb?n-Baden, sprach dann anschließend das traditionelle Kaddisch-Gebet. Im Anschluß anden Gottesdienst fanden sich etwa 50 deutsche und französische Glaubensgenossen, einer Einladung des Rabbi Zerbib folgend, im Haus Rubens zu einem gemeinsamen „Anbeißen” ein. Die französischen Glaubensbrüder bereiteten den deutschem Juden einen herzlichen Empfang. Da für auserlesene Weine und sonstige , Getränke reichlich gesorgt war, entwickelte sich schnell eine gehobene Stimmung, die nach Ansprachen -4er Herren Odenheimer und Stargardter, in denen u. a.' der Dank an die französischen Brüder zum Ausdruck kam, zu einer herzlichen und brüderlichen Vereinigung führte. Die Baden-Badener Gemeinde wird ihren französischen' Brüdern, besonders aber Herrn Rabbi Zerbib für die Beweise ihrer Brüderlichkeit und Nächstenliebe stets zu danken wissen und den harmonisch verlaufenen Abend nicht vergessen. ' -

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