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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-10-25 · 14 (25.10.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
14 (25.10.1946)
Date
1946-10-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Ich habe es gesehen . ..! Zu dem in uriserer Nummer 13 erschienenen Artikel „Bestien in Menschengestalt” erhielten wir nachstehende , Zuschrift: . Den jammervollen Elendszug dieser etwa 1000 Mann zäh-i lenden KZ-Häftlinge habe auch ich gesehen, und das Herz ist mir beinahe stillgestanden vor so viel Zerbrochenheft und stumpfer Mutlosigkeit. Nicht die Februar-Schreckens-; nacht in Dresden, die ich im Zentrum der Stadt verbracht, - habe und in d^r auch ich all mein Hab und Gut verlor, ^nicht die endlosen Flüchtlingskolonnen auf den Landstraßen, die ich täglich an mir worüberziehen sah, haben bei mir einen derart furchtbaren und nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Ich war damals mit einigen anderen Leidensgenossen in Mohorn in einem an der Hofer Landstraße gelegenen Hause untergebracht. Stundenlang, tagelang, wochenlang flutete Elend aller Art an unseren Fenstern vorüber. Das Erschütterndste aber, das ich je gesehen, war dieser Zug weiblicher, abgemagerter KZ-Häftlinge mit durchweg intelligenten Gesichtem. Als unsagbar verelendete Jammergestalten wankten sie daher, teils barfuß bei Schneefall und verharschten Straßen, teils mit unter die Fußsohle gebundenem Holzstück, mit Lumpen und Stroh gefüllt, mit geschwollenen Gliedern. Menschen sollten das sein? Man meinte,' das Elend der ganzen Welt verkörpert auf sich zukpmmen zu sehen! Als eine der Frauen am Wegrand erschöpft zu Boden sank, wurde sie von einem der begleitenden SS-Teufel in . Menschengestalt zu Tode geprügelt und, nachdem man ihr die Holzschuhe ausgezogen hatte, im Straßengraben sterbend liegen gelassen. Andere Gefangene lehnten sich erschöpft an einen Baum. Mit Gewehrkolben und Knütteln wurden sie „aufgemuhtert”, und die verrohten Hitlerbanditen schlügen blindlings auf die Wehrlosen ein, um den ins Stocken geratenen Zug voranzutreiben. Dem laut gewordenen Unwillen der Bevölkerung begegneten die viehischen Hitlerschergen mit wüsten Drohungen und Beschimpf urigen. Eine Welle von Empörung und tiefster Mutlosigkeit legte sich auf uns Zurückbleibende, und diejenigen von uns, die nie an den Bestand des „Tausendjährigen Reiches” geglaubt hatten und die die Stunden bis zum Zusammenbruch zählten; fragten uns schaudernd: Auf welche-Weise werden wir die Vergeltung auf uns nehmen müssen? Dürfen wir auch’ nur den geringsten Klagelaut ausstoßen, wenn wir uns einmal in der gleichen Lage befinden wie diese zü Tode gehetzten unglücklichen Kreaturen? Muß die Rache* der ganzen Welt nicht über uns kommen? Else Lux. Wiedergutmachungsgesetz Berlin. Das vom Länderrat vorgeschlagene Gesetz zur Errichtung für Wiedergutmachungszwecke wurde von der amerikanischen Militärregierung genehmigt. Das Gesetz sieht vorläufige Zuwendungen zur wirtschaftlichen Rehabilitierung vom Nationalsozialismus verfolgter Personen vor. In dem Fonds, der nach diesem Gesetz errichtet wird, kommen Barzahlungen und der Erlös aus dem Verkauf von Eigentum ehemaliger Nazis zusammen, die diese Abgaben als Sühnemaßnahmen gemäß dem Gesetz zur Befreiung vom Nationalsozialismus und -Militarismus leisten müssen. Außerdem soll dem Fonds Geld aus anderen Fonds mit dem gleichen Zweck sowie aus allgemeinen Fonds der Landesregierungen zugeführt werden. Vorläufige Zahlungen, und andere Zuwendungen werden bedürftigen Personen, deren Gesundheit, Freiheit oder Eigentum unter den Nazis auf Grund ihrer Rasse, ihrer Religion oder ihrer weltanschaulichen oder politischen Ueberzeugung Schaden erlitten hat, gewährt werden. Sperre und Kontrolle von Vermögen Durch das Mitteilungs- und Verordnungsblatt des Ober-? Präsidenten der Nordrhein-Provinz wird uns die Abänderung des Artikels 1, Abs. 2 des Gesetzes Nr. 52 der Militärregierung bekanntgegeben. In der Abänderung heißt es, daß auch -solches Vermögen unter das Gesetz Nr. 52 der Militärregierung fällt, das - durch Zwang, rechtswidriger Maßnahmen der Beschlagnahme, Besitzentziehung oder Plünderung entweder in Deutschland oder in Gebieten außerhalb Deutschlands erworben wurde; gleichgültig, ob dies auf Grund von Gesetzgebung, vpn angeblich rechtmäßigen Verfahren oder auf andere Weise geschehen ist. Zuweisung von Möbeln ,Headquarters Military Government North Rhine Region. Ref. No. NR/PH/2442 B Es ist eine Anweisung herausgegeben worden, die besagt, daß Juden, denen Möbel zugewiesen worden sind, nicht durch eine Anordnung gezwungen werden können, diese zurückzugeben. gez. W. Asbury, Regional Commissioner North Rhine Region Lebensmittelrationen für jüdische Ostflüchtlinge PUBLIC HEALTH BRANCH, I. A. & C. DIVISION Zonal Executive Offices, Control Commission for Germany (BE) 62 HQ CQG Bunde, B.A.O.R. , 4th October, 1946. Betrifft: Lebensmittelrationen für Jewish infiltrees (Jüd. Flüchtlinge aus dem Osten). Unter Bezugnahme auf Ihr Schreiben vom 25. September 1946 wird mitgeteilt, daß Juden mit assimiliertem Status? (ohne definitive Staatsangehörigkeit?), wenn sie dies dem Kreissonderhilfsausschuß zufriedenstellend beweisen können, die Berechtigung für alle Vorteile 1t. Zone Policy 20/45 (Gesetz Nr. “6900?) haben. , Adoption Kinderloses Ehepaar mittleren Alters möchte Waise von etwa 4—7 Jahren das Elternhaus ersetzen. - Nachricht&n, erbeten an Landesverband, Düsseldorf, Königsallee 27. .; ~ * Wuppertaler Einzelhandelsgeschäftsmann mit Konfektionsbetrieb, 48 Jahre, alleinstehend, sucht Dame nicht unter 30 Jahren, möglichst aus der Textilbranche, zur selbständigen/ Leitung seines Geschäftes.. 'Herrn. Fleschenherg, Wuppertal-Ronsdorf, Echoer-Str. 21. Urteilsvollstreckung in Nürnberg Am Mittwoch, dem 16. Oktober 1946 um 2 Uhr morgens, wurden in der Turnhalle des Nürnberger Polizeigefängnisses die von dem Militärtribunal zum Tode verurteilten Naziführer durch den Strang hingerichtet. Entgegen der ursprünglich verbreiteten Nachricht, nach der als Erster Göring exekutiert sein soll, meldete der Rundfunk zwei Stunden später, daß sich Gpring kurz vor der Urteilsvollstreckung vergiftet habe. Mäh fand in seiner Zelle die Splitter eines Glasröhrchens, das zweifellos; das todbringende Gift enthielt. Auf welche Weise Göring in den Besitz dieses Giftes gelangte, wird Gegenstand einer Untersuchung sein. * , Mit der Hinrichtung ist der letzte Akt der Naziherrschaft beendet. Die Talmigrößen von einst, durch dessen Schuld soviel Blut geflossen, soviel Not und Elend nicht nur über Deutschland, sondern über die ganze Welt hereinbrach, haben am Strang geendet. Mag es eine Warnung sein für alle jene, die sich vermessen genug fühlen konnten, um ihrer eigenen'Macht und Ehrgeizes willen Millionen von Menschen in einen Abgrund zu stürzen, der so tief ist, daß es der .Kraft aller Völker bedarf, aus diesem Abgrund so weit herauszukommen, um wieder ein lebensfähiges Dasein zu führen. Sieger oder Besiegte, das wird auch für künftige Kriege niemals wieder ein Begriff sein, denn am Ende-eines jeden Krieges kann nur Not und Elend stehen, sowohl beim Sieger wie beim Besiegten. Und davor schütze uns die Vemunrt und die Einsicht aller friedliebenden Völker der Erde. T.

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