Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 13 (10.10.1946)
- Date
- 1946-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Endlich Klarheit. Die Militärregierung hat verfügt: Vom Amt 26 der Stadt Düsseldorf erhalten wir folgendes Schreiben: Mit Schreiben vom 26. 8. 1946 teilten Sie mit, daß der Herr. Reginal Commissioner Nordrhein-Region mit Schreiben vom 12. 8. 1946 angeordnet habe, daß Möbel oder Einrichtungsgegenstände von jüdischen Personen, die Eigentum dritter Personen sind, von Juden nicht herausgegeben zu werden brauchen. Da diese Verfügung bisher der Stadtverwaltung nicht bekannt ist, habe ich bei der Militärregierung, Regierungsbezirk Düsseldorf, Vermögenskontrolloffizier, nach deren Weisungen das Amt 26 die Verwaltung der Einrichtungsgegenstände durchführt, angefragt, ob die bisher bestehenden Anweisungen im Sinne dieser Verfügung des Herrn Reginal Commissioner vom.. 12. 8. 1946 geändert würden. Hierauf hat . mir die Militärregierung, Regierungsbezirk Düsseldorf, Vermögenskontrolloffizier mit Schreiben vom 9. ds. Mts. folgendes mitgeteilt: ■Uebersetzung: 1. Mit Wirkung vom heutigen Tage bleiben alle Möbel, die augenblicklich, im Besitz von Personen sind, die zu irgendeiner Zeit der Naziunterdrückung gelitten haben, in deren Besitz und werden nicht an die Eigentümer zurückgegeben, wenn diese unter die Bestimmungen des Gesetzes 52 oder di? Allgemeine Anordnung No. 1 fallen. 2. das geschieht gemäß einer von dem Regional Commissioner der Nord-Rhein-Region herausgegebenen Anordnung. gez. Dr. T ü f f e r s. Landtagseröffnung in Düsseldorf. Am Mittwoch, dem 2. Oktober wurde in Düsseldorf in Anwesenheit des englischen Oberbefehlshabers Sir Sholto Douglas und vieler' hoher englischer Offiziere der neue Landtag des Landes Nord-Rhein-Westfalen eröffnet. In seiner Regierungserklärung sagte der Ministerpräsident Di-. Amelunxen u. a. folgendes: Es ist Pflicht der Regierung, da-, für zu sorgen, daß den wenigen jüdischen Mitbürgern, diein unser Land zurückgekehrt sind, die sogenannte „Judenabgabe” wenigstens teilweise zürückzuerstatten und sie fürdie steuerliche Mehrbelastung, der die Juden in der Nazizeit unterworfen waren, zu entschädigen. Ferner halte die Regierung an den Forderungen fest und werde sich auch weiter dafür einsetzen, den rassisch- und politisch Verfolgten eine angemessene Rente zu bewilligen und ihnen vor allem zu einer gesunden ' Lebensgrundlage und einer wirtschaftlichen'Sicherstellung zu verhelfen. Neujahrstag 5707. Gottesdienste » Düsseldorf. Bereits am Vorabend war der Plenarsaal des Oberländesgerichts in Düsseldorf überfüllt, wo sich hunderte unserer Glaubensgenossen zum Gottesdienst einfanden. ‘ Der Vorsitzende des Landesverbandes, Staatskommissar Dr. Auerbach, kam eigens aus München, um die Zelebrierung der Gottesdienste vorzunehmen. Nach dem Gottesdienst richtete Dr. Auerbach eindringliche Worte der Ermahnung zur religiösen Zusammenfassung Aller an die Gemeinde und am nächsten Morgen fand ein feierlicher Gottesdienst in der bis zum letzten Platz besetzten Synagoge im Oberlandesgericht Statt. Der Tradition entsprechend wurde der feierliche .Gottesdienst abgehalten, und Dr. Auerbach führte in seiner Predigt den Vergleich der Opferung Isaaks zu den großen Opfern , der europäischen Judenheit auf dem Altar des Judentums in beredten Worten aus. Zu diesem Gottesdienst erschienen als Ehrengäste äer Field- Direktor der Jewish Relief Unit, Mr. H. S. Lunzer, und eine Anzahl englischer Soldaten. Koblenz. Am Nachmittag des ersten Tages wurde in Koblenz ix\ der Aula ein sehr gut besuchter Gottesdienst von Herrn Dr. Auerbach abgehalten, in.dem sich mehrere hundert Gläubige aus der ganzen französischen Nord- Zone' vereinten. Der Herr Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, Vertreter der politischen Parteien und der Presse waren anwesend, ebenso ein offizieller Vertreter der Landesregierung Hessen- Rheinpfialz. Alle waren tief beeindruckt von der Würde des Gottesdienstes, und anschließend fand ein geselliges Beisammensein der Gemeindemitglieder statt. Dortmund. Am zweiten Neujahrstag zelebrierte Dr. Auerbach im großen Saal des „Landsknechts” in Dortmund den Gottesdienst, zu dem mehrere hundert Glaubensgenossen aus Westfalen erschienen waren. Alle hatten sie das Bedürfnis, an diesem feierlichen Gottesdienst teilzunehmen, und es ‘ war ein erhebendes Gefühl, daß im alten traditionellen Sinne die Zeremonien vonstatten gingen.. Duisburg, Oberhausen und Mülheim. Am Nachmittag des zweiten Tages hatten die Gemeinden Duisburg, Obefhausen und Mülheim zu einem Gottesdienst im Rathaus-Saal in Oberhausen eingeladen, der bis zum letzten Platz gefüllt war. Auch dort zelebrierte Dr. Auerbach den Gottesdienst und hinterließ mit seiner Predigt einen tiefen Eindruck bei allen Beteiligten. » Überall in allen. Gottesdiensten mahnte der Ruf der Schover zur inneren Einkehr, zur Selbstbesinnung, zum Zusammenschluß Aller unter dem Banner der jüdischen Tradition, der jüdischen Nächstenliebe und zum Kampf für die Wiedergutmachung des an den Juden verübten Unrechts. Köln. An. den Rosch-ha-schanah-Feiertagen fand in unserem Betsaal in Köln-Ehrenfeld, Ottostraße 85, und im Altersheim Köln-Sülz, Blankenheimerstraße 55, feierlicher Gottesdienst statt. Herr Rabbiner Dr. Carlebach, London (Bremen), erfreute unsere Gemeinde mit seiner Anwesenheit. Durch sein Gebet und seine Festpredigt wurde die Feier ganz erhaben. Die Räume waren, überfüllt, da auch viele orthodoxe, ostjüdische Flüchtlinge aus der Umgegend anwesend waren. Die Synagogehgemeinde Köln sagt Herrn Dr. Carlebach herzlichen Dank mit dem Wunsch auf ein baldiges Wiedersehen in der Synagoge Köln. Aachen. Auch Aachen, das leider bis jetzt noch über keinen geeigneten Raum zur Abhaltung des Gottesdienstes verfügt, hatte trotzdem Rösch Haschono eine feierliche Zusammenkunft. v Es herrschte eine andächtige Stimmung. Der Vorsitzende begrüßte die Erschienenen zunächst mit einer kleinen Ansprache. Dann wurden die vorgeschriebenen. Gebete, gesagt und eine Schlußansprfche schloß die Feier ab. Viele der Anwesenden waren tief erschüttert im Gedehken an die teuren Toten, die in der Hitlerzeit ihr Leben lassen mußten und nicht mehr zurückkehrten. Auch am‘Jom Kippur wira Gottesdienst in gleicher Weise in der Wohnung des Vorsitzenden stattfinden und es ist geplant, bis zur Bereitstellung eines geeigneten Raumes auch jeden Sabbat von 10—11 Uhr : eine Andachtstunde dort abzuhalten. , Aachen. Am 4. .Oktober beging der Vorsitzende dgr jüdischen Gemeinde Aachen, Alfred Löwendahl, bei bester Gesundheit seinen 65. Geburtstag. Der Landesverband der jüdischen Gemeinde nahm diesen Tag zum Anlaß, urn sei-. nem verdienten Mitarbeiter im Vorstand, die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Herr Löwendahl ist einer der 17 Juden, die von insgesamt 1500 aus Aachen Verschleppten, das. Hitlerregim überlebt haben. Trotz der vielen Entbehrungen, die' dieser Mann durchzumachen hatte, war er sofort einer der Ersten, der zurückkehrende Juden um sich sammelte, um . wieder ein jüdisches, Gemeindelebeh in Aachen zu begründen. Seine seltene geistige lyrische, sein ungebrochener Lebenswille kam auch hierin vollauf zum Ausdruck. Die konstituierende Gemeindeversammlung in Aachen wählte ihn zum Vorsitzenden, und der Landesverband berief ihn in den engeren Vorstand. Trotzdem er noch als „Finanzminister von Aachen” -tätig ist, findet er ‘immer wieder Zeit* an der Gestaltung des Gemeindelebens regsten Anteil zu nehmen. ' * ■ . Wir hpffen -und wünschen, unseren Freund Alfred Löwendahl noch recht lange in blühender Gesundheit in unserer Mitte zu sehen. F. Hannover. Unser Gemeindemitglied, Herr Martin Bendix, Hannover, Gerb'erstraße, beging am 16. September in bester Gesundheit und geistiger Frische seinen SOten Geburtstag. ' Die Vorstandsmitglieder, Herr Nußbaum und Herr Prager, überbrachten dem Geburtstagskind die Glückwünsche. der Jüdischen Gemeinde Hannover und überreichten ihm eine kleine Geburtstagsgabp. ' .