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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-10-10 · 13 (10.10.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
13 (10.10.1946)
Date
1946-10-10
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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AUS ALLER WELT Rumänien gegen Antisemitismus. „Rumänien wird ein für allemal jeder Art rassischer oder religiöser Verfolgung ein Ende bereiten und eine Politik der Wiederherstellung aller politischen und wirtschaftlichen Rechte und der Gleichstellung der Juden verfolgen”, erklärte Außenminister Tatarescu vor Vertretern einer jüdischen Organisation. Ein neues Gesetz zur Rehabilitierung der Juden sei in Vorbereitung. Jerusalem. Der innere zionistische Rat hat beschlossen, daß die „Jewish Agency” unter den gegenwärtigen Verhältnissen keinen Vertreter zur Londoner Palästina-Konferenz entsenden solle. Er bevollmächtigte jedoch die Exekutive, sich weiter zu bemühen, Verhältnisse, herzustellen, unter denen die Teilnahme an der Konferenz sinnvoll wäre. So lange jedoch die Führer gefangen _ seien, könnten die Juden nicht zur Konferenz kommen. . > Rom. Der Papst hat den Berater für jüdische Angelegenheiten beim USA-Befehlshab er in Deutschland und Oesterreich, Rabbiner Bernstein, empfangen. Prag. Zum Tode verurteilt. Karl - Schwabe* einer der ehemaligen Leiter der Nazibewegung in der Tschechoslowakei, wurde am Freitag vom Brunner Volksgericht zürn Tode verurteilt. London. In der amerikanischen Besatzungszone wurde der Zentralausschüß für befreite Juden als amtliche Betreuungsstelle für ehemalige Opfer der Rassenverfolgung anerkannt. Der Ausschuß wurde im Juni 1945 von befreiten jüdischen KZ-Häftlingen gegründet. ■ , Washington. Der Generaldirektor der UNRRA, La Guardia, erklärte am Freitag in einer Pressekonferenz, daß die UNRRA von den USA. die Einwanderungsgenehmigung für 150 000 europäische Flüchtlinge fordern werde. Bern. Die Schweizer Behörden haben die Erlaubnis zur Abhaltung des Zionisten-Kongresses, der am 3. Dezember in Luzern stattfinden soll, erteilt. Köln. Ohne Kontrolle durch französische Zone. Ein neueingelegter D-Zug Dortmund—Köln—München wurde ab Montag, 30. September, zum erstenmal ohne Kontrolle durch die französische Zone geleitet. Die Eisenbahnwaggons werden an den Zonengrenzen verschlossen und erst wieder geöffnet, wenn die Züge die französische Zone passiert" haben. Hamburg. Vom 6. Oktober ab wird auf Veranlassung des Oberbefehlshabers, der britischen Besatzungszone die Ausgangsbeschränkung in der gesamten britischen Zone aufgehoben. , Ausgenommen von dieser Maßnahme sind Motorfahrzeuge, die während der jetzt geltenden Stunden der Ausgangsbeschränkung (23,30 bis 4,30 Uhr) nur.-dann die Straßen benutzen dürfen, wenn ihre Insassen mit gültigen Ausweisen der Militärregierung versehen .sind., . Berli».' ■— Diamanten und Edelmetalle im Werte von 27 0 Mill. Dollar w i e d e r auf g e f un'G e n . 3000 britische und amerikanische Agenten - setzen die Suche nach Diamanten und Edelsteinen, über die bereits berichtet wurde, in Fabriken, Privathäusern und Geschäftshäusern in der britischen und amerikanischen Zone fort. Mit .Hilfe einer Liste der Reichsstelle für Edelmetalle, die Angaben der verlagerten'Schätze enthielt, konnten bisher in der amerikanischen Zone Werte in Höhe von 35 Mill. Dollar sichergestellt werden, wählend in der britischen Zone die Zahl noch höher liegt. In einem Falle wurden Edelmetalle hinter, einer falschen Wand gefunden. Bisher sind - 35 Deutsche verhaftet worden. v •' Berlin. Gegen Helene Schwärzei, die vor einigen Monaten verhaftete Denunziantin Dr. Gördelers, ist jetzt Anklage erhoben worden. Der Termin findet vor dem Berliner Schwurgericht statt. . - Freiburg i. Br. Der ehemalige Lagerleiter dtes berüchtigten KZ Mauthausen, Otto Walther, wurde in einem Kino in Fr^iburg verhaftet. Walther wurde von dem ehemaligen KZ-Insassen Georg Daxenberger aus” München erkannt. Der Verhaftete wurde der französischen Militärregierung in Freibyrg übergeben. Frankfurt am Main. — Bestimmung für Reisende. Alle Personen, die auf der Reise zwischen der britischen und der amerikanischen Zone französisch besetztes Gebiet betreten, müssen sich dort über ihren Ursprungs- und Bestimmungsort ausweisen, wie die amerikanische Besatzungspolizei bekanntgibt. Kulmbach: Aus Kulmbach wird gemeldet: Der jüdischen Gemeinde der Stadt Kulmbach wurde in einer feierlichen Eröffnung die Gaststätte „Parkschänke” als Gemeinschaftshaus zugewiesen. An der Eröffnung nahmen Vertreter der Militärregierung, der UNRRA, der städtischen Behörden und der Zionistenbewegung Oberfrankens teil. Heidelberg. — KZ"-Aerzte verhaftet. Fünf deutsche Aerzfe, die in einer, medizinischen Station der dritten USA- Armee in Heidelberg beschäftigt waren, wurden unter der Anschuldigung, KZ-Insassen durch Kälteexperimente ermordet zu haben, verhaftet. Sie wurden an das Internationale Militärgericht in Nürnberg überwiesen. Flensburg. Wegen Erschießung von 40 jüdischen Frauen und Ermordung zahlreicher Personen durch Ertränken in einem Fluß und Ueberbordwerfen auf der Seereise nach Flensburg während der Üeberführung des Konzentrationslagers Stutthof, haben sich 13 Deutsche vor einem britischen Militärgericht in Flensburg zu verantworten. Auch die Mißhandlung von Gefangenen, meist Kranken und Unterernährten, wird den Angeklagten vorgeworfen, die sämtlich Aufseher des KZ-Lagers* Stutthof gewesen sind. Kattowitz. Peter Dalecki, der ehemalige Leiter des Krematoriums im Konzentrationslager Maidanek, ist in Gleiwitz verhaftet worden. Bestien in Menschengestalt. Vor dem Großen Jugendgericht des Landgerichts Dresden sitzen drei junge Burschen wegen eines gemeinsam begangenen Verbrechens gegen die Menschlichkeit, einer grausamen Tat, für die , sie, wohl verantwortlich sind, die sie aber, als. Jungen von damals 14. bis 17 Jahren-, kaum' begangen hätten, wären ihre;Seelen nicht durch jahrelanges Einimpfen blinden Rassenhassesvergiftet gewesen. Im Februar 1945 streifte einer , jener traurigen Züge bedauernswerter Menschen, die nach irgendeinem Konzentrationslager getrieben wurden, das Dörfchen Herzogswalde bei Mohorn. Es waren gegen 1000 halbverhungerte, zerlumpte Frauen, vielfach Jüdinnen, die sich vor Erschöpfung kaum noch auf den Beinen halten konnten. So manche der Unglücklichen blieb am Wege liegen. Nachdem der ganze Elendszug im Gutshofe des Bauern Grießbach knapp verpflegt worden war, zog er am nächsten Tage weiter. Da entdeckte' ein Arbeiter des Bauern, der aus Ostpreußen stammende, damals noch nicht 18jährige , Melker Kurt Kloth, in der Scheune eine,zurückgebliebene Frauensperson. Sein Arbeitgeber schickte ihn mit der vor Schwäche zusammengebrochenen, etwa 20 Jahrealten ungarischen Jüdin zum Bürgermeister Müller. Dieser sagte dem Kloth, er möge das Mädchen . mittels Handwagens außerhalb des Dorfes fahren und dann mit ihm machen, .was er wolle. Unterwegs schlossen sich dem Kloth noch zwei weitere Burschen an, Alfred Herrfurth und Siegfried Hofer, die beide die letzte Klasse der Dorfschule besuchten. Deren Lehrer Möbius, ein besonders scharfer Nazi und Judenhasser, hatte seinen Schülern stets gepredigt, daß die Juden am Kriege schuld seien und ausgerottet werden müßten. Den beiden Jungen erzählte Kloth, was der Bürgermeister gesagt habe, und die drei beschlossen, das Mädchen zu töten. Auf den Triebischwiesen luden sie die halb Ohnmächtige vorn Wagen und schlugen dann mit einem Knüppel auf sie ein, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Dann warfen sie sie in die Trieb'isch ,uh*d kehrten nach Hause zurück. Die für diese bestialische Tat Mitverantwortlichen, der Bürgermeister und der Lehrer, wurden bald nach Einzug dei- Roten Armee, festgenommen. Trotz ihrer Jugend und aller Verhetzung wären aber auch die 3 Angeklagten für das Verbrechen voll verantwortlich, denn sje befanden sich immerhin in einem Alter, das sie das Sträfliche ihres grausamen Tüns erkennen lassen mußte. Däs Gericht verurteilte deshalb Kloth, den Aeltesten und Rädelsführer, zu 9 Jahren, Herrfurth und Hofer zu je 5 Jahren Jugendgefängnis mit Zwangsarbeit. Ein großer Teil der fast 1% jährigen Untersuchungshaft wird ihnen angerechnet.

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