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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-09-26 · 12 (26.9.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
12 (26.9.1946)
Date
1946-09-26
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Nachdem, sprach für die älteste und größte, möglicherweise schon vor der Erschaffung der Welt bestehende Synagogengemeinde Köln, Dr. Levin, während für die nicht ganz so alte Synagogengemeinde in Düsseldorf Herr D r e y..f u 3 das Wort ergriff. Herr Beigeordneter Rausch von der Stadtverwaltung Düsseldorf nahm in launigen Worten von Dr. Auerbach Abschied, wünschte ihm viel Glück in seinem. Kampfe in Bayern und bat nur darum, daß der „Bayer”.Dr. Auerbach ihn nicht, als „Saupreuße” bezeichnen möge. Weitere Redner ‘des Abends waren Herr Heimbach vom Landesverband Westfalen' und Herr Direktor Seelig, ein Leidensgefährte Auerbachs, der zum besten gab, wie Auerbach im K.Z. 'für seihe Mitgefangenen sorgte und sich schon da als eine Natur herausstellte, die sich jedem Schicksal gewachsen zeigte und meisterlich verstand, das*Los seiner Mitleidenden zu lindern. Als schließlich Dr. Auerbach zur Erwiderung das Wort ergriff, dankte er allen Rednern und sagte, daß er immer dann zur Verfügung sein* werde, wo die jüdischen Interessen in Gefahr seien und wo man seiner HiLfe bedürfe. Zwei große Aufgabensehe er vor sich, die erste, die übriggebliebenen Kinder zu retten. Ueberäll in der Welt erschallt jetzt der Ruf „Rettet das deutsche Kind!” Wo aber bleibt der Ruf■ „Rettet das jüdische Kind!”? Für diesen so wichtigen Ruf‘.gilt in erste? Linie sein Kämpf und dann das Froolem der rassisch und politisch Verfolgten, die sich in. dieser Leidenszeit eine T. b. zugezogen haben und auf Grund dieser Krankheit verurteilt wären, in Deutschland zu bleiben. Ihr Los menschlich zu gestalten, gilt seine ganze Aufmerksamkeit. Daneben ist es die Wiedergutmachung, ein Problem,, das zu lösen er als seine vornehmste Aufgabe betrachte. sprechen, daß Sie 'nicht uns zu danken haben, sondern wir Ihnen, denn Sie waren unser Führer in dieser Notzeit. Wir konnten Sie nur in Ihrer Arbeit unterstützen. Mit besonderer Freude haben wir es begrüßt, daß Sie auch weiterhin den Vorsitz in unserem Landesverband . beibehalten und monatlich mehrere Male in unsere Mitte zurückkehren wollen. Diese Zuversicht macht uns den Abschied etwas leichter, so daß wir mit großen Hoffnungen im die Zukunft schaden können. ' ■ . ‘ Nehmen Sie bitte Ihrerseits die Versicherung von uns allen mit, , daß jeder einzelne bereit ist, sein Ganzes einzusetzen, um die Ziele, die Sie sich in Ihrer großen Tätigkeit ge-, steckt haben, zu erreichen. Unsererseits wollen wir sein und bleiben ein einig Volk von Juden, in keiner Not uns trennen und Gefahr. . Willy Falk, Essen. Einweihung der Synagoge und des Gemeindehauses der j üdischen KulturgemeindeHeidelberg am 1. 9. 1946. ‘ In der schönen alten Universitätsstadt Heidelberg, die als eine der wenigen Städte Deutschlands vom Bombenkrieg verschont geblieben ist, konnte am 1. September 1946 das jüdische Gemeindehaus und die Synagoge , eingeweiht werden. Würdig, bescheiden und doch eindrucksvoll hat der Architekt, Herr Reich, der 2. Vorsitzende der Gemeinde Heidelberg, in mühevollster -Arbeit zusammen mit Herrn Fuld, dem Vorsitzenden der Gemeinde Heidelberg, diese große und herrliche Arbeit übernommen. Er dankte den Herren des Oberpräsidiums und den Herrn Regierungspräsidenten, der Stadtverwaltung Düsseldorf für das. große Entgegenkommen, das man bei allen Verhandlungen mit ihm zeigte. Mit großer "Befriedigung habe er, gerade aus Paris kommend, bestätigt gehört, was der greise Rabbiner B a e c k, z. Zt. London, der ebenfalls an der Pariser Tagung teilnahm, dort festgestellt habe; daß das kleine Häuflein der zurückgekehrten Juden sich von den schweren Schlägen, die Hitler ihm versetzte, erholt habe, wie der Zusammenschluß de? Synagogengemeinden und das wiederbeginnende jüdische Leben in den einzelnen Städten beweise. Zum Abschluß betonte er noch einmal, daß, wenn er auch nach München gehe, er seine Aufmerksamkeit auf den von "ihm geschaffenen' Landesverband Nordrhein-Westfalen immer richten werde, und er werde allmonatlich nach hier zurückkehren, um die dringendsten Probleme, die sich hier ergeben könnten, mit lösen zu helfen. Gegen 10 Uhr abends verabschiedete sich Auerbach von seinen Gästen und verließ’ Düsseldorf, um sein neues Amt als Staatskommissar für jüdische Belange und Ministerialdirektor, für den Wiederaufbau in München anzutreten.. Die. Segenswünsche der gesamten jüdischen Bevölkerung vön Nordrhein-Westfalen begleiteten ihn auf diesem Wege. Frey. Offener Brief an " Herrn Oberregierungsrat Dr. Auerbach In unserem Gemei^deblatt vom 9. September* richten Sie an alle jüdischen Gemeindemitglieder in der britischen Zone einen Aufruf, der sich inhaltlich hauptsächlich mit. Ihrem Abschied von unserem Landesverbandbefaßt. Wenn es auch verständlich ist, daß Sie dem an Sie ergangenen Rufe “als Staatskommissar für jüdische Angelegenheiten in der amerikanischen Zone Folge leisten, so . sei unsgestattet, unserem Bedauernzu Ihrem Scheideri aus* unserer Mitte Ausdruck zu verleihen. Als wir Im vorigen Jahre gemeinsam mit Ihnen aus den Konzentrationslägern zurückkeh'rten, wären 'wir ohne Ihre Initiative in unserer großen wirtschaftlichen und seeliwir es nach solchen “langen Jahren der Gefangenschaft tun &hen Not auf die Dauer nicht in der Lage gewesen, uns* körpexdich ünd geistig so wieder zusammenzufinden, wlt, mußten. Nur Ihnen persönlich ist esit gelungen,' uns wieder seelisch äufzurichten und uns zum Teil wenigstens wieder in unsere früheren Stellungen hineinzubringen. ° In Ihrem Abschiedsaufruf hielten Sie es für richtig, uns allen Ihren Dank für unsere Mithilfe zum Ausdruck zu bringen. Es dürfte aber am 'Platze sein, offen auszu- Mehf als 300 Gäste füllten die Synagoge. Eine dozente Musik leitete die Feier ein, die mit Begrüßungsansprachen des Vertreters der «Stadtverwaltung, Herrn Dir. Stetter und des Gemeinde Vorsitzenden, Herrn Fuld, eröffnet wurde. Dann sprach Herr Dr. Auerbach im Gedenken an unsere Toten und darüber, was die Schwesternreligionen versäumt und übersehen haben und von der Hoffnung auf neues jüdisches Leben, welches aus der Tatsache des Neubaues der'Synagoge gehofft werden darf. Der Vertreter des Join’ts, Herr Philip Stuchen, brachte in engl. Sprache die Grüße der kanadischen und amerikanischen Judenheit. Er lobte die Aktivität der Heidelberger Gemeinde, das schöne Zusammenarbeiten aller jüdischen Kreise und mit bewegten Worten nahm Chaplain H. Dicker, der Feldgeistliche der 3. Armee., die Einweihung vor. Die Selections des Cantors S. Gisser verschönte die Feier ünd machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Ein neues Gotteshaus ist entstanden. Möge es zum Wohle der Allgemeinheit als Treffpunkt eines , neuen geistigen Lebens" bestehen. Gedenkfeier der * . Konzentrationäre in Hannover Am Sonntag, 8., September 1946 fand auf dem jüdischen Friedhof Bodefeld eine würdige Gedenkfeier des Hauptausschusses der Opfer des Faschismus statt. Um die Massengräber unserer Glaubensgenossen saßen in Stuhlreihen die Witwen und Waisen vieler Ermordeter. Eine Kompagnie der Schutzpolizei war als Ehrenwache, erschienen. Der Herr Landesminister Und der Vertreter der Stadt nahmen an f der Feier teil. Man bemerkte viele. Offiziere und Soldaten I der Besät.zungsbehörden und Geistliche im Ornat 'der i Schwesternreligionen. An beiden Seiten der Massengräber! loderten Flammen gen Himmel. In. würdiger musikalischer; Umrahmung v nahm der Feldgeistliche ..des 30. Corps, Col.! Richards, das Wort ünd sprach im Gedenken an die Toten. I In seinen Ausführungen über die göttliche Gerechtigkeit ‘sprach er eindringliche Worte ü£>er. die Nächstenliebe, Vergeltung und Sühne,..die darin gipfelten, daß das* jüdische Volk die Rache ab lehnt, aber eine gerechte Sühne verlange. Mit vornehmen mitreißenden Worten führte der Vertreter des Hauptausschusses der Opfer des Faschismus aus, daß kein Volk so gelitten habe, Wie das jüdische Volk und es die Pflicht der deutschen Antifaschisten wäre, für die Rechte ihrer jüdischen Mitbürger zu kämpfen. Als Vertreter des Zonengjusschusses der jüdischen Gemeinden d&r. britischen Zone und des Central Jewish Cornmittees nahm alsdann Herr Dr. Auerbach das Wor|. Im Gedenken an die Toten mahnte er die Lebenden, nicht abzulassen im Kampfe *zur Erreichung unserer primitivsten Rechte. Er kritisierte

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