Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 12 (26.9.1946)
- Date
- 1946-09-26
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Wechsel in -der Direktion des Joint Distribution Committees Es ist uns eine vornehme Pflicht-dem scheidenden Zonendirektor des American Joint Distribution Committees, Lt. Col. David B. Wodlinger, einige Abschiödszeilen zu widmen. - , . Ein Mann von Format, dem.die Güte aus den Augen spricht und auf den der Joint stolz sein durfte und wir, die jüdischen Gemeinden von Rheinland und Westfalen, schulden ihm viel Dank. Wir danken ihm die gerechte Verteilung der Gaben unserer Brüder aüSj Amerika. Wir danken ihm für das Wohlwollen unseren Gemeindeeinrichtungen gegenüber und für das offene Ohr, das er stets für uns hatte. Ein jüdischer Mensch, dem man nicht den hohen Offizier anmerkte, der jedem Kamerad und Glaubensgenossen war. Ein Mensch, mit dem uns in wenigen Monaten so viel innige Freundschaft band, daß sein Scheiden uns weh tut. Möge David Wodlinger unsere Versicherung mit hinüber nehmen, wenn er in seine canadische Heimat, zurückkehrt, daß die jüdischen Gemeinden in Dankbarkeit seiner gedenken. In diesen Abschiedsschmerz hinein kommt uns die angenehme Pflicht, den neuen Zonendirektor für die britische Zone, Rabbi Schwarz begrüßen zu dürfen. Der Unterzeichnete hatte Gelegenheit ihn erstmalig im Büro von Rabbi Bernstein zu sprechen und ihn dann später in Bergen-Belsen, auf dem traditionellen Boden jüdischer Gemeinschaftsarbeit kennenzulernen. Die Hoffnung, die wir in Rabbi Schwarz setzen und den Wunsch den wir hegen ist der, daß er ein vollgültiger Ersatz für David Wodlinger wird und wenn ich unseren Mitgliedern verrate, daß diese Hoffnung nur' allzu berechtigt ist,, so gebe ich damit der Freude darüber Ausdruck, daß der Joint es wiederum verstanden hat, denrichtigen Mann an die richtige Stelle zu; setzen. Unser Gruß dem scheidenden Wodlinger und unser Willkommen dem neuen Leiter des American Joint Distribution Committees in der britischen Zone. D rP h ilipp Auerbach Tagung des Landesverbandes der Nord-Rheinprovinz Düsseldorf. £.m Montag, dem 9. 'September 1946 tagte eine Vollversammlung aller jüdischen. Gemeinden der Nord- Rheinprovinz im Oberlandesgericht.' Der Vorsitzende^:, Dr. Auerbach, gab einen kurzen Bericht über die Ereignisse der. letzten Wochen, besonders über den starken Flüchtlingszustrom innerhalb des* Gebietes des Landesverbandes. Er führte aus, welche Gründe ihn veranlaßt haben, das Amt des Stäatskommissars für die politisch und rassisch Verfolgten in Bayern zu übernehmen. Dem Wunsch der Versammlung folgend, erklärte sich Dr. Auerbach bereit, den Vorsitz des'Landesverbandes beizubehalten. Die Versammlung wählte alsdann: Präsidiu m: ~ , . 1. Vorsitzender Herr Dr. Auerbach. Düsseldorf, .Stromstraße 4—6, .. Geschäftsführer des Präsidiums: Herr Julius Dreyfuß,. Düsseldorf-Oberkassel, Wildenbruchstraße 75, Herr Moritz Goldschmidt, Köln-Klettenberg, Siebengebirgsallee 99, * . Herr Direktor Siegfried" Seelig, Düsseldorf, Cäcilienallee 76. Jeweils 2 der Herren Geschäftsführer des Vorstandsgremium werden den Landesverband gemeinsam vertreten. Des weiteren wurden in den Vorstand gewählt: der Vorsitzende des Landesverbandes Westfalen, Herr Siegfried Heimberg. Dortmund, Tnomasstraße 188, der Vörsitzende der Gemeinden der nordfranz. Zone, Herr Addi Bernd, Koblenz, Liebfraüenkirche 11,, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden Essen, Herr . Siegfried Levy, Essen, Waldsaum 147, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Wuppertal, Herr Rechtsanwalt Gustav Brück,. Wuppertal-Elberfeld, Weinberg 4. ' . , Mitglieder des Pr o v i n z i a 1 a u s s c hü s S e s: Herr. Julius Meyer. Köln-Ehrenfeld, Baadenbergerstr,' 7, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Aachen, Herr Alfred Löwendahl. Aachen, Wilhelmstraße 10, Syndikus:' ' , Herr. Oberlandesgerichtsrat Dt. Artur. Asch, Düsseldorf-* Benrath, Steinkribbenstraße 20, Delegierter zur deutschen Landesregierung Herr Hans Frey, Düsseldorf, Stromstraße 4—6. Abschiedskundgebung für Herrn Dr.r Auerbach Zu einer selten * eindrucksvollen Abschiedskundgebung gestaltete sich die Feier, die der Landesverband seinem scheidenden Präsidenten am Samstag, dem 14. September in den Festräumen von Henkel’bot. Vertreter der-Landesregierung, der Regierung- Düsseldorf, der Stadt, die Vorsitzenden aller dem Landesverband angeschlossenen Gemeinden nahmen an dieser Feier teil. Eine Fülle von Reden wurden gehalten, aus denen noch einmal klar zum Ausdruck kam, welchen Verlust es bedeutet, einen Mann wie Dr. Auerbach zu verlieren. Aber dennoch waren sich alle Redner darüber einig, daß. es kaum einen Mahn in Deutschland gibt, , der wie Auerbach da Hilfe - bringen kann, wo Hilfe am nötigsten gebraucht wird. Der Landesverband hat rilit berechtigtem Stolz seinen Präsidenten nach München gehen sehen. Das einmalige Werk, das Auerbach hier wie aus einem- Nichts^ bei uns geschaffen hat, wird Auerbach zum zweiten Mal in Bayern schaffen. Er wird einen Beweis da- I für liefern, daß es möglich sein wird und muß, den be- S rechtigten Förderungen der Juden Gehör zu verschaffen, | Aenderungen in eine anscheinend verfahrene Sache zu brin-! gen, daß pr ein Problem lösen wird, an dem bisher seine! Vorgänger scheiterten, scheitern mußten, weil sie weder die | Energie noch die Schaffenskraft oder gar den Udeenreich-! tum Auerbachs besaßen. . Unsere Leser werden über Auerj bachs Werk, in München ständig auf dem Laufenden gehalten werden.* Dr.. Meyer, vom Landesverband der Jüdischen Gemeiride, begrüßte "die erschienenen Gäste und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Scheiden Auerbachs hoffentlich Veranlassung -wird, daß sich die* Gemeinden noch enger um den Landesverband scharen werden und trank auf das Wohl des. jüngs'ten Stäatskommissars Bayerns. Nachdem erhob sich Herr Stöver von der Landesregierung, der mit I Auerbach im Zonenwohlfahrtsausschuß lange zusa'mmen- ’ arbeitete und umriß in kurzen treffenden Zügen die gemein-; same Arbeit „ein.er der allerbesten Kräfte, die das Juden-; tum aus seiner Üezimierung übrigbehälten habe, sei zwei- | fellos Dr. Auerbach.” Und er könne keine reine Freude [empfinden, Auerbach Weggehen zu sehen. Trotz achtjährij-ger Leidenszeit sei sein Mut nicht gebrochen, ganz .im | Gegenteil Sei bei ihm festzustellen gewesen. Auerbach, so i sagte er weiter, habe sich viele Freunde in der Düssel- I dorfer Bevölkerung erworben — aber auch viele Feinde — | aber die, die können ihm nur zur Ehre gereichen. „Ich bin I stolz, daß ich ein Freund dieses Mannesbin”, schloß Stöver \ seine Ausführungen. ' Breitestraße OBERKASSEL: Luegallee 108 10-12 — Nordstraße 110? RATINGEN: Düsseldorfer Straße 48-50