Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 12 (26.9.1946)
- Date
- 1946-09-26
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Verteilung gelangen. Mit der Verteilung ist bereits begonnen. Ein trauriges Kapitel ist der fortgesetzte Zustrom von jüdischen Ostflüchtlingen, von denen etwa 2700 bereits in der Nord-Rheinprovinz eingetroffen sind, und die in erbärmlichem Zustand ankommen. Dank der Unterstützung der. Militär-Regierung und der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen konnten diese armen Menschen in relativ gute Qurartiere untergebracht werden, und dank der sofortigen Hilfe des American Joint und des Jewish Relief konnte man ihnen, ihr hartes Los erleicütern. Herr Dr. Auerbach teilte dann mit, daß er infolge seiner Berufung nach Bayern aus dem Zonenwohlfahrtsausschuß ausscheidet, und auf Vorschlag der Gemeinde Hannover wurde einstimmig als sein Nachfolger im Wohlfahrtsausschuß der Vorsitzende der Gemeinde Bremen und der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Gemeinden Nord-Deutschlands, Herr Karl Katz, Bremen, und als Stellvertreter das Vorstandsmitglied der Gemeinde Hamburg, Herr Senatsdirektor Dr. Loeffler, bestimmt. Alsdann schlug Herr Dr. Auerbach vor, an seiner Stelle einen neuen Vorsitzenden zu wählen, wobei er sich bereit erklärte, weiterhin im Vorstand des Zonenausschusses zu wirken. Der Zonenausschuß optierte den Vorsitzenden der Gemeinde Lübeck, Herrn Norbert Wolheim, und den Vorsitzenden der Gemeinde Düsseldorf, Herrn Julius Dreifuß, in den Vorstand des Zonenausschusses. Alsdann erfolgte die Wahl des 1. Vorsitzenden, die einstimmig auf Herrn Norbert Wollheim entfiel. Herr Wollheim nahm mit dankbaren Worten dieses schwere Amt an und dankte dem bisherigen - Vorsitzenden für seine aufopfernde Tätigkeit, und der Senatsdirektor Dr. Loeffler sprach den Dank der Gemeinden und seinen persönlichen Dank und Anerkennung für die Leistungen des Herrn Dr. Auerbach aus. ' An dieser Sitzung nahmen der Präsident des Central- Comittees, .Herr Josef Rosensaft, sowie als Vertreter des American Joint, Herr Fink, sowie als Vertreter des Jewish Relief Unit, Herr Dr. Weis und Rabbiner Carlebach, teil. Nach eingehender Diskussion einiger wichtiger Tagesfragen wurde in später Abendstunde die Versammlung durch Herrn Dr. Auerbach geschlossen, der den Mitgliedern des Zonenausschusses versicherte, auch von- Bayern aus alles zu tun, um die jüdischen Interessen »zu fördern und auch die Interessen der, englischen Zone, insbesondere im Hinblick auf die Wiedergutmachung weitgehendst zu unterstützen. F. Erholungsheim in Bad Harzburg des Central Jewish Commitees und der Jewish Relief Unit für die Mitglieder der jüd. Gemeinden in der britischen Zone Es handelt sich hier um zwei wunderbar gelegene. Hötels, die auf das Beste eingerichtet sind, in Bad Harzburg. Es können laufend erholungsbedürftige Mitglieder der jüd. Gemeinden aufgenommen werden. Begingung ist, .daß sie keinerlei Krankheiten haben, weder ansteckende noch chronische und nur erholungsbedürftig Und wirklich Mitglieder der Gemeinden sind. In jeder Gemeinde ist ein Vertrauensarzt zu bestellen, der diese bescheinigt, daß die Erholungsbedürftigen frei von ansteckenden und chronischen Leiden sind. Unkosten für die Gemeinden entstehen nicht. Für die Verpflegung hat der Joint in hervorragender Weise gesorgt. Anmeldungen sind umgehend vorzunehmen. Kindertransporte nach der Schweiz Auf der Sitzung des Zonenausschusses der Wohlfahrtskommission in Bünde wurde eingehend die Frage der Kinderverschickung in die Schweiz erörtert. Die nächsten Transporte gehen wie folgt: 1. Transport am 3. 10. 1946 von Düsseldorf 2. Transport im November von Hamburg 3. Transport im Dezember von Hannover 4. Transport im Dezember von Kiel. Die Gemeinden von Nordrhein-Westfalen melden sofort die jüdischen Kinder,, die erholungsbedürftig sind, soweit dies noch nicht geschehen ist, beim zuständigen- Gesundheitsamt. Im übrigen hat die Schweizer Regierung zugebilligt, daß einem der nächsten Transporte 50 jüdische Kinder zur Verkeilung auf jüdische Familien beigegeben werden. Voraussichtlich sollen diese dem zweiten Transport, der von Hamburg ausgeht, beigefügt werden. In den nächsten Tagen werden Schweizer Aerzte in die britische Zone kommen, um die Kinder zu untersuchen. Es ist vorgesehen, daß der Transport am 18. Oktober in die Schweiz fährt. Die Gemeinden werden bereits heute gebeten, namentliche Listen dem zuständigen Gesundheitsamt einzureichen. Die von der Gemeinde Hamburg zuletzt gemeldeten zehn Kinder sind bevorzugt anzuweis'en. Wir ersuchen alle Gemeinden für eine beschleunigte Meldung zu sorgen. Herr Ministerpräsident £>r. Amelunxen bei Herrn Dr. Auerbach v „ Ich will immer in den Spiegel schauen können” Herr Ministerpräsident Amelunxen stattete dem Landesverband der jüdischen Gemeinden von Nordrhein-Westfalen einen offiziellen Besuch am Montag, dem 9. September 1946 in den Büroräumen des Landesverbandes in Düsseldorf, Königsallee 27, ab. Der Präsident des Landesverbandes, Herr Dr. Auerbach, erklärte dem Herrn Ministerpräsidenten den Aufbau der jüdischen Gemeinden des Landesverbandes und die Grundsätze über die Betreuung der Gemeindemitglieder und führte ihm vor Augen, Was seitens der ausländischen jüdischen Organisationen, besonders des American Joint Distribution Committees und der Jewish Relief Unit, getan wird, um helfend einzugreifen und die größte Not zu bannen. Er schilderte wie die jüdischen Flüchtlinge, die aus dem Osten vor den Progromen in Polen flüchten, hier untergebracht und versorgt werden. Herr Ministerpräsident Amelunxen nahm mit größtem Interesse von den Ausführungen Kenntnis und befragte Herrn Dr. Auerbach, der jetzt zum Staatskommissar für jüdische Angelegenheiten in Bayern ernannt worden ist, über sein neues Aufgabengebiet und hofft auf eine enge Zusammenarbeit der amerikanischen und britischeA Zone, insbesondere zwischen Bayern und dem neuen Land Nordrhein-Westfalen. Herr Dr. Auerbach sicherte ihm zu, daß von ihm aus alles getan werden wird, um den politisch und rassisch Verfplgten von Nordrhein-Westfalen Von Bayern" aus zu helfen und daß umgekehrt von hier aus alles getan wird, um den Verfolgten über die Schwierigkeiten des Augenblick^ hinwegzuhelfen. Im Laufe der Unterhaltung führte der Herr Ministerpräsident aus, unter welchen schwierigen Umständen er selbst den Nazihäschern entkommen konnte und wie er als Frau verkleidet, Krankheit vortäuschend, sich seinen Häschern entzog. Hier in Düsseldorf, wohin er als Ministerpräsident berufen worden ist, hat er es abgelehnt, ein eigenes Haus zu beziehen, solange 50 000 Menschen in Düsseldorf in Bunkern leben müssen. v Ich habe bisher in den Spiegel schauen können und möchte es audfrdn Zukunft tun können, sagte der Ministerpräsident’ Nach dieser Devise will ich leben und arbeiten. Nachdem der Herr Ministerpräsident den leitenden Herren des Landesverbandes, vorgestellt wurde, sowie den Vertretern der Jewish Relief Unit, ließ er sich die Wohlfahrtsabteilung zeigen und sich darüber informieren, wie die Betreuung der Juden vor sich geht. Nach einem, mehr als einhalbstündigen Besuch, verabschiedete sich der Herr Ministerpräsident mit den Worten: „Nichts hat mich in den letzten 12 Jahren mehr empört, als die Behandlung, die den Juden erteilt wurde.” Kunsthandlung PELZ-ETAGE JUL. SANDER (177 / Düsseldorf y/Larggraj Venloer Straße 9 / Telefon 15429 Düsseldorf AN-UND VERKAUF Friedrichstr. 57. Ruf 16477