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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-09-26 · 12 (26.9.1946) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
12 (26.9.1946)
Date
1946-09-26
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Länder zur Verfügung stellten, .richtete sich das Augenmerk zwangsläufig auch auf Palästina. Vor allem war es die Jugend, die ihr Interesse dem Heiligen Land zuwandte. Die zionistischen Vereinigungen Deutschlands förderten diesen Gedanken durch zahlreiche Vorträge sowie durch Aufklärungsschriften. Wir älteren Zionisten erinnern uns, daß hei Vorträgen der Führer der Zionistischen .Vereinigung, wie Wolfsohn, Justizrat Dr. Bodenheimer usw. selbst in Großgemeinden,.' wie Köln, oft nur wenige, meist jugendliche Zuhörer anwesend waren. Erst nach, der Machtergreifung Hitlers reichten die größten Säle der Gemeindethäuser nicht aus, um die än Erez interessierten Menschen zu fassen. Es wurden eine große Anzahl Hascharahs gegründet, um unsere Jugend in der Landwirtschaft auszubilden. Die von der Mandatsregierung zur Verfügung gestellten Certifikate reichten natürlich bei weitem nicht aus, um alle zur Auswanderung nach Palästina entschlossenen Menschen nach dort zu' bringen. Es blieb nichts anderes übrig, als zrum Mittel der illegalen -Auswanderung zu greifen. Auf diese Weise schaffte man tausende junge Menschen nach Palästina und rettete sie vor dem sonst sicheren Tod und Untergang. . Diese Menschen wären beseelt von .dem Gedanken, einen schnellen' Aufbau des Landes zu fördern, um Arbeit und Brot für die inzwischen auf eine halbe Million angeschwollene Zahl der Juden zu schaffen, sowie weiterhin auch die Voraussetzungen zu sichern für die Ansiedlung weiterer tausender jüdischer Menschen. , Neben diesem Geist des- Aufbauwillens brachten die Menschen Kapital und technisches Können mit, so daß sich Handel und Verkehr schnell hoben. Es' bildeten sich überall, wo notwendig, Kibuzze, und man schuf vorbildliche landwirtschaftliche Güter. Auch der Export nahm gewaltig zu, denn in Erez entstandene Werke sind auf das Modernste eingerichtet, leislaangs- und wettbewerbsfähig in ihrer Produktion. Gerne verkaufen die. Araber den.Juden ihr brachliegendes Land für gutes' Geld. Durch den schnellen Aufstieg der Städte sowie der Produktivität der Mustergüter war es. verständlich, daß die Grundstückspreise stiegen. Auf gewiegelt durch eine nationalsozialistische Hetze fühlten sich die Araber benachteiligt. Es kam zu großen Auseinandersetzungen zwischen Araber und - Juden. Auf beiden Seiten gab es Tote und Verwundete. Die Lage wurde noch gespannter dadurch, daß man uralte religiöse Gegensätze schürte, und auch aus Deutschland importierte „Rassenfragen’’ tauchten auf. Die Engländer schränkten die jüdische Auswanderung ein, aber die einsetzende Verfolgung der Juden in Deutschland durch die Naziszwang zu Illegalität. Wie zu Beginn der Jahrhundertwende und zu Lebzeiten Herzl’s wüten auch wieder in Polen, Ungarn, Rumänien wilde ^Pogrome. Dadurch bleibt den Menschen, die glaubten, dem 12 . Jahre wütenden faschistischen Terror entgangen zu sein, nur die Auswanderung oder nennen wir es ruhig'Flucht, übrig, um ihr nacktes Leben zu retten. Unser Glaube, daß -die Beendigung des Krieges für uns europäische Juden eine Seelische Beruhigung bringen würde, erweist sich als Utopie. Nirgendwo bemüht man sich, das an uns begangene Unrecht der letzten Jahre wieder gutzumachen, und all^ Bemühungen, neue Existenzen aufzubauen, sich eine neue Lebensgrundlage zu schaffen, scheitern daran, daß man uns, die nichts besitzen, al$ diesen Aufbauwillen, keinerlei Vorteile, die zu beanspruchen wir allen Grund haben, einräumt. Das Gefühl im Gällutt zu leben, war noch nie so stark, in uns, wie heute. Deshalb begrüßen wir den Antrag, der Jewish Agency auf sofortige Bewilligung von 100 000 Zertifikate als einen kleinen Rettungsanker. Der Engländer lehnte diese sofortige Bewilligung ab, ^Wollte. erst mit Arabern Fühlung nehmen und mit' Präsident Trüman verhandeln. .Inzwischen hat sich die Lage in Palästina sehr verschärft. Es kam zu Zusamenstößen zwischen Araber und Juden einerseits und der Mandatsmacht andererseits. Streiks und passive Resistenz wurden ausgerufen. Die. Beunruhigung wuchs, als man den Großmufti von Jerusalem, den Führer der organisierten arabischen Widerstandsbewegung nach Aegypten entfliehen ließ, den gleichen ' Mufti, den man einige Jahre, vorher wegen seiner Freundschaft zu Hitler und anderen faschistischen (Größen aus Palästina ausgewiesen hatte. Mit'Recht betrachten die Juden diese Handlung als eine Herausforderung, weil man weiß, daß Hadj Amin el Hussein von Aegypten aus, die Araber zu offenem Widerstand und feindseligen Handlungen gegen Juden schürt. Die Stimmung wurde noch verbitterter, als man zur gleichen Zeit unsere jüdischen Führer, u. a. Mo- - sehe Shertpk inhaftierte und die Entwaffnung der jüdischen Verbände wie Hagana, Stern usw. verlangte. Dieses einseitige Verlangen konnten die Führer der -jüdischen Widerstandsbewegung nicht ohne weiteres erfüllen, zumal es notwendig war,. entsprechende Sicherheitsmaßnahmen gegen die Ueberfälle durch die Araber zu treffen. Wieder einmal fühlen wir Juden uns betrogen.. Nachdem die 1018 von Balfour erlassene Deklaration, welche, uns’ Palästina als Nationalheim versprach, nicht eingehalten wurde, muß man heute wieder feststellen, daß die Engländer der, augenblicklichen Notlage der Juden in Europa nicht Rechnung zu tragen gewillt sind. — Es ist nicht unsere Schuld, wenn heute der Antisemitismus in** Europa nach den 'grausamen Erfahrungen der letzten Jahre sich noch austoben kann, und -dadurch hunderttausende von jüdischen Menschen gezwungen, sind, ihre Heimat zu verlassen. Allein in Deutschland leben heute ca. 150.000 aus Heim und Hof vertriebene Menschen, . sehnsüchtig darauf wartend, weiterwandern zu können. Neben USA: und einigen südamerikanischen Staaten kommt für alle diese Möpschen in erster Linie als Auswanderungsland Palästina in Frage. Dort und nur dort können sie eine Zufluchtsstätte4finden, die ihnen die Sicherheit gibt, die -Zukunft frei von inneren, seelischen Zerrüttungen verleben zu können. Seit 1 Y> . Jahren* befindet sich „ein großer Teil dieser Menschen auf der Flucht und besitzen nur das, was sie mit sich, führen, oder nur das Wenige, was^sie auf dem .Leibe tragen. Für England mag Palästina ein wichtiger militärischer Punkt sein und die englischen Oelleitungen eine wirtschaftliche Bedeutung haben. Für uns aber bedeutet dieses Heilige Land mehr. Für uns ist' es unsere Heimat,, unser Vaterland, die Erfüllung unserer Sehnsucht. Für diese Erfüllung wollen war alle unsere Kräfte einsetzen, wollen wir, wenn notwendig kämpfen, mit ‘ verbissenem Mut, wie. zur Zeit der Makkabäer. Wir bedauern, daß es zu offenem Kampf gekommen ist, zu Töten und Verletzten auf beiden Seiten. Wir verabscheuen jeden Mord und Terror, und wir appellieren immer wieder, an die Vernunft aller Völker. Wir wollen uns unter dem blau-weißen Banner zusammenschließen und nicht nachlassen, der Welt immer wieder unsere Wünsche zuzurüfen. ' Wir stehen an der Schwelle eines neuen Jahres und die Wünsche aller Juden, wo sie auch wohnen mögen, vereinigen sich in dem Gedanken, daß das kommende Jahr dem jüdischen Volke die Tore Palästinas endgültig öffnen möge.. Friedlich wollen wir auf eigner Scholle arbeiten und wirken zu unserer Ehre upd als ein nützliches Glied innerhalb der. gesamten Menschheit. < ' Moritz Gold Schmidt, Köln. Haftbefehl gegen Mufti noch in Kraft! Jerusalem. Wie vom britischen Hohen' Kommissar für Palästina mitgeteilt wird, ist der im Jahre 1938 gegen den. Mufti öon Jerusalem, Hadji Amin, el Husseini, erlassene Haftbefehl noch in Gültigkeit. Der «Mufti, der 1938 nach Damaskus und später nach Bagdad flüchtete, begab sich nach dem Zusammenbruch der irakischen Revolte 1941 nach Rom und später nach Berlin. Er hielt während des weiteren Kriegsverlaufes verschiedene Ansprachen von deutschen-Sendestationen aus an die islamische Welt im Nahen Osten und besuchte auf Einladung deutscher SS-Führer die auf dem Balkan aufgestellten islamischen SS-Einheiten. ~ Im Frühjahr 1945, nahmen im Süden Deutschlands vorrückende französische Truppen den Mufti in „Schutzhaft” und. brachten ihn nach Paris, von wo er am 29. Mai dieses Jahres erneut flüchten könnte. Unter Benützung eines falschen Passes flog er mit einer amerikanischen Maschine nach Kairo, wo er unter den Schutz des ägyptischen Königs genommen wurde. - Jerusalem. Das Arabische Hohe Komitee entschied heute, die Einladung zu den* Londoner Besprechungen nur anzunehmen unter der Bedingung, daß die Einladung alle Mitglieder aer arabischen Exekutive sowie den Mufti von Jerusalem, el Husseini (d. i. der Obengenannte), einschließt. ' ■%

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