Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 11 (9.9.1946)
- Date
- 1946-09-09
- Page
- Seite 74 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— Anweisung an die deutschen Behörden Unterschiedliche Behandlung. Die deutschen Behörden müssen sich bei Ausführung von Anweisungen der Militärregierung, daß sie alliierten Behörden, ^Flüchtlingen oder verschleppten Personen Unterkunft oder Kleidung beschaffen sollen, von folgenden Grundsätzen leiten lassen: m a) Jede Härte, die einem großen Teil der Bevölkerung daraus erwächst, muß möglichst gleichmäßig verteilt werden. * . b) Wo dies nicht möglich ist oder nur eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Personen von der Anweisung betroffen wird, müssen diejenigen bevorzugt behandelt werden, die unter nationalsozialistischen Herrschaft ihrer politischen Ansichten wegen ihrer Freiheit beraubt waren oder anderweitig wegen ihrer feindlichen Einstellung zum nationalsozialistischen Regime gelitten haljpn. c) Die unterschiedliche Behandlung muß ohne .Anwendung unnötiger Grausamkeit oder Härte erfolgen. - fc- Im Aufträge der' Militärregiirung. Reiseerleichterungen Um den Handel zwischen der amerikanischen und der britischen Zone zu fördern und Reisen in dringenden persönlichen Angelegenheiten zu ermöglichen, ist ein Abkommen zwischen der britischen und amerikanischen Militärregierung getroffen, das am 1. September in Kraft tritt. Es hebt die bisherigen Reisebeschränkungen zwischen der britischen und amerikanischen Zone weitgehend auf, schließt jedoch Erholungs- und Vergnügungsreisen aus. Die Kontrollbehörden in beiden Zonen können bestimmten Personenkreisen, die Ein- und Ausreisen verbieten. Personen, die eine andere' Zone besuchen, müssen sich den dort gültigen Anordnungen unterwerfen. Das gilt besonders für die Bestimmungen über den Wechsel des Wohnortes. Jeder, der zwischen zwei Zonen reist, muß einen' amtlichen Ausweis bei sich führen, der in der Zone des eigenen Wohnortes beantragt werden kann und bei jeder zivilen oder militärischen Dienststelle ausgestellt wird. „Zwischen den vier Besatzungsmächten sind Verhandlungen im Gange, um. die Einschränkung des Reiseverkehrs zwischen allen Zonen aufzuheben”, teilte Oberst Wilson, der Leiter der Abteilung für öffentliche Sicherheit bei der USA- Militärregierung, in Berlin mit. Ein neuer Plan Trumans ' Zugeständnisse an die Juden in Palästina London. Präsident Trumän hat einen neuen Kompromißplan für die Lösung des Palästina-Problems ausgearbeitet, der als Grundlage für eine Erörterung mit Vertretern der Juden Und Araber dienen soll, teilte Unter Staatssekretär Dean Acheson in Washington mit. Der neue Plan Trumäns ist, wie man in gut unterrichteten Kreisen Londons hört, am Mittwochnachmittag der britischen Regierung übergeben worden. Die Vorschläge des Präsidenten .werden von Sachverständigen des Kölonialamtes geprüft und wahrscheinlich noch vor dem Wochenende dem Kabinett vorgelegt. Auf Anweisung von höchster Stelle bewahren offizielle Stellen größte Zurückhaltung über den Inhalt der amerikanischen Vorschläge. - * Wie später verlautet, hat Trumän seinen neuen Plan dem britischen Premierminister Attlee direkt übersandt und in einem Begleitschreiben gesagt, daß die Vereinigten Staaten England „moralisch unterstützen werden”, wenn die Auffassung Trumans als Grundlage zur Erörterung mit Juden und Arabern angenommen wird. Ueber den Inhalt der neuen amerikanischen Vorschläge erfährt man aus Washington, daß sie eine Teilung Palästinas in der Art vorsehen, daß den Juden ein weit, größeres Gebiet zugestanden wird, als es der englisch-amerikanische Juliplan tat. Außerdem soüe der jüdische Staat volle Autonomie seiner Einwanderungs- und Steuerpolitik erhalten. Die Vorschläge sollen teilweise auf Anregungen von Nghum Goldman, Mitglied des Vollzugsrates der Jewish Agency, beruhen und im einzelnen vorsehen, daß. die Juden ganz Galiläa, Negeb und das mittlere Jordantal sowie die angrenzenden Gebirgsregionen erhalten. Dagegen soll die Provinz Samaria mit dem Hafen Jaffa den Arabern gehören. Düsseldorfs scheidender Oberstadtdirektor an Dr. Auerbach Stadt Düsseldorf , Der Oberstadtdirektor Düsseldorf, den 30. Aüg. 1946. % An ' den Landesverband der jüdischen Gemeinden der Nord-Rheinprovinz, z. Hd. des Herrn Öberreg.-Rat Dr. Auerbach Düsseldorf Königsallee 27 II. Sehr verehrter Herr Dr. Auerbach! Nehmen Sie für Ihre guten' Wünsche aus Anlaß meines Scheidens von Düsseldorf meinen besonderen aufrichtigen Dank entgegen. Wenn Sie anerkennen, daß ich das, was in meinen Kräften-lag, tat, um Ihren notleidenden Glaubensgenossen zu helfen, so bedarf das aber eines Dankes nicht. Es ist für mich als Christen- und Sozialisten ganz selbstverständlich, nach dem ungeheuerlichen Unrecht, das in der Nazizeit unsere jüdischen Mitbürger besonders getroffen hat, alles irgend nur Denkbare zu tun, um den wenigen, Ueberlebenden das Gefühl wieder zu vermitteln, daß sie in der Gemeinschaft. unseres Volkes hoch angesehen und von allen Rechtschaffenen als glaubwürdig anerkannte Mitbürger sind. So habe ich es in Düsseldorf - gehalten, und nicht anders werde ich es auch in Frank- . furt halten. Ich glaube, daß auf diese Weise langsam aber unaufhaltsam auch die Achtung für das deutsche Volk in der Welt wiederkehren wird. Nehmen Sie. noch besonderen Dank auch für die nette Abschiedsgabe und seien Sie versichert, daß ich weiterhin es mir zur Ehre anrechne, die besten Beziehungen zu Ihnen und zu Ihrem Landesverband zu pflegen. Mit allen guten Wünschen und freundlichen Grüßen ' Ihr Walter Kolb. Rechtsgedanken! Ein altes Sprichwort sagt: Zwischen Recht haben und Recht zu bekommen ist ein gewaltiger Unterschied! Die letzten ^2 Jahre habenyüns bewiesen, daß dem so'ist. In diesen Tagen ereignete sich in Düsseldorf ein merkwürdiger Fall: Auf der Anklagebank. sitzt ein Mann, der wegen seiner politischen Ueberzeugung 8 Jahre im Konzentrationslager gesessen hat. 8 Jahre Buchenwald! Ein Studium an der Gemeinheit der Menschen! Und dieser Mensch sitzt auf der Anklagebank zu einer Zeit, als tausende und abertausende Verbrecher gegen die Menschlichkeit frei herumlaufen. Die Ironie des Schicksals wollte es, daß wenige Stunden vorher, als dieser Prozeß über die Bühne rollte, ein höherer Kriminalbeamter einer Stadt in unserem Bezirk festgenommen wurde, da ihm 19 Fälle schwerer Mißhandlung an Häftlingen der Gestapo nachgewiesen werden kannten. Für ihn war bis heute keine Anklagebank bereit. — . Der Vorsitzende des Landesverbandes, Dr. Auerbach, war als sachverständiger Zeuge geladen. In dankenswerter Weise beschloß das Gericht, ihn zu den, politische!} Fragen, und insbesondere zu der Frage der Mentalität dieses KZ- Mannes, Stellung nehmen zu lassen. Und er brachte vor Gericht in klaren und deutlichen Worten zum Aufdruck, wie einem Menschen zumute war, als er nach langjähriger Haft *' »in. eine Freiheit kam, die wirklich nur eine halbe Freiheit . Ist. Als wir in den Unterständen von Buchenwald die Versprechungen von Roosevelt und Churchill durch das Radio hörten, und als wir glaubten, einer besseren demokratischen Zukunft entgegensehen zu können, da hofften wir, da träumten wir, daß sich einst die Pforten der Freiheit öffnen würden, und daß man da draußen im befreiten Land uns mit offenen Armen empfangen würde. Das war der Traum! . ■ ■