Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 8 (25.7.1946)
- Date
- 1946-07-25
- Page
- Seite 49 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Richard Tauber 2× ep/1025682
- Abraham Goldfaden 1× ep/1003135
- Arthur Sakheim 1× ep/1023679
- Budapest 1× ep/1002374
- David Kalisch 1× ep/1023046
- Edmund Eysler 1× ep/1026017
- Franz Werfel 1× ep/1000003
- Friedrich Hollaender 1× ep/1004547
- Herman Jadlowker 1× ep/1004885
- Leontine Sagan 1× ep/1023661
- Max Reinhardt 1× ep/1025508
- Mischa Spoliansky 1× ep/1006154
- Raphael Löwenfeld 1× ep/1024052
- Yehudi Menuhin 1× ep/1025384
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Nikolai Rubinstein (1835—1881), Leopold Godowsky, Bruno Eisner, Paul Weingarten. Geiger: Max Hauser, Gustav Holländer, Arnold Rose, Yehudi Menuhin. Operette: Am Beginn der Entwicklung der Operette steht der Jude Jaques Offenbach, der gleichsam als Erfinder der ganzen Gattung angesehen werden darf (Orpheus in der Unterwelt 1858). Nach ihm treten erst um die Jahrhundertwende Juden auf diesem Gebiet führend hervor. In Wien: Edmund Eysler (Bruder Straubinger, 1901), Georg Jarno (Die Förster Christel, 1907), Oskar Strauß (Ein Walzertraum, 1907), Leo Fall (Die Dollarprinzessin, 1907), Jean Gilbert (Puppchen, 1912), Leo Ascher (Der Soldat der Marie, 1916), Leon Jessel (Schwarzwaldmädel, 1917). In Budapest: Emmerich Kalman (Die Czardasfürstin, 1910). Unter den Operetten- und Revuekomponisten der Nachkriegszeit sind Rudolf Nelson, Hugo Hirsch, Paul Abraham, Mischa Spolianski und Friedrich Holländer die bekanntesten. Von Operettensängern seien nur Fritzi Massary, Rosy Barsony, Maria Eisner, Eduard Lichtenstein, Max Hansen, Richard Tauber und Gittar Alpar genannt. Oper: Meyerbeer, Offenbach (Hoffmanns Erzählungen). Weniger bekannt ist der Anteil, den Juden an den Textbüchern vieler bekannter Opern haben. Verwiesen sei zunächst auf Daponte (Hochzeit des Figaro, Don Giovanni, Cosi fan Tutte), ferner auf Mosenthal (Die lustigen Weiber von Windsor) und Libbretist für Rubinsteins „Mackabäer“ und Kretschmers „Folkunger“ und Hoffmannsthal (Elektra, Rosenkavalier, Ariadne, Frau ohne Schatten). Weitere Beispiele: „Der Postillon von Loniumeau“ (Mitverfasser des Textes Leon Levi Brunswick, 1805/59; „Si j’etais roi“ (Librettist Adolphe-Philippe d’ Ennery, 1811/99), „Carmen“ (Mitverfasser Ludovic Halevy); Wagners „Fliegenden Holland p”“ liegt die Erzählung der Fabel in Heines „Memoiren des Herrn von Schnabelopski“ zugrunde, Verdis „Macht des Schicksals“ und „Simone Boccanegra“ verdanken ihren verspäteten Siegeslauf an deutschen Bühnen der Neuübersetzung von Franz Werfel; das Libbretto von Puccinis „Madame Butterfly“ und „Das Mädchen aus dem goldenen Westen“ sind nach Bühnenstücken von David Belasco bearbeitet. Hurhperdinks „Königskinder“ sind nach einem Märchenspiel von Ernst Rüsmer komponiert. Richard Strauß legte der „Salome“ den unveränderten Text Oscar Wildes in der Übersetzung von Hedwig Lachmann unter. Von Rudolf Lothar schließlich stammt das Textbuch zu „Tiefland“ und zahlreichen weiteren Opern d’Alberts u. a. morderner Komponisten. Theater: Die Anfänge eines speziell jüdischen Theaters sind in den Purimspielen im 18. Jahrhundert zu finden. Im modernen Sinn eines Berufstheaters schuf Abraham Goldfaden. Der Anteil der Juden am deutschen Theater war stark, wenn auch nicht so stark, wie vielfach angenommen wird. Staatliche und städtische Bühnen standen vor 1918 nie, nachher selten unter jüdischer Leitung. Die Privattheater der Großstädte allerdings wurden vielfach von Juden geleitet. In Berlin begründete 1824 Karl Friedrich Cerf (1782—1845) als erste Privatbühne die Königsstädtischen Theater. Theatergeschichtlich bedeutsam sodann Adolf L’Arronge, Otto Brahm, Max Reinhardt, Leopold Jeßner. In zweiter Linie Siegmund Lautenburg (Residenztheater), Oscar Blumenthal, Ludwig Barnay, Raphael Löwenfeld, Victor Barnowsky, Carl Meinhardt und Rudolf Bernauer, Eugen Robert (Tribüne), Maximilian Sladek (Großes Schauspielhaus) u. a. Beispiele aus anderen Städten: Bernhard Pollini in Hamburg, Angelo Neumann (1838—1910) und Heinrich Teweles (1856—1927) in Prag, Max Bruck in Frankfurt und Köln Regisseure (außer den bereits genannten'Direktoren): Heinrich Marr (1797—1871), Ludwig Chronegk (1837—1891, Regisseur der „Meininger“), Emil Claar (1842—1930), Albert Heine (1874—1908), Erik Charell, Dramaturgen (1862—1932), Felix Hollaender, Arthur Sakheim, Heinz Lipmann (1897—1930) u. a. — Groß ist der Anteil jüdischer Unternehmer in USA: Oscar Hammerstein (1847—1919), Heinrich Conried (1855—1909, Direktor der Metropolitan Opera New York), David Belasco (geb. 1859), Morris Gest (geh. 1881) sind Theater-Magnaten großen Stils. Sänger und Sängerinnen: Jüdische Sänger und Sängerinen haben die Opernbühne und den internationalen Konzertsaal in gleicher Weise bereichert. Genannt seien aus der Vergangenheit: der englische Tenor John Braham (1774—1856), der erste Hüon in Webers „Oberon“; der Prager Baßbariton Franz Hauser (1794—1870), besonders in den 30er Jahren sehr gefeiert; die Sopranistinnen Sabine Heinefetter (1809—1872), Pauline Lucca (1841—1908), die erste „Afrikanerin“ und Charitas Bianca Bianchi (geb. 1858); die Tenöre Paul Kalisch (geb. 1855), Sohn von David Kalisch, Robert Philipp (1852—1933), Nicolaus Rothmühl (1857—1926) und Josef Mann (1879 bis 1921); die Baritone Leopold Demuth (1861—1910), Desider Zador (1863—1931) und Josef Schwarz (1880—1926). Gegenwart: Wilhelm Guttmann, Hermann Jadlowker, Alexander Kipnis, Emanuel List, Hermann Schey, Josef Schmidt, Friedrich Schorr, Richard Tauber: Sängerinnen: Gitta Alpar, Lola Beeth, Julia Culp, Irene Eisinger, Selma Kurz, Lotte Leonhard, Paula Lindberg, Berta Morena, Lotte Schöne, Vera Schwarz und viele andere. Film: Während die jüdische Abstammung der an der Erfindung der Kinematographie maßgebend beteiligten Brüder Lumiere bestritten ist, haben an der Erschließung des Films Juden besondere Verdienste. Frühester weltbekannter Filmstar: Max Linder. Auf den Schriftsteller Leo Leipziger (Roland von Berlin) geht die Gründung des ersten Kinematographen in Berlin im Mai 1896 (Gewerbe-Ausstellung), Unter den Linden, zurück. Zu den ersten Besitzern großer Wanderkinos gehörte Carl Gabriel. Den ersten Kino-Konzern in Deutschland schuf Paul Davidson (1886—1927). Er gehört mit Hermann Fellner und Hans Lippmann auch zu den Organisatoren der amerikanischen Industrie, an deren Aufbau Warner Bros, William Fox, Samuel Goldwyn, Carl Laemmle, Marcus Loew, Louis B. Mayer, Josef Schenk, Adolf Zuckor beteiligt sind. Als Regisseure wirkten: Kurt Bernhardt, Erik Charell (Der Kongreß tanzt), Paul Czinner, E. A. Dupont (geb. 1891, Variete, Atlantic), S. M. Eisenstein (Potemkin, Generallinie), Alexander Korda (Tänzer meiner Frau), Fritz Lang (geb. 1890, Der Müde Tod, Dr. Marbuse, Metropolis), Paul Leni (1885—1919), Benoit Levy (La Maternelle), Ernst Lubitsch (geb. 1882, Madame Dubarry, Ehe im Kreis), Max Mack (geb. 1884, Lieblingsfrau des Maharadscha, Katzensteg), Rüben Mamoulian^ Joe May (geb. 1880, Das indische Grabmal), Manfred Noa (1893—1930, Nathan der Weise), Richard Oswald, G. W. Pabst (Die freudlose Gasse), Lupu Pick (1886—1931, Scherben, Napoleon), Leontine Sagan (Mädchen in Uniform), Hanns Schwarz, Wilhelm Thiele (geb. 1890), Friedrich Zelnik (geb. 1885, Die Mühle von Sanssouci). Darsteller gr o.ß en Formats: Chaplin Coogan, Bergner; glänzende Charakterdarsteller: Ernst Deutsch, Carl Goetz, Leonhard Haskel, Fritz Kortner, Rudolf Schildkraut, Rosa Valetti, Hermann Valentin; Stars: Gitta Alpar, Franziska Gaal; Komiker: Siegfried Arno, Felix Bressart, Max Ehrlich, Julius Falkenstein (1879—1933), Fritz Grünbaum, Paul Morgan, Szöke Szakall, Otto Wallburg. Filme mit jüdischen Themen: schon in den Vorkriegsanfängen „Der Shylock von Krakau“ und „Golem“; später „Ritualmord“ (1919), „Glaubensketten“, „Der Golem” (2. Fassung 1920), „Kaddisch“, „Seine Söhne“, „Das alte Gesetz“ (1923), „Graf Cohn“ (1924). Tonfilme: „Jazzsänger“, „Affäre Dreyfuß“, „Zwei Welten“. Musiker: Paul Abraham, Paul Dessau, Werner R. Heymann, Friedrich Hollaender, Mischa Spoliansky. Autoren: Norbert Falk (1873—1932, Madame Dubarry, Anna Boleyn, Weib des Pharao), Hermann Kosterlitz, Adolf Lantz (Katzensteg), Carl Mayer (Kabinett des Dr. Caligari, Der letzte Mann), Walter Reisch. Kameramänner: Curt Courrant, Carl Freund. Tonfilm. Bekanntmachung der Militärregierung Nr. Fin./2655/3 Betr.: Disposition über beschlagnahmte Möbel. Die Militär-Regierung hat unter dem 5. 7.. 1946 auf Grund unserer Intervention folgendes verkündet: 1. Es sind Differenzen festgerteilt worden zwischen den verschiedenen Regierungsbezirken in Fällen, wo Mobiliar von Personen, die auf der schwarzen Liste stehen und die inzwischen an politisch und rassisch Verfolgte oder Flüchtlinge gegeben waren, zurückverlangt werden von ihrem Eigentümer oder demjenigen, der aus der Haft entlassen ist. 2. Im Regierungsbezirk Aachen hat der Housing Officer dem deutschen Wohnungsamt die Anweisung erteilt, daß Schlafzimmer und Küchen nur dann zurückgegeben werden 49