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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-07-10 · 7 (10.7.1946) · p. Seite 42

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
7 (10.7.1946)
Date
1946-07-10
Page
Seite 42 (sequence 6)
Language
German
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Erholungsheim Wülfrath Am Sonntag, dem 30. Juni 1046, fand die feierliche Einweihung des Erholungsheimes für die Opfer des Faschismus in Wülfrath, Stiftsstraße 9, statt. Die Feierstunde wurde durch ein Streichquartett eingeleitet. Alsdann begrüßte Emst Saal wächter, der Vorsitzende der Vereinigung ehemaliger politischer Konzentrationäre und politisch Inhaftierter, die Erschienenen und erteilte dem Vertreter des Herrn Oberpräsidenten, dem Leiter der Wohlfahrtsorganisation im Oberpräsidium, Herrn S t ö w e r, das Wort. Herr Stöwer bekundete in seinen Ausführungen die Notwendigkeit der Unterstützung der ehemaligen KZ.-Häftlinge und versprach die weitgehendste Unterstützung des Oberpräsidiums. Ihm folgte Herr Regierungspräsident Dr. Neckar. Herr Dr. Neckar meinte, daß die ehemaligen KZ -Häftlinge die Ehrenbürger der Nation seien. Auch er betonte den Willen der Regierung, dieses politische Heldentum damit zu ehren, daß man jede Gelegenheit wahrnehmen müßte, um die Mitarbeit dieser Kräfte in Staat, Verwaltung und Wirtschaft zu erhalten. Dann sprach Herr Dr. Auerbach, Düsseldorf, und bedauerte, daß er den Ausführungen seiner Vorredner nicht folgen könne, da wir noch weit davon entfernt sind, in den weitesten Kreisen der Bevölkerung und leider auch bei den Regierungsstellen und Behörden so angesehen zu werden, wie es der Herr Regierungspräsident ausführte. Im Gegenteil, man käme sich manchmal vor wie ein entlassener Zuchthäusler und nicht wie ein Ehrenbürger der Nation. Der Redner meinte, daß es wohl nicht an dem Willen der KZ.-Leute liegt, wenn sie nicht in den Stellen von Staat, Verwaltung und Wirtschaft stehen, wo heute noch die Plätze mit Leuten besetzt sind, die durchaus nicht so positiv zum Staat stehen, wie diejenigen, die durch die harte Schule der Konzentrationslager gegangen sind. Herr Dr. Auerbach überbrachte die Grüße *der übriggebliebenen Juden Deutschlands und versicherte seine Dankbarkeit für die aufopfernde Kameradschaft der deutschen politischen KZ.-Häftlinge ihren jüdischen Kameraden gegenüber. Er streifte kurz die Frage der Wiedergutmachung, die noch in gar keiner Weise vorgenommen ist und übergab mit den Dichterworten Heinrich Heine’s „Ein Haus für arme, kranke Juden, Geschlagen mit einem dreifach Leid Arm, krank und Jude“ dieses herrliche Heim seiner Bestimmung. Sein Dank galt den unermüdlichen .Mitarbeitern des Ausschusses, Herrn Saalwächter, Herrn Melchers und Herrn Lüttc h e s, die in opferbereiter Kameradschaft mehr als ein Jahr schon die Geschäfte der Vereinigung führen. Sein Dank galt nicht zuletzt Herrn Dr. Frenkel vom Oberpräsidium, dem das Gelingen dieses Werkes mitzuverdanken ist. Dann sprach Herr Bürgermeister Heinrichs von Wülfrath Begrüßungsworte im Namen der Gemeinde und danach — ein Erlebnis. Wolfgang Langhoff, der. Generalintendant der Düsseldorfer Theater, liest aus seinem eigenen Werke „Die Moorsoldaten“. Die Anwesenden sind so tief beeindruckt von dem hervorragenden Inhalt und der künstlerischen Leistung des Vortrages, daß man sich keine bessere Einleitung dieses Werkes denken konnte, als die vom Verfasser des „Moorsoldaten“ selbst meisterhaft vorgetragene Schilderung des Lagerlebens. Besonders erfreut waren die Teilnehmer über das Begrüßungstelegramm des Britischen Roten Kreuzes, Düsseldorf, die auch in dankenswerter Weise bei dem Aufbau des Heimes mitgeholfen haben. Der Wortlaut des Telegramms ist wie folgt: „Wir wünschen Ihnen jeden Erfolg mit Ihren Bemühungen, um die Leiden Ihrer Leute zu erleichtern. Möge Ihr Werk mit dem größten Erfolg gekrönt sein.“ gez. Wellins Britisches Rotes Kreuz, Düsseldorf. Ein Rundgang zeigte den Besuchern die hervorragende Einrichtung des Heimes und ein bescheidener Imbiß versammelte noch die zur Feierstunde Gekommenen in zwangloser Unterhaltung. Kindererholungsheim Ochtmissen bei Lüneburg Der Jewish Relief Unit hat dem Landesverband der jüdischen Gemeinden der Nord-Rheinprovinz in dankenswerter Weise 20 Plätze zur Verfügung gestellt, um während der nächsten Monate den Kindern Gelegenheit zu geben, sich zu erholen. Der Landesverband der jüdischen Gemeinden hat mit der Aufgabe unsere Wohlfahrtsdezernentin Frau Dreyfuß betraut, damit den Kindern eine gute Erholung zuteil wird, um bei guter Luft und kräftiger Ernährung ihnen über die Leiden der letzten Jahre hinwegzuhelfen. Wir haben einen Lehrer und eine Krankenschwester als Kindergärtnerin zur Verfügung stellen können und ist damit die Gewähr geboten, daß den Kindern auch in geistiger wie in materieller Hinsicht die notwendige Aufsicht zuteil wird. Anmeldungen der Kinder aus der Nord-Rheinprovinz und Westfalen sind zu richten an die Wohlfahrtsdezernentin Frau Dreyfuß, beim Landesverband der jüdischen Gemeinden in Düsseldorf, Königsallee 27. Verwüstete Friedhöfe Noch heute gibt es in Deutschland und auch in unseren Provinzen jüdische Friedhöfe, die noch in Schutt und Asche liegen und daher ergeht unser Aufruf an unsere Mitglieder und Freunde, dem Landesverband der jüdischen Gemeinden der Nord-Rheinprovinz die Stätten der Pietät zu benennen, die in unwürdigem Zustand sind, damit wir die Wiederherstellung in die Wege leiten können. In der Nord- Rheinprovinz sind erfreulicherweise die meisten Friedhöfe wieder instandgesetzt. Der Friedhof in Hamborn läßt noch zu wünschen übrig und es ist uns ein besonderes Vergnügen mitteilen zu können, daß der Herr Regierungspräsident in Düsseldorf uns unter dem 21. 6. 1946 folgendes schreibt: „Auf Ihr Schreiben vom 18. ds. Mts. habe ich den Oberbürgermeister in Duisburg ersucht, für eine baldige würdige Instandsetzung des jüdischen Friedhofes im Stadtteil Hamborn Sorge zu tragen. Ich hoffe, daß Ihren Wünschen nunmehr entsprochen wird.“ Desgleichen ist dafür Sorge getragen, daß der alte jüdische Friedhof in Wesel wieder in ehrwürdiger Weise hergestellt wird. Mit Abscheu und Empörung müssen wir feststellen, daß in unserer Nachbarprovinz Westfalen, die Friedhöfe in Schwerte und Lüdenscheid u. a., erneut von Bubenhänden geschändet worden sind. Wir richten unseren Aufruf an jeden anständigen Deutschen und an die Regierungen der Länder, die Verwaltung der Städte und die politischen Parteien, daß wir es nicht gutheißen können, daß man das Andenken Gestorbener und Ermordeter in dieser Weise schändet. Wir appellieren an die Erziehungsberechtigten und an die Schwesterreligionen, der Jugend den Weg zu weisen, um vor der Majestät des Todes die sAchtung zu haben, die den Toten gebührt. Ein Volk, daß die Majestät des Todes nicht achtet, hat das Recht verwirkt, für sich Achtung verlangen zu dürfen. Die Zeiten des Mordterrors, der Mißachtung der Persönlichkeit und Niederwerfung der Menschlichkeit sind vorüber und das hohe Gefühl für religiöse Besinnlichkeit, für Pietät und Ehrfurcht muß auch unsere Jugend wieder zurückgewinnen. Wir wissen uns hiermit einig mit den Führern der katholischen und protestantischen Kirche und mit allen anständigen Deutschen, und wir hoffen, daß dieser Ruf der letzte sein wird, den wir genötigt sind, erschallen zu lassen. Düsseldorf, den 2. Juli 1946. Der Landesverband der jüdischen Gemeinden der Nord-Rheinprovinz. Friedrich Leander und Frau Rosa geh. Leib danken herzlichst für die anläßlich ihrer silbernen Hochzeit erwiesenen Aufmerksamkeiten. Bonn, Hindenburgstraße 149, im Juni 1946. Das Kulturdezernat teilt mit: 1. Wir sind im Besitze von Listen mit 60 000 Namen von befreiten Juden aus verschiedenen KZ.-Lägern. Diese Listen sind in der Stoffeier Straße 11 (Kulturdezernat) in der Sprechstunde von 10—12 Uhr einzusehen, 2. Mit Freude teilen wir mit, daß in Düsseldorf eine Sportgruppe bei der Gemeinde eröffnet ist. Wir sind im Besitze verschiedener Sportgeräte und geben damit unseren Gemeindemitgliedern die Möglichkeit, am Sportleben teilzunehmen. Wir wenden uns an alle unsere Gemeindemitglieder, welche hieran Interesse haben. Diese wollen sich im Kulturdezernat Stoffeier Straße 11, in den Sprechstunden von 10—12 Uhr melden. 3. Hebräische Stunden und Jüdische Geschichte,' auch für Erwachsene, finden Montags und Donnerstags um V2Ö Uhr im Kulturdezernat, Stoffeier Straße 11, statt. Für Fortgeschrittene im Hebräischen findet die Stunde um 6 Uhr statt. 42

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