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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-06-25 · 6 (25.6.1946) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
6 (25.6.1946)
Date
1946-06-25
Page
Seite 34 (sequence 6)
Language
German
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Wir betrachten es als eine Ehrenpflicht, daß di© verwaisten Gräber sobald als möglich in Ordnung gebracht werden. Es steht jedem Mitglied frei, sich solcher Gräber anzunehmen, deren Angehörige sie selbst gekannt haben. Synagogen-Gemeinde Düsseldorf. Notiz Das Central Jewish Committee sucht für ihr Archiv Material aus der Zeit der Judenverfolgung. Unsere Leser werden gebeten, ihre Erlebnisse, insbesondere aus KZ. und Gettos, zur Vervollständigung des Archivs an uns einzusenden. Landesverband der jüdischen Gemeinden der Nord-Rheinprovinz. 1. Vorsitzender: Dr. Ph. Auerbach. Aus aller Welt Moskau. Michail Kalinin, der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion, ist am Montag seinem langwierigen Leiden erlegen, wie der Moskauer Rundfunk bekanntgab. Im Alter von 73 Jahren hat Präsident Kalinin am 19. März dieses Jahres aus Gesundheitsgründen sein Amt als Präsident des Obersten Rates der Sowjetunion abgegeben. Bukarest. Der frühere Staätsführer und Marschall Jon Antonescu und die ehemaligen Minister Mihail Antonescu, Constantin Vasilliu und George Alexianu wurden am Samstag in Jilava hingerichtet, nachdem König Michael II. ihre Gnadengesuche auf Anraten der rumänischen Regierung verworfen hatte. USA. Die Regierung der USA. hat mit den Araberstaaten und der „Jewish Agency“ die Besprechungen über den Bericht der anglo-amerikanischen Palästinakommission aufgenommen. München. Eine jüdische Volksschule und ein jüdisches Gymnasium wurden in München eröffnet. München. Die Auswanderung von jüdischen Verschleppten und Deutschen jüdischer Religion soll in Zukunft durch die Errichtung eines Zentralbüros der j,Hias“ in München und durch Zweigstellen in anderen ‘deutschen Städten erleichtert werden. Herford. Der frühere Stellvertreter von Himmler, der ehemalige SS-Obergruppenführer und Leiter des Verwaltungs- und Wirtschaftsamtes der SS, Hermann Pohl, wurde am Dienstag von der britischen Fahndungsabteilung festgenommen. Pohl, der in einem kleinen Dorf bei Bremen in der Landwirtschaft arbeitete, wurde zunächst nur wegen eines Verstoßes gegen die Gesetze der Militärregierung verhaftet. Er leugnete seine Identität und versuchte schließlich, aus seiner Westentasche einen Giftbehälter zu ziehen. Pohl ist neben Bormann der wichtigste Kriegsverbrecher, den die alliierten Behörden seit Kriegsende suchten. Ihm unterstanden als Leiter des Wirtschaftsamtes der SS. sämtliche Konzentrationslager. Pohl wird voraussichtlich Ende der Woche nach Nürnberg gebracht werden, um dort als Zeuge vernommen zu werden. Sowohl in Nürnberg als auch in anderen Kriegsverbrecherprozessen hatten ihn die Angeklagten als den Mann bezeichnet, der für die Ermordung von zwanzig Millionen Menschen in Konzentrationslagern ganz Europas verantwortlich ist. Rastatt. Im Prozeß gegen die Wachmannschaften des Konzentrationslagers Neue Bremme wurden 14 Angeklagte wegen Vergehens gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt, 20 Angeklagte, darunter 5 Frauen, erhielten Gefängnisstrafen von 3—15 Jahren. Das Gerichtsverfahren wurde in Rastatt durchgeführt; es war der erste Kriegsverbrecherprozeß in der französischen Zone. Celle. Im Celler Kriegsverbrecherprozeß gegen Angehörige des Personals verschiedener Frauenkonzentrationslager wurde das Urteil gefällt. Drei der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, gegen fünf wurden Gefängnisstrafen bis zu 15 Jahren verkündet. Mauthausen. Die Häftlinge des Lagers Mauthausen forderten die Rückgabe ihres Gutes sowie Vergütung von Am 3. Juni 1946 verschied nach langem Leiden meine liebe Mutter, unsere gute Großmutter Frau Wwe. Albert Italiander Emma, geb. Grünewald im Alter von 807a Jahren. In tiefer Trauer: Frau Martha Hildach Günter, Werner und Lilo Hildach Krefeld-Bockum, im Juni 1946 Grotenburgstraße 149 20 v. H. von allen Firmen, die Häftlinge beschäftigt haben. Außerdem soll ihnen ihr Gut zurückgegeben werden, welches sich noch in den Händen von Angehörigen von SS-Wachmannschaften befindet. Berlin. Am Grabe des ehemaligen Reichskanzlers und Reichsaußenministers Gustav Stresemann auf dem Luisenstädtischen Friedhof in Berlin fand erstmals wieder an seinem 68. Geburtstage eine Gedenkfeier statt. Der ehemalige Reichstagsabgeordnete Beythien wies auf die weltpolitische Voraussicht Stresemanns hin, der die Forderung der gewandelten Zeit nach dem ersten Weltkriege erkannt habe. Eine Genugtuung sei es, daß sein Name wieder öffentlich genannt werde.' Der jüdischen Gemeinde in Berlin wurde im Rahmen einer ergreifenden Feier in der Iranischen Straße 3 die zweite Synagoge übergeben. Sie wurde aus den Trümmern sämtlicher Berliner Synagogen geschaffen und ist ein Werk Leo Fiedlers, der sich diese Aufgabe als Lebensziel gesetzt hatte. Neben der jüdischen Gemeinde waren Vertreter der französischen Militärregierung anwesend, unter ihnen General Lanson. Ferner überbrachten Oberrabbiner Dr. Rosenberg und Rabbiner Dr. Friedmann aus New York Grüße der jüdischen Brüder aus Amerika. Auch Oberbürgermeister Dr. Werner und Ottomar Geschke, der Leiter des Hauptausschusses für die Opfer des Faschismus, waren gekommen. Sie sprachen die Hoffnung auf eine enge und herzliche Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde aus. Der feierliche Weiheakt wurde vom Rabbiner Riesenburger vollzogen, der diese Stunde vor allem dem Gedenken der 6V4 Millionen jüdischen Opfer widmete, an die eine Tafel in der Synagoge ständig mahnen wird. Gedenkstunde für Karl Etlinger. Umrahmt von festlicher Musik fand im Hebbel-Theater eine Totenfeier für Karl Etlinger statt. Alle Schauspieler des Theaters hatten auf der kerzenerhellten Bühne Platz genommen und aus dem Nachlaß des Künstlers las man einiges aus eigenen Gedichten, einiges aus Werken anderer Autoren, die ihm besonders lieb waren, Lenau, Liliencron, Hölty. Man erzählte von seiner Arbeit, seinem schauspielerischen und filmischen Schaffen und aus seinem Leben, das besonders in den letzten zwölf Jahren schwer und entsagungsvoll war, da seine Frau Jüdin war. Er trennte sich niemals von ihr, weil ihre menschlich-seelische Gemeinschaft über alle Schwierigkeiten hinweg bestehen mußte aus innerer Notwendigkeit. Geduldig stand er jahrelang im Schatten des Geschehens, ein Zurückgesetzter, Angefeindeter. Das minutenlange ergriffene Schweigen am Schluß der Veranstaltung war ein letzter Gruß an den toten Freund und Künstler. Dachau. Als letzter von 28 Angehörigen des Lagerpersonals des Konzentrationslagers Dachau, die für den Tod von 300 000 Häftlingen des KZ. schuldig gesprochen wurden, ist der Lagerkommandant Martin Gottfried Weiß hingerichtet worden. Die übrigen Verurteilten wurden in zwei Gruppen durch den Strang hingerichtet. 34

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