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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-06-07 · 5 (7.6.1946) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
5 (7.6.1946)
Date
1946-06-07
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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Das Bedürfnis für Frieden in Palästina. Empfehlung Nr. 10 Sollte dieser Bericht angenommen werden, empfehlen wir, daß den beiden, Juden wie Arabern, über alle Zweifel erhaben klar gemacht wird, daß jeder Versuch von der einen oder anderen Seite durch Gewaltdrohung, Terror, durch Organisationen oder Gebrauch ungesetzlicher Armeen diesen Bericht an seiner Ausführung zu verhindern, mit Entschlossenheit unterdrückt werden wird. Fernerhin geben wir unserer Meinung Ausdruck, daß die jüdische Tätigkeit sofort ihre aktive Zusammenarbeit mit dem Mandatar aufnehmen soll, um den Terror und die ungesetzliche Einwanderung zu unterdrücken und um Gesetz und Ordnung in ganz Palästina aufrechtzuerhalten, was ja so notwendig für das Wohl aller und auch für die neuen Einwanderer ist. Appendix II Europäische Judenschaft — Lage in verschiedenen Ländern. Deutschland 1. In 1933 befanden sich der Zählung gemäß 499 682 Personen jüdischen Glaubens in Deutschland, wovon 400 935 deutscher Nationalität waren. Zwischen 1933 und 1941 konnten ungefähr 300 000 Personen nach anderen Ländern auswandern, obgleich viele später durch die verschiedenen Nazieroberungen wieder eingeholt wurden. 2. Nach unseren Auskünften sind jetzt ungefähr 74 000 jüdische verdrängte Personen und Wanderer in Berlin und in den amerikanischen, britischen und französischen Zonen Deutschlands. (Britische Zone: 15 600, französische: 1600, amerikanische: 54 000, Berlin: 3000). Von diesen sind ungefähr 52 500 in den Zentren, der Rest lebt außerhalb. In der britischen Zone sind ungefähr 11 700 in Zentren, 9000 befinden sich in Hohne. In der amerikanischen Zone sind sie über verschiedene Zentren verteilt, wovon unser Unterausschuß neun besucht hat. 3. Von der nicht deutschen jüdischen Bevölkerung sind 85°/o Polen, der Rest ist hauptsächlich von den baltischen Staaten, Ungarn und Rumänien. 4. Im Zusatz von verdrängten Juden befinden sich ungefähr 20 000 einheimische Juden in Deutschland. Beweise wurden uns vorgelegt, daß deutsche Juden, welche aus den Konzentrationslagern entlassen und von Zwangsarbeit befreit worden sind, großen Schwierigkeiten gegenüberstehen, einen Platz im Leben des Landes zu finden. Wenige ihrer Gemeinden haben alles überlebt. Zum Beispiel von einer Gemeinde in Stuttgart blieben von 4500 nur noch 178 übrig, und unter diesen nur noch zwei Kinder. Obgleich es der feste Entschluß der Militärregierung ist, jede Form von Nazismus zu beseitigen, und den Juden Vorrang über andere verfolgte Personen, was Wohnung, Nahrung und , „Kleidung .etc. betrifft, gegeBen" "istT sind die deutschen Juden natürlich' stets über die Zukunft, wenn solche Regierungen nicht mehr vorhanden sind, besorgt. Antisemitismus ist traditionell in Deutschland. In einigen deutschen Kreisen besteht viel Scham und der Wunsch des Wiedergutmachens, aber in anderen Kreisen besteht dap Empfinden, daß jetzt, wo die Synagogen und alle Spuren jüdischen Lebens zerstört worden sind (nur ein Rabbiner ist in ganz Deutschland überlebend geblieben) kein Versuch gemacht werden soll, jüdisches Leben wieder aufkommen zu lassen und so den Anlaß zur Möglichkeit der Wiederholung vergangener Vorfälle zu geben. 5. Die Juden selbst empfinden, daß ihre Zukunft sehr dunkel ist, da die meisten ihrer Kinder umgekommen sind. Die besser erzogenen, besonders die fachmännischen Juden, mit denen wir sprachen, scheinen ein Interesse am Aufbau der Gemeinden zu haben und sind gewillt zu bleiben um zu helfen. Wir vermuten, daß diese Bewegung im Entwickeln ist, wir erkennen jedoch an, daß einige unglückliche Vorfälle eventuell eine Panik verursachen könnten, und so eine Änderung der Ansichten hervorrufen würden. Das große Bedürfnis scheint die Wiedergabe von Besitz und finanzielle Unterstützung für ihren Unterhalt zu sein. Ihr Mangel an Mitteln trägt stark zu ihrer Abneigung bei, den Versuch zu machen, in Deutschland zu bleiben, wenn sie sich auch unter Freunden befinden. Der deutsche Staatsverwalter jüdischer Interessen in Bayern hat scharf erkannt, welch wichtige Rolle die Juden im deutschen Handel und in der Industrie spielen. Er gab klar zu verstehen, daß die wirkliche Absicht besteht, den Juden jedmögliche Ermutigung zu bieten, sich wieder zu reetablieren. Sollten jedoch bessere Beschäftigungsgelegenheiten nicht bald gefunden werden, ist es mehr als wahrscheinlich, daß wenige der deutschen Juden im Lande 4 zu verbleiben wünschen. UNITED STATES CIRCUIT COURT OF APPEALS Fifth Judicial Circuit Dieser Bericht wurde uns mit folgendem Schreiben an den Vorsitzenden des jüdischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden übersandt: Joseph C. Hutcheson. Dr. Philipp Auerbach, ä Düsseldorf Sehr geehrter Herr Dr. Auerbach! Ich richte diese Zeilen an Sie, um Ihnen mitzuteilen, daß ich wegen Ihrer Angelegenheit mit Colonel Thicknesse gesprochen habe. Ich gab ihm Ihre Karte und gestand ihm, welch außerordentlich günstigen Eindruck Sie auf mich machten, und daß Sie ungefähr die gleichen Ansichtbar vertraten wie ich, hinsichtlich der Juden, die Deutschland nicht verlassen, sondern in diesem Land wieder ihre Existens aufbauen wollen. Ich bat ihn, sich der Angelegenheiten anzunehmen, die Sie mir gegenüber dargelegt haben. Ich hoffe, daß Sie auch weiterhin auf Ihrem Posten verbleiben und der jüdischen Gemeinde, die Sie uns gegenüber so ausgezeichnet vertreten haben, verhelfen, wieder auf die Beine zu kommen. Hochachtungsvoll gez. J. C. Hutcheson. Der Präsident des Amerikanischen Jüdischen Kommittees Josef M. Proskauer, gab eine Erklärung ab, in welcher er Präsident Truman und dem anglo-amerikanischen Untersuchungskommitee für Palästina für die Bereitwilligkeit dankte, sich dafür einzusetzen, daß 100 000 Juden sofort nach Palästina einwandern dürfen und daß das Britische Weißbuch wieder aufgehoben wird. Josef M. Proskauer führte u. a. aus: Anläßlich des Studiums dieses Berichtes, der vom angloamerikanischen Untersuchungs-Kommittee herausgegeben wurde, gilt das Gefühl tiefster Dankbarkeit Präsident Truman für die Bereitschaft, dafür einzutreten, daß 100 000 Juden sofort nach Palästina einwandern dürfen. Die in diesem Bericht für diese Aktion vorgesehenen Maßnahmen sind ein Beweis für die höchste staatsmännische Kunst und die hohen Ziele der Humanität. In diesem Bericht wird nicht nur die Einreisegenehmigung für 100 000 neue Einwanderer, sondern auch noch eine weitere Einwanderungsquote darüber hinaus vorgeschlagen. Der Bericht tritt fernerhin für die Aufhebung des Britischen Weißbuches und der Beseitigung von ungerechten Einschränkungen beim Landerwerb ein. Es muß jeden rechtlich denkenden Menschen, so führt J. M. Proskauer aus, mit Befriedigung erfüllen, daß die sechs britischen Mitglieder des Kommittees mit ihren amerikanischen Kollegen an einem Bericht zusammengearbeitet haben, der eine Änderung in der bisherigen britischen Politik zur Folge haben soll. Die Verwaltung Palästinas unter einer beabsichtigten treuhänderischen Aufsicht der Vereinten Nationen kann für den Staat nur heilsam sein und gewährleistet Frieden, Gerechtigkeit und Wohlfahrt für alle Bewohner. Wir begrüßen aufrichtig die im Bericht erwähnten Maßnahmen für die Besserung der Beziehungen zwischen Arabern und Juden und für die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas im Interesse aller. Dem Kommittee kann man nur seine Anerkennung dafür zollen, daß es den Gedanken propagiert, alle Länder in dem Ziel zu vereinen, die verhältnismäßig kleine Quote der Einwanderer aufzunehmen und so die Not und das Elend, welche an den elenden Plätzen auf dem europäischen Kontinent herrschen, zu beheben. Es ist zu hoffen, daß der zwischen Arabern und Juden bestehende Gegensatz im Sinne von Dr. Weizmann behoben wird, der 1936 ausführte: Es gibt eine unabänderliche Voraussetzung, die sowohl für Araber als auch für Juden gilt, und das ist, daß keiner 23

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