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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-06-07 · 5 (7.6.1946) · p. Seite 22

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
5 (7.6.1946)
Date
1946-06-07
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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Bericht des Anglo-Amerikanischen Untersuchungsausschusses über die Probleme der Europäischen Judenschaft und über Palästina Wir bringen unseren Lesern den uns zugegangenen Bericht des Anglo-Amerikanischen Untersuchungsausschusses zur Kenntnis. Kapitel I Das Europäische Problem Empfehlung Nr. 1 Wir müssen berichten, daß die von uns erhaltene Auskunft über Länder, Palästina ausgenommen, keine Hoffnung auf tatkräftige Unterstützung gibt, eine Heimat für die Juden zu finden, welche Europa gerne verlassen möchten oder dazu gezwungen sind. Palästina kann jedoch nicht die Auswanderungsbedürfnisse der jüdischen Opfer der Nazi- und Faschisten Verfolgung alleine decken. Die ganze Welt teilt die Verantwortung für sie und zwar für die Wiederansiedlung aller „Verdrängten Personen“. Wir empfehlen deshalb, daß unsere Regierungen in Gemeinschaft mit anderen Ländern zusammen sofort Schritte unternehmen für alle solche „Verdrängte Personen“, ohne Rücksicht auf deren Glauben und Nationalität, deren Bande mit ihren früheren Angehörigen für alle Zeiten zerrissen worden sind, eine neue Heimat zu finden. Wenn auch die Auswanderung die Probleme einiger der verfolgten Opfer lösen wird, wird doch eine überwältigende Anzahl, darunter viele Juden, in Europa weiterleben. Wir empfehlen deshalb, daß sich unsere Regierungen sofort bestreben, daß die Bestimmung des „United Nation Charter“ in Kraft tritt, sicherzustellen, in der es heißt: Allgemeine Achtung und Wahrung menschlicher Rechte, grundsätzliche Freiheit für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder Religion. Einwanderung von Flüchtlingen in Palästina, Empfehlung Nr. 2 Wir empfehlen (A), daß 100 000 autorisierte Bescheinigungen für die Aufnahme von Juden in Palästina ausgestellt werden, die Opfer der Nazi- und Faschistenverfolgung gewesen sind. (B) Daß diese Bescheinigungen soviel als möglich für 1946 zuerkannt werden und daß die wirkliche Einwanderung so schnell als möglich vorwärts getrieben wird, wie es die Umstände erlauben. Regierungsprinzipien: Kein arabischer, kein jüdischer Staat. Empfehlung Nr. 3 Um ein für allemal die ausschließenden Ansprüche der Juden und der Araber auf Palästina zu beseitigen, erachten wir es als wichtig, eine klare Darstellung der folgenden Prinzipien zu machen: I. Der Jude soll nicht den Araber, und der Araber nicht den Juden beherrschen. II. Palästina soll weder ein jüdischer noch ein arabischer Staat sein. III. Die Form der Regierung, die zu guter Letzt aufgestellt wird, soll unter internationalen Garantien völlig die Interessen im heiligen Land der Christenheit und des muselmännischen und jüdischen Glaubens beschützen und wahren. So muß Palästina zu guter Letzt ein Staat werden, welcher die Rechte und Interessen der Muselmänner, Juden und Christen zugleich beschützt und den Einwohnern als ein Ganzes, die Eigenregierung in vollstem Maße gewährt, übereinstimmend mit den hier angeführten drei obersten Prinzipien. Mandat und Vereinigte Nationen Sackwalterschaft. Empfehlung Nr. 4 Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Feindseligkeiten zwischen Juden und Arabern und insbesondere die Entschlossenheit eines jeden die Herrschaft sogar notwendigerweise mit Gewalt an sich zu reißen, wo hierbei beinah mit Sicherheit zu rechnen ist, daß jedwelcher Versuch, einen unabhängigen palästinensischen Staat oder Staaten aufzustellen, zum Bürgerkrieg führen würde, und daß dies für den Frieden der Welt bedrohlich werden könnte. Wir empfehlen deshalb, daß bis zum Verschwinden der Feindseligkeiten die gegenwärtige Regierung Palästinas unter Mandat fortgesetzt wird in Erwartung der Vollziehung einer Sachwalterschaftsvereinbarung unter den Vereinigten Nationen. Gleichheit im Lebensstandard. Empfehlung Nr. 5 Beim ins Auge fassen einer schließlichen Selbstregierung, gemäß den drei festgelegten Prinzipien unter Empfehlung Nr. 3, empfehlen wir, der Mandatar oder Sachwalter soll das Prinzip proklamieren, daß arabischer wirtschaftlicher, erzieherischer und politischer Fortschritt in Palästina gleichbedeutend jüdischem Fortschritt ist, und daß Maßnahmen getroffen werden sollten, die Momentan bestehende Kluft zu überbrücken, um den Lebensstandard des Arabers auf das Niveau des Juden zu bringen. Zukünftige Einw^jiderungs-Po&e. Empfehlung Nr. 6 . Wir empfehlen in Erwartung einer baldigen Beziehung auf die Vereinten Nationen und die Ausführung einer Sachwalterschaftsvereinbarung, daß der Mandatar Palästina gemäß des Mandates verwalten soll, welches in Bezug auf Einwanderung erklärt, daß: „während die palästinensische Verwaltung die Rechte und Stellung anderer Teile der Bevölkerung sicherstellt, nicht voreingenommen ist und alles tun wird, um die jüdische Einwanderung unter passenden Bedingungen erleichtert“. Landpolice. Empfehlung Nr. 7 (A) Wir empfehlen, daß Land-Übertragungsbestimmungen von 1940 durch Bestimmung aufgehoben werden, basiert auf Freiheits-Policen im Verkauf, Verpachtung oder Landbenutzung, unabhängig von Rasse, Gemeinde oder Glaubensbekenntnis und hinreichenden Schutz bieten für die Interessen der Kleinbesitzer und Pächter. (B) Ferner empfehlen wir, Schritte zu unternehmen, um Bestimmungen, Landübertragungen, Pachten und Vereinbarungen zu nichte zu machen und zu verbieten, wenn diese hervorheben, daß nur Mitglieder einer Rasse, einer Gemeinde oder eines Glaubensbekenntnisses in Verbindung hiermit beschäftigt werden können. (C) Wir empfehlen, daß die Regierung genaue Überwachung der heiligen Orte und solche Lokalitäten, wie den See von Galilea und dessen Umgebung, ausübt und diese vor Entweihung und Benutzung schützt, welche das Gewissen frommer Menschen beleidigen könnte, und daß die hierfür erforderlichen Gesetze für diesen Zweck in Kraft gesetzt werden. Wirtschaftliche Entwicklung. Empfehlung Nr. 8 Verschiedene großzügige Pläne für die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung Palästinas sind uns für unsere Erwägung vorgelegt worden. Bei der richtigen Ausführung dieser Projekte, könnten diese nicht nur die Stellung des Landes in großem Maßstabe vergrößern, um damit die wachsende Bevölkerung zu unterstützen, sondern würden auch dazu beitragen, den Lebensstandard des Juden und Arabers zugleich zu erhöhen. Wir sind nicht in der Lage, die Zuverlässigkeit dieser spezifischen Pläne zu ergründen, wir können jedoch nicht stark genug unterstreichen, daß sie zunichte werden, wenn kein Friede in Palästina herrscht, ganz gleich, inwieweit diese Pläne technisch möglich sein werden. Überdies verlangt der volle Erfolg die Mitarbeit der benachbarten arabischen Staaten, da diese Projekte nicht allein für Palästina gelten. Wir empfehlen deshalb, daß die Überprüfung, Untersuchung und Ausführung dieser Pläne von Anfang an und weiterhin in voller Beratung und Zusammenarbeit nicht nur mit der jüdischen Tätigkeit, sondern auch mit den Regierungen der benachbarten direkt betroffenen arabischen Staaten geführt werden sollen. Bildung (Erziehung). Empfehlung Nr. 9 Wir empfehlen, daß im Interesse der Versöhnung der beiden Völker und der allgemeinen Verbesserung des arabischen Lebensstandards, das Bildungssystem für Juden sowie Araber neu gebildet wird, die Einführung einer Pflichterziehung einschließend.

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