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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-05-24 · 4 (24.5.1946) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
4 (24.5.1946)
Date
1946-05-24
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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Der erste Auswanderungstransport nach Amerika Anläßlich der Tagung der Arbeitsgemeinschaft der nordwestdeutschen Gemeinden fuhren unter Führung des Vorsitzenden der Gemeinde Bremen, Katz, die Beteiligten dei Gemeinde, sowie des Präsidenten des jüdischen Central Kommitees, Josef Rosensaft, begleitet von den beiden Präsidialmitgliedern Dr. Auerbach und Norbert Wollheim, in das Auswanderungsheim nach Bremen. Die amerikanischen Posten sahen die jüdischen Farben und ließen uns ungehindert hinein. Es herrschte große Aufregung, denn am nächsten Morgen sollte der Transport der ersten 900 Glücklichen über den großen Teich erfolgen. Wir besichtigten die vorbildlich sauber gehaltenen Speisesäle, die nach dem Muster der amerikanischen Selbstbedienungsrestaurants aufgezogen sind. Man merkt die Leitung unserer Brüder aus Amerika; alles ist amerikanisch, von der Kalorientafel bis zur elektrischen Spülmaschine. Überall empfindet man die Fürsorge für jeden Menschen, die soviel durchgemacht haben Wir kamen in die Wohnräume, die sauber und ordentlich vor uns lagen, und wenn wir zurückdachten an die Lager von Auschwitz und Buchenwald, Oranienburg und Belsen, dann empfand man so richtig den Unterschied, der in diesen zwölf Monaten liegt. Wir sprachen eine 79jährige Frau, aus Theresienstadt heimgekehrt, Mann und Kinder verloren, aber trotzdem voll Lebensmut für die Zukunft: „Ich will herüber nach Los Angeles zu meinen Kindern.“ Soviel Lebensbejahung nach diesem furchtbaren Erleben gibt auch uns Mut für die Zukunft und wenn inzwischen das erste Schiff dieser K. L.-Emigranten drüben ankommt, werden sie von uns künden und erzählen von denen, die nicht mehr unter uns weilen; sie werden die Zeugen dafür sein, was wir durchmachten und erlebten, was man anscheinend jenseits des Ozeans immer noch nicht begriffen hat. Es sollen weiterhin jede 14 Tage 900 bis 1000 Personen diesen Weg gehen. Es mag nicht angenehm klingen, nur 30 kg Gepäck mitnehmen zu dürfen und das Geld hierlassen zu müssen, aber immerhin, drüben winkt die Freiheit und vielleicht für viele die Erlösung von dem unendlichen Druck, der jahrelang auf uns lastete. Mit diesem ‘ersten Schiff, das an der Freiheitsstatue vorbeizieht, ziehen unsere Wünsche und Grüße für unsere Freunde in Amerika mit hinüber und gleichzeitig der Ruf: Vergebt nicht diejenigen, die hier weiterkämpfen für die Tradition der jüdischen Gemeinden. Jüdisches Leben in der nordfranzösischen Zone Seit kurzer Zeit hat man auch in der französischen Zone mit dem Aufbau der Gemeinden begonnen. Nachdem Koblenz den Anfang gemacht hatte, regte sich auch in Mainz und Trier wieder jüdisches Leben.-Wenn auch die Zahl der ehemals so stolzen Gemeinden am Rhein bis auf ein Minimum zusammengeschmolzen ist, so war doch der Gottesdienst am 1. Mai 1946, der in Koblenz stattfand, der beste Beweis für den Willen zur Zusammenarbeit. Zu einer Versammlung von etwa 200 Personen, zu der auch die Gemeinden Mainz und Trier ihre Vertreter entsandt hatten, sprach Herr Oberregierungsrat Dr. Auerbach, Düsseldorf, im Anschluß an den Gottesdienst, der zu gleicher Zeit eine Gedenkfeier für die Opfer der KZ.-Lager war. 1 i Die Mitgliederzahl der Gemeinde Koblenz beträgt etwa 130 Personen, die der Gemeinde Mainz etwa 80 und die der Gemeinde Trier etwa 40: Der größte Teil hat die letzten Jahre in deutschen Konzentrationslagern zugebracht, so auch der 89jährige Karl Lichtenstein aus Oberwesel, der drei Jahre im KZ.-Lager Theresienstadt interniert war und mit ungebrochener Energie am Gottesdienst in Koblenz teilnahm. Durch die großen Entfernungen, die innerhalb der Gemeinde und deren Mitglieder bestehen, ist es selbstverständlich schwer, einen regelmäßigen Gottesdienst abhalten zu können, trotzdem hofft man, daß auch diese Schwierigkeit in Kürze überwunden wird. -Die Gemeinden Koblenz und Trier haben sich unter dem Namen „Jüdische Kultusgemeinde der Regierungsbezirke Koblenz und Trier“ zusammengeschlossen. Die Zentrale ist Koblenz, das Büro befindet sich in Koblenz, An der Liebfrauenkirche 11. Angeschlossen ist die nordfranzösische Zone dem Landesverband der jüdischen Gemeinden der Nord-Rheinprovinz in Düsseldorf, von dem sie auch betreut werden. Die französische Zone, die bisher immer stiefmütterlich in jeder Hinsicht behandelt wurde, glaubt durch diesen Anschluß, mit Zuversicht in die Zukunft blicken zu können. A.B-d. Gründung der Arbeitsgemeinschaft der nord-westdeutschen Gemeinden Am 9. Mai 1946 fandin dem herrlichen Hause der Jewish Center in Bremen die Gründungsversammlung der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Gemeinden des nord-westdeutschen Raumes statt. Der Vorsitzende der Gemeinde Bremen, Herr Katz, hatte in kameradschaftlicher Weise für seine Gäste gesorgt und in dem schönen Saal der Gemeinde Bremen die Vertreter der Gemeinden Hamburg, Lübeck, Oldenburg, Hannover, Osnabrück und Schleswig-Holstein zu einem Frühstück zusammengerufen. Zu Beginn der Arbeitssitzung übernahm der Präsident des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden für das Rheinland und Mitglied des Central-Kommitees in Bergen-Belsen, Herr Dr. Auerbach, den Vorsitz und begrüßte den Präsidenten des Central-Kommitees, Rosensaft, sowie den amerikanischen Feldgeistlichen Chaplain Stern, sowie die Vertreter des Jewish Review und den Cpt. Dr. Hirsch aus Osnabrück. Nachdem alle Fragen, die die Gemeinde des nord-westdeutschen Raumes bewegen, erörtert waren, wurde beschlossen, eine Arbeitsgemeinschaft zu formieren, die unter dem Vorsitz des Herrn Katz (Bremen) in Bremen tagen soll und zu deren Vorstand Herr Goldstein, Hamburg,; Wollheim, Lübeck; Salomon, Kiel; und Prager, Hannover; gehören. Es wurde ein enges Zusammenarbeiten mit dem Landesverband für Rheinland und Westfalen zugesichert, die auch ihrerseits der Arbeitsgemeinschaft jede Unterstützung zugesagt haben. Pax Kulturelle und Auswanderungsfragen Am Sonntag, dem 12. Mai, hatte das Kulturdezernat die Düsseldorfer Mitglieder zu einer Versammlung in die Stoffeier Straße eingeladen. Herr Chaskel Roszyne konnte eine über Erwarten große Anzahl von Mitgliedern begrüßen. In seiner Begrüßungsansprache hob er hervor, daß zwei wichtige Fragen es sind, die uns heute zusammenführen. Palästinaauswanderung und Auswanderung in andere Länder. Was Palästina angeht, so müssen wir unsere Menschen vorbereiten, damit, wenn sie nach Erez kommen, den Ansprüchen gewachsen sind, die dieses Land an seine Leute stellt. Wir wollen schaffen für die Zukunft und vergessen die Vergangenheit. Wir wollen nicht immer der Gast in fremden Ländern sein, wollen ein Land haben, das unser ist und wollen in unsrem Lande Gastfreundschaft anderen gewähren. 80 bis 90 Prozent aller jüdischen Menschen wollen einen Judenstaat. Als die Naziherrschaft ihr Ende gefunden hatte, haben alle Länder ihre Bürger aus den KZ.‘s und von dort, wo man sie zwangsweise deportierte, abgeholt. Stehengeblieben ohne Heimat, ohne Schutz ist lediglich der Jude. Er hatte kein Land, keinen Konsul, der sich für ihn einsetzte. Als man die Juden fragte, was ihre vordringlichste Forderung sei, da antworteten sie übereinstimmend: ein Land für uns. Nicht Geld, nicht Kleidung, nicht Lebensmittel, ein Land für sich war die Forderung. Welcher Jude würde sich heute wohl erlauben, seine Hand gegen die Schaffung eines Judenstaates zu erheben? Nach ihm nahm Dr. Auerbach das Wort. Er versicherte, den zionistischen Bestrebungen seine vollste Aufmerksamkeit und seine vollste Unterstützung zu geben. Er berichtete von der Ausreise der ersten 900 Juden nach Amerika. Von Bremen aus sollen jetzt regelmäßig diese Transporte gehen, die vorerst nur aus der amerikanischen Zone geleitet werden. Es darf kein Geld mitgenommen werden, und an Gepäck lediglich 30 kg. Aus seinen Ausführungen entnahmen, wir, daß demnächst Rabbiner Holzer aus London nach hier zurückkehrt, uih seine seelsorgerische Tätigkeit hier in der Nord-Rheinprovinz wieder aufzunehmen. Die JSorge

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