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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1946-05-06 · 2/3 (6.5.1946) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
2/3 (6.5.1946)
Date
1946-05-06
Page
Seite 10 (sequence 6)
Language
German
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Aus aller Welt Pesach in Bonn Am ersten Tag Pesach fand hier der erste größere Gottesdienst statt, der einen ganz besonders festlichen, und für alle Teilnehmer erhebenden Verlauf nahm. Den cantoralen Teil hatte liebenswürdigerweise Herr Opernsänger Siegfried URIAS, Mitglied des Bonner Stadttheaters, in ganz hervorragender Weise bewältigt. Der Vorsitzende der Gemeinde hatte in einer kurzen Ansprache die Bedeutung dieses Tages gewürdigt. Bevorzugte Behandlung der Juden Wir bringen unseren Mitgliedern eine Verfügung des Herrn Oberpräsidenten der Nord-Rheinprovinz zur Kenntnis und bitten bei allen in Frage kommenden Anträgen bei Behörden ausdrücklich auf diesen Erlaß Bezug zu nehmen. Oberpräsident der Nord-Rheinprovinz WF2 — Leit — Dr. M./Gö. Düsseldorf, den 4. Februar 1946. An die Herren Regierungspräsidenten in Aachen, Düsseldorf, Köln. Betrifft: Bevorzugte Behandlung der Juden. Auf Vorschlag des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden der Nord-Rheinprovinz erkläre ich mich damit einverstanden, daß die Angehörigen der jüdischen Gemeinden wohlwollend behandelt werden, wenn sie mit begründeten Anträgen an die Behörden herantreten. Es ist dabei die Tatsache zu berücksichtigen, daß die Angehörigen der jüdischen Gemeinden in den letzten 12 Jahren keine Möglichkeit der wirtschaftlichen Entwicklung gehabt haben. Es wird zweckmäßig sein, daß die Anträge vom Vorstand der zuständigen örtlichen jüdischen Gemeinde vorgeprüft werden. Sollte es ich um Angelegenheiten von überörtlicher Bedeutung handeln, ist ein Gutachten des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden der Nord-Rheinprovinz erforderlich. An dies», Regelung ist insbesondere gedacht, wenn Antragsteller ihr in den letzten Jahren nicht mehr ausgeübtes Gewerbe wieder ausüben wollen. Auch bei den Anträgen auf Neuzulassung zu Handel und Gewerbe jeder Art soll entsprechend verfahren werden. Die Herren Oberbürgermeister und Landräte bitte ich entsprechend zu unterrichten. gez. Dr. Lehr. Gedenksteinenthüllung in Ratingen Am 20. April 1946, nachmittags 15 Uhr, fand auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof in Ratingen der von den Nazis geschändet und eingeebnet wurde, die Enthüllung eines Gedenksteines für die Opfer des Naziregimes statt. Herr Bürgermeister Dr. Gemmert aus Ratingen, dem die Errichtung des Denkmals zu verdanken ist, hat in schlichten, ergreifenden Worten die Enthüllung und Einweihung des Steines, der auch mit jüdischen Lettern versehen ist, vorgenommen. Die Abgesandten der SPD. und KPD. verurteilten in scharfen Worten die Verfolgungsmethoden des 3. Reiches den Juden gegenüber und legten, wie es auch Herr Bürgermeister Dr. Gemmert tat, der Bevölkerung Ratingens die Pflege und Erhaltung des enthüllten Denkmals ans Herz. Herr Mendelsohn aus Hösel dankte für diese vorbildliche Tat und gab der Verbundenheit der Juden mit Ratingen beredten Ausdruck. Die Synagogengemeinde Düsseldorf war durch ihren Vorsitzenden verteten, der das Denkmal als Mahnmal für kommende Geschlechter der Nachwelt übergab. Die Ratinger Musikkapelle umrahmte mit feierlichen Weisen die schlichte und eindrucksvolle Feier. Julius Dreifuß. Chewra Kedische Die Gemeindemitglieder werden wiederholt gebeten, sich zur Chewre Kedische zu melden. Synagogengemeinde Düsseldorf. FRANKFURT Der Frankfurter Kunsthändler Wilhelm Ettle und seine Frau wurden von döm mittleren Militärgericht Darmstadt wegen unrechtmäßiger Bereicherung an jüdischem Eigentum zu sieben bezw. fünf Jahren Gefängnis verurteilt. NIEDERLANDE Die berühmte, 30000 Bände umfassende jüdische Forschungsbibliothek, die von den Nationalsozialisten während des Krieges aus Holland fortgeschafft wurde, wird jetzt der Amsterdamer Universität zurückgegeben. (Radio Berlin) PARIS Nach einer Mitteilung aus Frankreich sind im September 1943 90 000 jüdische Kinder aus Frankreich nach Deutschland geschleppt worden. Es wird jetzt eine umfangreiche Suchaktion nach diesen Kindern eingeleitet. 800 KINDER IN PALÄSTINA ANGEKOMMEN 800 Kinder aus Belsen, unter ihnen 120, die restlichen Ueberlebenden aus Thersienstadt, sind jetzt von Marseille kommend, in Palästina angekommen. KARDINAL GRAF GALEN GESTORBEN Anläßlich des Hinscheidens Kardinals Graf von Galen sandte die Synagogengemeinde Köln folgendes Telegramm an S. Eminenz Kardinal-Erzbischof Dr. Frings, Köln: „Zum Hinscheiden des auch vön uns so sehr verehrten, mutigen Kämpfers für die Menschlichkeit, Kardinals Graf von Galen, spricht die älteste jüdische Gemeinde des Rheinlandes der katholischen Kirche ihre aufrichtigste Teilnahme aus. Synagogengemeinde Köln, gez. Dr. Lewin. Darauf ging folgendes Antworttelegramm ein: „Im Namen des deutschen Episkopates danke ich der Synagogengemeinde Köln für Teilnahme am Tode Kardinals v. Galen. Mögen nie die Zeiten wiederkehren, wo die Menschenrechte so mit Füßen getreten wurden, wie in den letztvergangenen Jahren. gez. Kardinal Josef Frings. ERICH KALISCH, BERLIN SW 61 „Zu den Menschen, die sich dem Druck Hitlers nicht fügten, gehören die arischen Frauen von Juden, insbesondere von den Juden, die zum Tragen des gelben Davidsterns gezwungen waren. Auf jeder Amtsstelle hieß es: ,Sie haben es sich selbst zuzuschreiben! Warum halten Sie zu dem Juden? Warum lassen Sie sich nicht scheiden?' Sie haben sogar in der Oeffentlichkeit demonstriert: Als ihre Männer nach der großen Aktion am 28. Februar 1943, durch die die letzten Juden aus Berlin nach Auschwitz geschafft werden sollten, bei der Gestapo in der Rosenstraße in Haft waren, erschienen Hunderte von Frauen schon beim Morgengrauen täglich in den benachbarten Straßen — viele von ihnen blieben von der Arbeit weg, ohne nach den Folgen zu fragen — und harrten aus bis zur Dunkelheit; wenn sie von der Polizei vertrieben wurden, kehrten sie immer wieder zurück. Im Dezember 1944 mußten sie aus den Stellungen, die sie in der Privatwirtschaft noch hatten, entlassen werden und wurden gezwungen, besonders schwere und schmutzige Arbeit bei unzureichender Entlohnung zu verrichten. Aber auch jetzt noch blieben die Frauen fest. Ihr Widerstand war auch nicht umsonst: er scheint die Gestapo doch soweit eingeschüchtert zu haben, daß sie vor schärferen Maßnahmen zurückscheute. Wer weiß, wie alles sich entwickelt hätte, wenn größere Teile des deutschen Volkes die Widerstandskraft dieser Frauen aufgebracht hätten!“ 10

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