Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 303)
- Language
- German
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Crr-aV CiC^? fc££S? Esg5? Cü^l P^ii Eigi* ügi? C^5? V-jSü Cs£i? r^raT C^i? CixT? C>£Tt DER PROPHET. VON SIGMUND BROMBERG-BYTKOWSKI (LEMBERG). Ueber ihnen flammende Sonnenglut Mit gesenktem Haupte, mit starr in den Boden gebohrtem Blicke horchen sie . . Des Greises leise, schleppende Worte rieseln langsam, eintönig hernieder, fallen mit dumpfem Dröhnen auf ihre stumpfen, müden Seelen herab, schwer lastend, sie nieder — sie zu Boden drückend . . . Wie des Alpdrucks quälende Bilder webt vor ihrer verdüsterten Seele der überstandenen Tage schreckliche Geschichte . . . Wie eines unheimlichen Grabgesanges eigensinniger Kehrreim kommt wieder und immer wieder der schonungslose harte Vorwurf: — Eigene Schuld, ihre eigene Schuld, ihre eigene Schuld! . . . — Hundertmal hat er sie aufgerichtet und hundertmal sind sie wieder gefallen; hundertmal hat er sie erlöst und hundertmal sind sie von ihm gewichen; hundertmal hat er sie gerettet und hundertmal haben sie ihn schmählich verraten! . . . Ihre eigene Schuld, ihre eigene Schuld, ihre eigene Schuld! . . . Die flammende Sonne versengt ihre wehen Häupter, die flammende Sonne bohrt, frisst sich mit grausamer, wütender Glut in ihre berstenden Hirnschalen; des Greises leise, eintönige, düstere Worte fallen mit dumpfem Dröhnen auf ihre müden, stumpfen, gemarterten Hirne, schwer lastend, niederdrückend, zermalmend . . . — Unselige, dreifach Unselige! Nach so vielen Versuchen und immer neuem Abfall, nach so vielen Erlösungen und immer neuem Verrate — was wollen sie von ihm, was wollen sie, was wollen sie? Düster schweigend stehen sie da . . . Nur ein und das andere Mal unterbricht, das erstickte Aufschluchzen eines Weibes, ein banger Seufzer, das verlorene Wimmern eines Kindes die unheimliche Stille . . . — Wird er sich nicht erweichen lassen? . . . Wird er sich zum letzten Male ihrer Not nicht erbarmen? . . . Der weite öde Thalkessel verglüht ohnmächtig in dem wütenden Sonnenbrande; mitten zwischen das schwarze Gestein, die Trümmer alter Wohnsitze, der verdorrten Gräser, Dornen und Disteln gelbe Flut hindurch glüht in blutroter Lohe der dürre, geborstene, zerrissene, in tiefe Spalten zerklüftete Boden . . . 287