Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 304)
- Language
- German
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— Wird er sie nicht erlösen? Wird er sich zum letzten Male ihrer Not nicht erbarmen? ... — Er möge sich ihrer erbarmen, denn sie werden zu Grunde gehen! — Er möge sich ihrer annehmen, denn sie müssen umkommen, elend, unentrinnbar umkommen! . . . Die flammende Sonne sengt ihre schmerzenden Schläfen, die glühende Sonne sprengt ihre gelockerten Hirnschalen; der heisse, brünstige Qualm des Anises wallt, wogt, wirbelt wild in den zermarterten Gehirnen; des öden glühenden Thalkessels blutrote Lohe beginnt in weitem, breitem Kreise um sie herum zu sausen . . . — Du unser Prophet und letzter Anker, dir sind wir demutsvoll ergeben, wir verlassene, verirrte Kind er 1 . . . — Du Gütiger, Mächtiger, Grosser, du unser Führer in der Irre, unser Stern in der Finsternis, sei mit uns, weise und erlöse uns! . . . Yater, Yater — Vater! . . . Aus der dichten Schar drängt sich schwerfällig ein Mann hervor. Um den verkniffenen Mund irrt das Lächeln des Wahnsinns; unter den halbgeschlossenen Lidern schiessen ein um das andere Mal böse, schiefe Blicke zum Greis hinüber. . . . Die Schar hinter dem Manne entsendet heisse Gebete zum Greise. . . . — Es hangen an dir fest und immerdar unsere treuen Herzen, und nichts könnte sie wegreissen! . . . — Unserer Zärtlichkeit ist kein Maass und unserer Freude an dir kein Ziel! . . . — Unendlich ist unsere Liebe und nimmer wird sie erlöschen! . . . Unser! — unser! — unser! ... Der Mann mit dem irren Lächeln senkt das Haupt tiefer, wirft schiefe, giftige Blicke dem Greise zu und schweigt. . . . In der flammenden Sonne rasender Glut, in des wilden Anises brünstigem, wirbelndem Qualme saust vor der heiss betenden Schar des weiten öden Thalkessels grosser blutroter Brand in schwindelnder Schnelle kreisend herum. . . . — Heil dir, o Vater, Lob und Preis! . . . — Gesegnet bist du uns, gelobt und gepriesen für und für! . . . Du, Freude unserer Augen, Trost unseres Herzens, unserer Seele Sonne und Licht! . . . Der Mann mit dem irren Lächeln steht, unheimlich schweigend, und wirft giftvolle, hasserfüllte Blicke zum Greise. Und jetzt — was ist das? — Grosser, allmächtiger Gott, was ist das? . . . 288