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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 253

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 253 (sequence 269)
Language
German
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IRI
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Unsere Rechnung ist aber auch, bezüglich der unter türkischer Verwaltung stehenden Länder nicht ohne den Wirt gemacht. Der Sultan und seine Regierung und die türkische Bevölkerung haben in zahlreichen Fällen — und besonders häufig in letzter Zeit — ihren Sympathien für die Juden und ihrer Anerkennung unseres Wertes deutlich Ausdruck gegeben. Und in der That scheinen die Juden prädestiniert zu sein, mit ihren besonderen Fähigkeiten einige Lücken auszufüllen, welche die Veranlagung der heute im Orient dominierenden Rassen aufweist. So wie Nietzsche meint, dass der märkische Adel durch die höhere Geistigkeit und kluge Geduld der Juden aufgefrischt werden könnte, so scheint — und in noch höherem Maasse — der Unternehmungsgeist und ■^ie kraftvolle Lebensweisheit unserer Nation im Orient noch zu Ehren kommen zu sollen. — Und wie Palästina, in der Mitte der Länder des Osmanen-Reiches gelegen, eine Art Landbrücke bildet zwischen den Euphratländern, Kleinasien und dem Balkan einerseits und Arabien und Nordafrika andererseits, so könnten wohl die Juden berufen sein, als eine Art „Völkerbrücke" zu dienen zwischen den so verschiedenen Volkselementen dieser beiden Hauptlandmassen des Sultanats. So geben die beiden oben genannten Gebiete und vielerlei, was man trotz des Einwanderungsverbots heute schon in Palästina, in Syrien und Kleinasien thun könnte, Gelegenheit genug zu einer neuen Aera der jüdischen Orientkolonisation, die unverweilt begonnen werden kann und — einmal in Fluss gekommen — immer weitere Gebiete uns zugänglich machen wird. Wir dürfen .also wohl, ohne den Vorwurf phantastischer Uebertreibung auf uns zu laden, von einem jüdischen Orient sprechen, der sich innerhalb eines Menschenalters klar herausbilden und den Juden ein Land bieten soll, in dem sie sich frei und als Juden entwickeln können. Wir werden von einem jüdischen Orient sprechen dürfen auch in dem Sinne, dass die jüdische Einwanderung, welche wir voraussahen, bei weitem den grössten Anteil haben wird an der Entwickelung nicht nur Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer, sondern weit über das Gebiet der kompakten jüdischen Siedelung hinaus, auch an der Erschliessung derjenigen Länder sich beteiligen wird, mit denen der engere jüdische Orient, an den wir denken, in kommerziellen und sonstigen Beziehungen stehen wird. Bevor wir schliessen, wollen wir noch dem Einwand begegnen, der uns beim heutigen Stand der verschiedenen Palästina-Bestrebungen wohl noch hier und da gemacht werden kann, nämlich, dass hier zu unrecht von Palästina und seinen Nachbarländern als der historischen und künftigen Heimat gesprochen wurde. 253

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