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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 252

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 252 (sequence 268)
Language
German
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IRI
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und des Orients einen Faktor nicht zu niedrig einschätzen oder gar vergessen, der oft und oft in der Geschichte als treibende Kraft gewirkt hat: den Drang nach Freiheit! Gefühlsmomente wie dieses haben die jetzige jüdische Bewohnerschaft Palästinas (zur Zeit etwa 70 000 Seelen gegen wenige Tausende um die Mitte des 19. Jahrhunderts) in ihr altes Land geführt, und ihre Zahl wird ins Ungemessene steigen dadurch, dass die Westländer sich der jüdischen Einwanderung zu verschliessen beginnen und unser Ostland mehr und mehr eine europäische und amerikanische Entwickelung nimmt. Ja, nicht einmal auf fremde Initiative wartet Palästina, um aus seinem tausendjährigen Schlafe zu erwachen: ein Gebiet, das keine heiligen Stätten in sich schliesst und daher völlig ausserhalb der Interessensphäre der konkurrierenden Grossmächte liegt, in welchem Europäer nicht wohnen und Juden sich noch nicht angesiedelt haben, das Gebiet der alten Stadt Gaza in Südpalästina, hat sich in den letzten 20 Jahren derart entwickelt, dass die genannte Stadt in diesem Zeitraum von 16000 Einwohnern auf 36 000 kam (vor 60 Jahren waren es 2000!). "Wenn eine solche Entwickelung, die bezeichnenderweise fast unbeachtet geblieben ist, sich vollziehen konnte ohne alle Einflüsse von aussen, welche Möglichkeiten eröffnen sich uns da aus einer zieJ>.ewussten jüdischen Kolonisationsthätigkeit, und wieviel grösser werden diese Chancen uns erscheinen, wenn wir bedenken, welchen Anteil die zwar massenhafte, aber doch ganz unorganisierte und mit allen Zufälligkeiten behaftete jüdische Einwanderung nach England und den Vereinigten Staaten an der Entwickelung sogar der Hauptstädte dieser fortgeschrittensten Kulturländer der Welt nehmen konnte. . . . , Die Erwiderung, mit der wir erfahrungsgemäss zu allererst zu rechnen haben, ist die, dass gegenüber den Westländern, welche eben beginnen, sich uns zu verschliessen, Palästina und andere Gebiete des türkischen Orients uns thatsächlich durch die bestehenden Einwanderungsverbote verschlossen sind. Aber dieser Einwand, der für Palästina und die unter türkischer Verwaltung stehenden Nachbarländer zur Zeit noch Geltung hätte, wird sofort hinfällig, wenn wir in das Gebiet des jüdischen Orients zwei der nächsten Nachbarländer Palästinas einbeziehen, in welchen nichts einem sofortigen Beginn der Thätigkeit entgegensteht, und welche sogar in administrativen und sonstigen Hinsichten zur Zeit wesentliche Vorteile über die türkisch regierten Länder des Orients aufweisen. Es sind dies die ägytischen Grenzgebiete Palästinas, von welchen das vor 15 Jahren an Aegypten abgetretene Gebiet nordöstlich vom Nachal Mizrajim sogar zum engsten Palästina zu rechnen ist, und die englische Inse] Cypern, die nur wenige Dampferstunden von Palästina entfernt und von den hohen Bergen der palästinensischen Küste mit blossem Auge sichtbar ist. 252

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