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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 238

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 238 (sequence 254)
Language
German
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IRI
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SCHWARZE AUGEN. EINE GESCHICHTE FUER KINDER, VON CH. D. NOMBERG (WARSCHAU). Dieses ist die Geschichte von den schwarzen Augen: Es war einmal ein Bübchen, das hatte schwarze Augen. Schwarze, aber klare Augen, die tief und tief schauten .... Doch zuerst muss ich Euch vom Wald berichten, wo unser Bübchen geboren wurde. Es war einmal ein Wald, ein alter, hoher, dichter Wald. . . . Der hat gerauscht bei Tage, gerauscht bei Nacht. Und hat so gerauscht wohl viele hundert Jahre, bis Menschen kamen mit Aexten, Sägen und Stricken, und anhüben zu fällen, zu hacken und zu sägen und das Holz fortzuführen in die Stadt, um es dort für gutes Geld zu verkaufen. Das Geld, das hat der reiche Händler aus der Stadt eingesackt. Gefällt und gehackt haben die Bauern aus den Dörfern. Die Aufsicht über die Bauern aber führte der Schreiber, der ein Bübchen gehabt hat mit schwarzen Augen. Das Bübchen sass vor Vaters Stube auf dem freien Platz, der vor dem Häuschen lag. Es sass im Hemdchen, mit dem der Wind fröhlich spielte, und schaute zum Himmel hinauf, über den viel grosse Wolken flogen. Und horchte gespannt hinüber zum Wald, der zornig aufrauschte: „Warum schlagen sie mich, warum schlagen sie mich?" .... Aus der Ferne drang der harte Klang der Axthiebe herüber und das Knirschen der Sägen — dann plötzlich ein schweres Geräusch. Ein Baum war umgelegt worden, und im dumpfen Auffallen rauschte er zum letztenmal mit seinen Zweigen. „Was rauscht denn so, Tatischi?" fragte das Bübchen seinen Vater. „Man fällt Bäume, Närrchen", antwortete der Vater. Lange sass das Bübchen versonnen da. Dann fragte es: „Tatischi, warum fällt man sie denn?" „Bis Du gross sein wirst, wirst Du es wissen " „Warum, Tatischi, warum?" fragte das Bübchen noch einmal. Und schlug dabei die grossen Augen so weit auf und schaute dabei so ernst und traurig, dass der Vater Mitleid bekam und antwortete: „Närrchen, Närrchen! Man fällt die Bäume, um Holz zu haben. Und das Holz verkauft man in der Stadt für Geld, für gutes Geld." „Der Vater hat gesagt, dass ich ein Närrchen bin", dachte das Bübchen bei sich. „Er weiss es wohl ganz gut, aber ich armes, kleines Bübchen weiss es nicht, wozu man den Wald fällt und wozu man Holz verkauft in der Stadt für Geld." 238

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