Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 184)
- Language
- German
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Schwere, lange Stunden ziehen vorbei, deren jede verzagte Seelen in die Ewig- keit trägt. Der Sturm singt fröhlich und lacht in wildem Hohn über dieses Drama der Alltäglichkeit. Und achtlos streut der Mond sein Silber über Leben und Tod. Im lezten Wagen ist tiefe Stille. Einige sind schon tot, andere in dem halluzinatorischen Bann, mit dem das Erfrieren den Tod verschönt. Aber alle sind sie still und leblos, nur die Gedanken schiessen noch wie heisse Blitze wirr durcheinander .... Josua hält seine Braut mit kalten Fingern umspannt. Sie ist schon tot, aber er weiss es nicht .... Er träumt......: Er sitzt mit ihr in dem duftdurchwärmten Gemach; der goldene Leuchter flammt mit seinen sieben Kerzen und alle sitzen sie wieder beisammen wie einstmals. Der Abglanz des Freudenfestes ruht auf den lächelnden Gesichtern, die freundliche "Worte und Gebete sprechen. Und längst gestorbene Personen kommen zur grossen Türe herein, auch seine toten Eltern, aber es wundert ihn nicht mehr. Und sie küssen sich zärtlich und sprechen vertraute Worte. Und immer mehr nahen, Juden in altväterlichen, verblichenen Tra.chten und Gewändern und es kommen die Helden, Juda Makkabi und alle die andern; sie setzen sich zu ihnen und sprechen und sind fröhlich. Und immer mehr nahen. Das Zimmer ist voll von Gestalten, seine Augen werden müde vom Wechsel der Personen, die immer rascher wandeln und durcheinander jagen, sein Ohr dröhnt von dem Wirren der Geräusche. Es hämmert und dröhnt in seinen Pulsen, heisser, immer heisser ■— Und plötzlich ist alles still, vorbei .... Nun ist die Sonne aufgegangen und die Schneeflocken, die noch immer niederhasten, schimmern, wie Diamanten. Und wie von Edelsteinen schimmert es auf dem breiten Hügel, der über und über mit Schnee bedeckt, sich über Nacht aus der Ebene erhoben hat. Es ist eine frohe, starke Sonne, beinahe eine Lenzsonne, die plötzlich zu leuchten begonnen hat. Und wirklich ist auch der Frühling nicht mehr fern. Bald wird er alles wieder knospen und grünen lassen und wird das weisse Linnen nehmen von dem Grabe der armen, verirrten, erfrorenen Jaden, die in ihrem Leben einen Frühling nie gekannt ...... Es£Sf Esg« ts£I? f^sl? C^i? CsSI? fc££i? CiSif Cä2=I? Cb£i* S^i? C^S? CiSi? Es£i* l^fi? 168