Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 159)
- Language
- German
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schelien, wie unmöglich es auch scheint. Denn ein Croccolo muss doch sein Wort halten; das erfordert schon die Ehre des Hauses." Nun lächelte er doch, der weise Rabbi, und sprach: ,,Ei gewiss sollst Du Dein "Wort halten. Versprachst Du das Mädchen zu heiraten, sobald Du gross geworden — je nun, warte doch erst die Zeit ab, da Du es bist. Vorläufig halte ich Dich gleich aller Welt für klein, für recht klein und" — — doch da verstummte sein weiser Mund. — Denn ängstlich schaute plötzlich der Zwerg zu ihm auf, und erschreckt frug er: „Aber ich werde doch noch wachsen?" ,,Ei gewiss," beschwichtigte der alte Mann, ,,verlass Dich nur auf Gott den Herrn, er wird alles zum Guten, lenken, vorläufig aber entschlage Dich aller Sorgen, Dein Wort einzulösen hat's noch Zeit." Davide ging, getröstet und doch mit zwiespältigem Gemüt. Er war demnach noch immer nicht gross? Ja, so gross wie die anderen Altersgenossen gewiss nicht, aber er musste doch bald nachwachsen. Ein Schauer zog durch sein winziges Herz. Sollte er denn ewig klein bleiben? Nein, nein, es wird schon kommen, der eine Mensch wächst früher, der andere später. So klein bleiben wäre ein entsetzliches Unglück. Ein Unglück? Ersparte ihm seine kleine Statur nicht jeden Konflikt mit dem heiligen Glauben? Sollte Jehova ihn deshalb — —? Er wagte nicht den Gedanken auszuspinnen. ■-- Von da ab fragte er jeden seiner Bekannten von Zeit zu Zeit, ob er gewachsen sei, und da niemand ahnte, was den Beweggrund seiner Frage bilde, glaubte man ihn mit der Antwort zu erfreuen, dass er zusehends grösser werde. Ihm schien jedoch noch immer ein grosser Abstand zu sein zwischen sich und anderen Männern, daher beschloss er sein Gewissen zu beschwichtigen, Fina selbst zu befragen. Sie sollte Richter in eigener Sache werden. Im Hause Serafini, dessen Insassen durch die Not der letzten Jahre stets ernst gestimmt waren, herrschte heute laute Fröhlichkeit. Um den grossen Tisch des Salotto sassen alle Familienmitglieder samt vielen Nachbarn, durcheinander lachend und kreischend. In den Gesichtern spiegelte sich die Farbe des Chianti-Weines, der im strohumhüllten Fiasko von Hand zu Hand ging. Neben Fina sass ein grosser junger Mann, dessen Lippen ein dunkles Schnurrbärtchen beschattete. Sein dichtes Haupthaar war in der Mitte gescheitelt und stark 143