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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 144

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 144 (sequence 160)
Language
German
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IRI
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in die Stirne gekämmt. Unterhalb des Haares blitzten feurige, verlangende oder, wie es Croccolo schien, freche Augen aus einem glühend roten Gesichte. Davide konnte dies sehr deutlich bemerken, denn das rote Gesicht mit der haarbelegten Stirn beugte sich immer näher zu dem Kopfe des Mädchens und plötzlich, er meinte vor Entsetzen aufschreien zu müssen, plötzlich presste sich der dunkle Schnurrbart auf seiner Jugendgespielin Lippen. Doch weder das Mädchen noch die übrige Gesellschaft fanden etwas Entsetzliches dabei, —' im Gegenteil, sie begleitete diese Berührung mit erneuertem Gelächter und lauten Rufen: „Evviva Fina, evviva Giorgio." Dann wurde der kleine Croccolo bemerkt, und man erzählte ihm von dem Glück Finas, die der tüchtige Schuhmacher Giorgio Moneta zu seiner Sposa machen wolle. — — Und er musste auf das Wohl des Brautpaares trinken, was ihm nicht sonderlich gut tat, — der starke Chianti dürfte ihm rasch zu Kopfe gestiegen sein — denn er taumelte alsbald wie betäubt nach Hause. Unterwegs begann er zu singen. — — Vielleicht aus Freude, dass er seines Wortes ledig geworden? Doch klang die Melodie ernst und düster — fast wie Totenklage. Von oben her tönte aber ein fröhliches Singen. Er war bis ans eigene Hausgekommen, aus dessen Fenstern festliches Licht strahlte. Sabbat-Eingang wurde in der Synagoge gefeiert, dass es bis auf die Strasse herunterklang, jedes Wort deutlich vernehmbar. „Lecho daudi", das Lied, mit dem der Sabbat empfangen wird, „komm, o Freund,, der Braut, der Sabbat-Braut entgegen" . . . Ja, ja, er hatte eine Braut zu empfangen, eine Jehova wohlgefällige. Allwöchentlich kam sie ihm ins eigene Haus. Wer noch in der Stadt kann eines solch kostbaren Besitzes sich rühmen, einer eigenen Synagoge?' Ein Mensch mit eigener Synagoge hat besondere Pflichten und steht dafür in Jehovas besonderer Hut. Darum musste Fina einen grossen, starken Bräutigam finden, ehe er herangewachsen war, ehe die Sünde über ihn kommen konnte. Am anderen Morgen beim Frühgottesdienst war sein Gebet besonders lang und inbrünstig — dankte er- Jehova, dass er ihn gar so klein geschaffen? VON YORK-STEINER ERSCHIEN SEITHER IM JUEDISCHEN VERLAG: DER TALMUDBAUER CigiR fiSri? Cs£=I? r^S? CäSS? C£==i? UND ANDERES (NOVELLEN). e^SR EsäFif VzSH tzSH CsSiR 144

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