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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 113

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 113 (sequence 129)
Language
German
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IRI
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Fürstin: Alles durcheinander. Sie sehen, selbst der Herzog von Franken musste sich diesen Menschen gefallen lassen. Der Herr: Ja, es ist schwer zu ändern. Die Bahnen müssen auch gewöhnliche Fahrgäste annehmen; ich glaube sogar, die erhalten die Bahnen. Aber wir, die wir das Seltene lieben, kommen dabei nicht auf unsere Rechnung. Fürstin: Sie sprechen mir aus der Seele. Der Herr: Und gerade das Reisen könnte so schön sein. Draussen jagt die Landschaft vorüber. Wie gut, dass man weitereilen darf. Es wird einem so wohl ums Herz. Gedanken, zusammenhanglos, hoch und fröhlich ziehen durch die Seele, wie der Vogelschwarm da oben durch den blassen Himmel. Dann fehlt nur eine Frau, der man es sagen kann. Aber sie muss sehr stolz, sehr zart, sehr unnahbar sein, und sie muss die Melodie fühlen können, die man in ihr erklingen macht. Fürstin: Wer sind Sie? Der Herr: Ein Träumer, der vorübergeht. Fürstin: Sie sprechen anders, als unsere mixed multitude. Ich möchte wissen, wer Sie sind? Der Herr: Vielleicht der Schelm von Bergen. Fürstin: AVer ist das? Der Herr: Befehlen Sie mir nicht, mich zu nennen, Fürstin! Ich möchte noch bis zur nächsten Station mit Ihnen plaudern. Dann steige ich aus und verschwinde. Wenn Sie eine Ahnung haben, was Märchen sind, muss Ihnen das lieber sein. Dann werden Sie noch eine Weile an den Rätselhaften denken. Ich werde nie in meinem Leben etwas Schöneres erlebt haben. Es begann unter Scherzen und verlor sich in einem Traum. Ich war kein Herr, der irgendwie heisst, und Sie waren die ferne Prinzessin, nicht eine wirkliche Dame aus dem genealogischen Taschenbuch. Ich war der Windstoss, der über eine Harfe strich. Fürstin: Immer mehr will ich wissen, wer Sie sind. Der Herr: Sie werden mir zürnen, wenn ich es nach alledem sage. Fürstin: Ich werde ihnen nur verzeihen, wenn Sie es mir sagen. Rasch, rasch! Der Herr (entschlossen): Nun denn, Durchlaucht — ich heisse Kohn. Fürstin (verdutzt): So? . . . Das ist . . . (Blickt zum Fenster hinaus.) Wo sind wir denn schon? . . . (Drückt auf den Taster an der Wand.) Garcon (erscheint): Befehlen? Fürstin: Meine Kammerfrau wird Ihre Rechnung zahlen kommen. (Erhebt sich, nickt leicht mit dem Kopfe und verlässt den Speisewagen.) Der Herr (für sich): Das war vorauszusehen . . . (Der Zugbraust weiter.) 113

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