Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 130)
- Language
- German
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DER KRANKE KNABE. VON J. L. PEREZ (WAESCHAU). (AUTORISIERTE UEBERSETZUNG AUS DEM JUEDISCHEN VON MATHIAS ACHER.) Mamyschi, ich. mocht' Dir ein Geheimnis verraten; aber .... aber nicht dem Vater sagen. Warum dem Yater nicht, fragst Du? "Weil . . . weil er mich weniger lieb hat . . . Doch nein, nicht weniger. So bös, mein' ich es gar nicht. Nein, nicht weniger, nur anders. Er ist doch der Yater und deshalb strenger . . . Er hat einen langen Bart. Sein Gesicht lässt sich nicht so streicheln wie Dein Sammetgesicht, Mamyschi . . . Und ganz andere Augen hat er, er schaut ganz anders. Du, wenn Du mich ansiehst, hast so lachende und dabei feuchte Augen . . . so, so . . . gute, so herzensgute Augen . . . Vor Dir kann ich kein Geheimnis haben . . . mit Deinen Augen schöpfst Du mir's aus dem Herzen. Der Yater blickt ganz anders, immer ernst, kalt . : . Nein, Mamyschi, es sind andere, ganz andere Augen! Als ich klein war, Mamyschi, hatte ich weniger Furcht vorm Yater. Ich erinnere mich, wie ich ihm auf die Knie zu springen pflegte, wie ich ihm das Kopfhaar zerraufte, den Bart bürstete und flocht, die Lippen übereinanderbog. Und wenn er mich dafür zornig anblicken wollte, so drückte ich ihm die Lider hinab und schloss ihm die. Augen . . . Jetzt kann ich's nicht mehr . . . Einmal, — hörst Du Mamyschi? — als ich krank war, richtete ich mich plötzlich, auf, da standet Ihr beide an meinem Bette . . . Du weintest so still, so herzig still . . . Aber der Yater . . . Mamyschi . . . sein Gesicht war so furchtbar ... Ich sah ihm an„ dass er Gott böse war. Yor Schreck schloss ich wieder die Augen. — — Seit damals kann ich mich dem Yater nicht mehr so nähern, wie früher . . . Es. hält mich was zurück. Oft will ihm mein Herz entgegenspringen, aber ich kann nicht! Meinst vielleicht, ich hab' den Vater weniger lieb. Behüte Gott! Ich hab' ihn sehr lieb, jeden Tag lieber . . . Wenn er auf mich zugeht, klopft mir das Herz vor Freude und ich zittere: Jetzt gleich wird er mich bei der Hand nehmen, an sein Herz drücken . . . Bei Dir zittere ich nicht . . . Du hast mich immer gleich lieb . . . hast immer Zeit für mich . . . halsest und küssest mich jeden Augenblick . . . Du bist immer, immer mein . . . Der Yater aber hat so viel Geschäfte . . . 114