Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
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es muss doch für Sie originell sein, einen Namenlosen zu kennen. Obwohl auch, ich das Vergnügen habe, einen sehr alten Namen zu tragen. Fürstin (beinahe liebenswürdig): Ah! Ich dachte es mir gleich. Man errät ja die Roture . . . Aber Sie haben recht: Ihr Einfall, mit mir als Namenloser zu sprechen, ist originell. Es ist mir noch nie passiert. Der Herr: Dann bin ich sicher, dass Sie mich nicht vergessen werden, auch wenn Sie mich nie wiedersehen. Fürstin: Sie bilden sich gleich eine Menge ein. Der Herr: Nein, ich bin eigentlich sprachlos darüber, dass wir miteinander reden. Fürstin: Ich auch. Der Herr: Vorhin, als der Hanswurst Sie belästigte, dachte ich mir: wie kann ein Mensch so dumm und geschmacklos sein, eine Dame wie Sie anzureden! Und dann war ich plötzlich selbst so dumm und . . . Fürstin: Geschmacklos? Der Herr: Sie verstehen mich. Es ist mauvais genre. Aber in den Märchen muss das vorgekommen sein, in den charmanten Märchen. Da wissen die Prinzessinnen auch nicht, wer der Fremdling ist. Und das ist offenbar das Hübscheste am Märchen. Fürstin: Finden Sie? Der Herr: Das Sprechen wird einem leicht. In der Gesellschaft redet man immer nur aus der Position heraus, die man einnimmt. Aber in einem solchen Falle kommen einem andere Worte auf die Lippen, unerwartete, nie gebrauchte, für die man gar nicht verantwortlich ist. Fürstin: Eigentlich wahr. Der Herr: AVenn ich es recht bedenke, reise ich seit fünfzehn Jahren in der AVeit herum, nur um Sie zu treffen, Madame. Fürstin (lacht): Mich? Sie hatten es in Goodwood bequemer. Der Herr: Nein. Nicht gerade Sie. Ich habe mir natürlich nie erlaubt, an Sie zu denken, obwohl ein letzter Knecht von. der Königin träumen darf .... Ich bin sehr schüchtern. Fürstin: Das merkt man nicht. Der Herr: Mit Leuten, denen man unterwegs begegnet, möchte ich nie in Berührung kommen. Fürstin: Da haben Sie recht. Es gibt auf Beisen unmögliche Menschen, denen man kaum ausweichen kann: Geschäftsleute, Pöbel, Juden . . . Der Herr: "Wie meinen Sie? 112