Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 127)
- Language
- German
- Belongs to
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sollte. Er hat nämlich keine Ahnung, wer Sie sind Madame. Sonst hätte er Sie vielleicht nicht mit getrüffelter Gansleber zu blenden versucht. Fürstin: Ich möchte wissen, was er sich bestellte, als er mit dem Herzog von Franken reiste. Der Herr: Sicher auch was Auffälliges .... Der Mann ist übrigens ein Typus. Ich habe solche Käuze schon in allen "Weltteilen getroffen. Wenn sie im Coupe oder auf dem Schiffe eine Dame erblicken, wollen sie gleich ein Reise-Abenteuer erleben. Als ob es noch Abenteuer in der Welt gäbe! Fürstin: Ah, wirklich — es gibt keine mehr? Der Herr: Sie dürfen mir glauben. Ich treibe mich so viel in der Welt herum Ich wüsste es. Ich habe noch nie unterwegs eine Bekanntschaft gemacht. Fürstin: Nein? . . . Der Herr: Ich mache nie den Versuch, mit einer Reisegefährtin zu reden. Fürstin: Das sehe ich . . . Und Sie reisen viel? Der Herr: Die Hälfte des Jahres. Ich habe keine andere Passion. Wenn ich einmal ein paar Monate still liege, geschieht es nur, um die Reiselust in mir bis zur Wut anzustacheln. Ich kenne alle grossen Städte und alle Länder und bin überall ein Fremder. Wenn ich die Ringstrasse satt habe, gehe ich ein bisschen in der Rue de la Paix oder in Regent Street spazieren. Wenn mich Granada nicht mehr unterhält, versuche ich es mit dem Newskij-Prospekt oder mit dem Park von Ghezireh oder mit den feinen Grachten Hollands.....Heberall kenne ich Leute, die mich nicht kennen, und das ist so amüsant. Fürstin: Das lässt sich denken .... Woher kennen Sie mich? Der Herr: Vom Turf. Ich glaube, zuerst in Goodwood. Ich sah Sie mit der Herzogin von Devonshire. Fürstin: Möglich . . . Sie kennen die Herzogin? Der Herr: Ich? Nein. Vom Sehen. Ich sagte schon, dass ich nirgends Attachen habe. Fürstin: Wie merkwürdig! Der Herr: In Ihnen erwacht jetzt der Wunsch, zu wissen, wer ich bin. Je voudrais jurer dessus, wie der Clown vorhin sagte . . . Lassen Sie mich lieber weiter ungezogen sein und meinen Namen verschweigen. Fürstin (zieht die Augenbrauen hoch, misst ihn flüchtig und lächelt): Das ist sehr drollig . . . Der Herr: Sie kennen so viele Botschaftssekretäre, Garde-Offiziere und andere mixed multitude der Salons. Die haben alle Namen, glänzende Namen, alte Namen — III