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Jüdischer Almanach · 1904-01-01 · 1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe · p. Seite 67

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
1902-1903 : Teilweise veränderte Neuausgabe
Date
1904-01-01
Page
Seite 67 (sequence 83)
Language
German
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gelit mit wie jedes andere Beth-Hamidrasch . . . denn oft betete man schon in seinem Hause. Und wenn das Haus nicht mitgehen kann? . . . Wer weiss . . . aber doch! Es wird gehen ... Er wird dem Messias zu Füssen fallen und ihn darum bitten . . . es thut ihm aber um den Boden leid, der sich unter seinem Hause befindet, auch dieser ist ja sein. . . . Schliesslich ist es ganz gut, dass das Zeitalter noch nicht würdig ist, die Posaune des Messias zu vernehmen . . . Die Leute sind nicht genügend gottesfürchtig, und die Söhne sind schlimmer als die Väter . . . und da die Sachen schon so stehen, werden wir wahrscheinlich noch lange im Exil, im Golus verweilen . . . Und am Ende ist das Golus ja nur ein "Wort . . . Die Juden, sagt er sich, wohnen ja da, einige gar in ihren eigenen Häusern, so wie ich in dem meinen . . . wir haben hier ein Beth-Hamidrasch, ein rituelles Bad und einen Rabbiner, alles haben wir da . . . Und er wohnt in seinem Hause . . . alles hat er da — * * * Und eines Tages begann er alles zu verlieren . . . Sein Nachbar zur Linken nämlich verkaufte das zwischen seinem und dem Hause Tobia's liegende Grundstück. Der Käufer war ein Dorfjude, der sich durch Holzgeschäfte ein Vermögen erwarb und nun sich in der Stadt niederzulassen beschloss. Er begann auf dem freien Platze ein Gebäude aufzuführen, ein wirkliches Haus aus Ziegel und Stein, ein zweistöckiges Haus. Schon der untere Trakt musste dem Hause Tobia's Licht und Luft rauben. — So wurde ihm seine ganze Welt mit einem Male schwarz. Zwei Generationen sass er in friedlicher Ruhe in seinem Hause. Es fiel ihm nie im entferntesten ein, dass sich die Dinge einmal verändern könnten, dass jemand in sein Gebiet rücken sollte — und nun kam dieses namenlose Unglück über sein Erbgut, sein Haus, sein Leben . . . Das ganze Weltall muss ja in ein Chaos zurückversinken über diesen unerhörten Frevel . . . werden denn nicht alle sein Haus beschützen und den Frechling vernichten? . . . Der Frechling aber baut immer weiter, immer höher, ohne sich zu kümmern um sein Bitten, sein Jammern, sein Wüten und Toben ... Vergebens droht er ihm mit dem himmlischen Gericht, mit dem Rabbiner und gar mit den ordentlichen Gerichten. Niemand vermag sein Haus vor diesem unheimlich aufstrebenden neuen Gebäude zu retten . . . 67

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